Zverev zieht erstmals ins Wimbledon-Finale ein und trifft auf Sinner
London, 10. Juli 2026
Keith Allison from Hanover, MD, USA / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Alexander Zverev hat durch einen 7:6, 6:2, 6:4-Sieg über den britischen Wildcard-Spieler Arthur Fery das Endspiel von Wimbledon erreicht. Im Finale am Sonntag (17:00 Uhr, Prime Video) trifft der 29-jährige Hamburger auf den italienischen Titelverteidiger Jannik Sinner.
Alexander Zverev hat am Freitag in London durch einen 7:6 (7:0), 6:2, 6:4-Sieg über den britischen Wildcard-Spieler Arthur Fery erstmals das Finale von Wimbledon erreicht und trifft dort am Sonntag auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner.
Klarer Sieg im Halbfinale
Der 29-jährige Hamburger Alexander Zverev hat im Halbfinale von Wimbledon die Sensation verhindert und den Lauf des britischen Wildcard-Spielers Arthur Fery gestoppt. Vor rund 15.000 Zuschauern auf dem Centre Court setzte sich Zverev in drei Sätzen mit 7:6 (7:0), 6:2, 6:4 durch und erreichte damit das erste Wimbledon-Endspiel seiner Karriere. Nach 2:13 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball.
Der erste Satz verlief ausgeglichen und musste im Tiebreak entschieden werden, das Zverev mit 7:0 für sich entschied – es war zugleich der erste Tiebreak-Verlust Ferys im gesamten Turnier. Anschließend übernahm der an Nummer zwei gesetzte Deutsche zunehmend die Kontrolle, erspielte sich im zweiten Satz zwei Breaks zur 2:1- und 4:1-Führung und brachte den Durchgang nach insgesamt 1:31 Stunde mit 6:2 nach Hause. Im dritten Satz sicherte sich Zverev früh das Break zum 3:2 und gab den Vorsprung nicht mehr aus der Hand.
Der Weg ins zweite Major-Finale in Folge
Für Zverev, der erst vor rund fünf Wochen am 7. Juni in Paris durch einen Finalsieg über den Italiener Flavio Cobolli seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, ist Wimbledon das zweite Major-Endspiel in Folge. Mit dem Finaleinzug wird er am Montag den verletzten Spanier Carlos Alcaraz überholen und auf Platz zwei der Weltrangliste zurückkehren. Zverev ist der erste deutsche Herrenspieler im Wimbledon-Endspiel seit Boris Becker im Jahr 1995.
Sein Gegner am Sonntag ist der 24-jährige Italiener Jannik Sinner, der am Freitag im zweiten Halbfinale den serbischen Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic mit 6:4, 6:4, 6:4 besiegte. Sinner ist die Nummer eins der Welt und Titelverteidiger in Wimbledon. Djokovic, siebenfacher Wimbledon-Champion und Inhaber des Rekords für die meisten Grand-Slam-Titel, verpasste damit den Einzug in sein 14. Wimbledon-Endspiel.
Sinner wartet im Endspiel
Im Siegerinterview auf dem Platz zeigte sich Zverev bewegt: „Es ist unglaublich. Dieses Grand-Slam-Turnier ist das, wo ich immer Schwierigkeiten hatte. Ich bin unglaublich glücklich, unglaublich stolz – auf alle, die an diesem Erfolg beteiligt waren. Mein Level heute war okay, glaube ich. Um ehrlich zu sein, muss ich Arthur Respekt zollen. Er wird noch sehr lange auf der Tour spielen und großartige Erfolge einfahren. Jetzt voller Fokus auf das Finale.“ Auf die Frage nach seinem Wunschgegner antwortete er: „Ob es im Finale der Titelverteidiger wird oder der, der hier schon gefühlt 48-mal gewonnen hat mit Novak Djokovic, ist eigentlich egal. Es wird sowieso schwierig.“
Zverev betonte zudem, dass Wimbledon für ihn stets das schwierigste Major gewesen sei: „Dieser Grand Slam war immer der, bei dem ich am meisten zu kämpfen hatte. Und plötzlich stehe ich im Finale.“ Auch zu Ferys Geschichte fand er anerkennende Worte: „Das ist natürlich eine wunderschöne Geschichte. Aber ich muss mich auf mich selber konzentrieren.“ Auf die Frage, wie es sei, im Endspiel zu stehen, sagte er schlicht: „Wäre super.“
Ferys märchenhafter Lauf
Der unterlegene Fery hatte seinerseits für eine der größten Überraschungen des Turniers gesorgt. Der 23-Jährige, derzeit auf Platz 114 der Weltrangliste, war als Wildcard ins Hauptfeld gekommen und hatte sich als erster Wildcard-Spieler seit einem Vierteljahrhundert bis ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers gekämpft – nach Goran Ivanisevic 2001 der zweite Wildcard-Spieler überhaupt, der dies bei Wimbledon erreichte. Fery wuchs unweit des All England Club auf, besuchte eine Schule in Wimbledon und konnte während des Turniers zu Hause übernachten – sein Wohnort liegt nur etwa 1,5 Kilometer vom Turniergelände entfernt.
