Verschwörungstheorien um Argentinien bei dieser WM: Was steckt wirklich hinter den Vorwürfen?
Berlin, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Im Netz kursiert der Vorwurf, Argentinien um Lionel Messi werde bei dieser Weltmeisterschaft systematisch bevorzugt. Eine Auswertung zeigt jedoch, dass die Datenlage diese Behauptung nicht stützt – auch FIFA-Präsident Gianni Infantino hält sich mit Lobreden nicht zurück.
Im Vorfeld der K.o.-Runde dieser Fußball-Weltmeisterschaft halten sich in sozialen Medien Verschwörungstheorien, wonach die argentinische Mannschaft um Lionel Messi bevorzugt werde und schon als nächster Weltmeister feststehe.
Bereits im ersten Gruppenspiel Argentiniens gegen Algerien kam es zu einem ersten Aufreger. In der 31. Minute beging Messi ein Foul, das der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak lediglich mit einer Ermahnung ahndete. Anschließend erzielte Messi zwei seiner drei Tore zum 3:0 gegen die Nordafrikaner – und die ersten Empörungswellen im Netz begannen.
Die Diskussion flammte nach dem dramatischen Achtelfinale zwischen Argentinien und Ägypten (3:2) erneut auf. Die Südamerikaner lagen elf Minuten vor dem Ende noch mit 0:2 zurück, ehe mehrere strittige Szenen in der Schlussphase zu Toren Argentiniens führten. Ein Treffer der Ägypter wurde nach VAR-Eingriff wegen eines vermeintlichen Fouls in der Entstehung aberkannt.
Das Messi-Foul gegen Algerien als Auslöser
Ägyptens Coach Hossam Hassan reagierte anschließend mit deutlichen Worten: "Das war ganz klar ein manipuliertes Spiel." Er ergänzte: "Vielleicht wollten sie den Weltmeister im Wettbewerb halten. Vielleicht wollten sie, dass Messi im Rennen bleibt." Die negativen Emotionen, die aus solchen Spielen hervorgehen, seien laut Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich "nachvollziehbar".
Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Schon bei der WM 2022 in Katar bekam keine andere Mannschaft so viele Elfmeter zugesprochen wie der damalige Weltmeister – fünf Stück. Allerdings absolvierte Argentinien neben Mitfinalist Frankreich auch die meisten Spiele des Turniers. Eine bewusste Bevorzugung lässt sich aus dieser Statistik allein nicht ableiten.
Die Fakten: Elfmeter und Karten im Vergleich
Auch bei den Karten zeigt sich ein differenziertes Bild. Durchschnittlich gibt es für Argentinien nur alle 19,7 Fouls eine Gelbe Karte. Zum Vergleich: Bei England sehen die Spieler bereits nach 7,7 Fouls Gelb. Allerdings haben unter allen 48 WM-Teams nur Tschechien (37,0), Tunesien (27,0) und Norwegen (24,0) eine noch bessere Quote als die Südamerikaner.
Ittrich bewertete das nicht geahndete Foul Messis im Auftaktspiel kritisch. "Für mich ist das eine Rote Karte", sagte der deutsche Schiedsrichter als Experte bei MagentaTV. "Es gibt drei Kriterien für übermäßige Härte: Chance, den Ball zu spielen, Trefferbild und Dynamik." Allein die Dynamik habe gefehlt. Bei einem Platzverweis hätte Messi im darauffolgenden Spiel gegen Österreich gefehlt.
Gegenstimmen aus Österreich
Aus Österreich kam ebenfalls Kritik. Eine ähnliche Szene, als Xaver Schlager vor dem 1:0 gegen Österreich von einem Argentinier gefoult worden war, wurde hingegen nicht als Foul gewertet. ORF-Regelexperte Thomas Steiner sagte allerdings auf die Frage, ob es einen Argentinien-Bonus gibt: "Ganz sicher nicht bewusst. Referees aus der Champions League, die jede Woche die Stars pfeifen, denen passiert das sicher nicht."
FIFA-Präsident Gianni Infantino macht indes