Das britische Publikum auf den Rängen unterstützte den Lokalmatadoren lautstark, was die Stuhl-Schiedsrichterin während der Ballwechsele per Durchsage mit der Bitte um Ruhe „wenn möglich“ zu zügeln versuchte. Zverev ließ sich davon nicht beeindrucken und profitierte von starken Aufschlagspielen. Fery wird durch seinen Halbfinaleinzug voraussichtlich rund 80 Plätze in der Weltrangliste gutmachen.
Deutsche Wimbledon-Geschichte
Mit dem Finaleinzug schreibt Zverev auch ein Stück deutscher Tennisgeschichte. Er ist nach Michael Stich (1991), Boris Becker (1985, 1986, 1989), Gottfried von Cramm (1935–1937) und Wilhelm Bungert (1967) erst der fünfte deutsche Herrenspieler, der das Endspiel von Wimbledon erreicht hat. Becker hatte vor dem Halbfinale gesagt: „Das ist die Chance seines Lebens, und das meine ich im Ernst, Wimbledon zu gewinnen.“
Sollte Zverev am Sonntag auch das Finale gewinnen, wäre er der erste deutsche Wimbledonsieger bei den Herren seit Michael Stich im Jahr 1991 und der insgesamt erst dritte deutsche Champion im Herren-Einzel der Profi-Ära nach Becker und Stich. Zugleich wäre er der 14. Spieler der Tennisgeschichte, der innerhalb weniger Wochen sowohl die French Open als auch Wimbledon gewinnt – ein Kunststück, das zuvor nur Rod Laver, Björn Borg, Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Carlos Alcaraz vollbracht haben.
Das Endspiel wird am Sonntag um 17:00 Uhr Ortszeit in London angepfiffen und ist in Deutschland live bei Prime Video zu sehen. Das Gesamtpreisgeld des Turniers beträgt 64,2 Millionen Pfund. Zverev geht nach seinem klaren Halbfinalerfolg und mit dem Selbstvertrauen des Paris-Triumphs als Favorit in die Partie gegen Sinner, der allerdings als Titelverteidiger und Weltranglistenerster ebenfalls überzeugend auftritt.
Ausblick auf das Finale am Sonntag
Für Zverev, der 2021 in Tokio olympisches Gold im Einzel gewonnen hatte, ist Wimbledon das dritte Grand-Slam-Halbfinale des Jahres nach den Australian Open und den French Open. Der Weg ins Finale unterstreicht seine Ausnahmestellung im deutschen Herrentennis und macht ihn endgültig zum Anwärter auf den Titel.
Fery hingegen kann trotz der Niederlage auf eine außergewöhnliche Woche zurückblicken. Vom Außenseiter zum Halbfinalisten – sein Lauf wird in die Wimbledon-Geschichte eingehen, auch wenn der Traum vom Endspiel auf dem Rasen des All England Club nur wenige Minuten von seinem Elternhaus endete.
Die deutsche Tennis-Öffentlichkeit blickt nun gespannt auf Sonntag: Erstmals seit 31 Jahren steht wieder ein deutscher Herrenspieler im Wimbledon-Finale – und erstmals seit 1991 könnte ein deutscher Spieler den Titel auf dem heiligen Rasen von London holen.
Fragen & Antworten
Wer ist Arthur Fery?
Arthur Fery ist ein 23-jähriger britischer Tennisspieler, der als Wildcard ins Wimbledon-Hauptfeld kam und sich überraschend bis ins Halbfinale kämpfte. Er wuchs unweit des All England Club auf und besuchte eine Schule in Wimbledon.
Gegen wen spielt Zverev im Wimbledon-Finale?
Zverev trifft im Endspiel am Sonntag auf den italienischen Weltranglistenersten und Titelverteidiger Jannik Sinner, der im zweiten Halbfinale Novak Djokovic in drei Sätzen besiegte.
Wann war der letzte deutsche Wimbledon-Finalist bei den Herren?
Der letzte deutsche Herrenspieler im Wimbledon-Finale war Boris Becker im Jahr 1995. Zverev ist damit der erste deutsche Finalist seit 31 Jahren.
Zverev im Wimbledon-Finale 2026 gegen Sinner | sportnachrichten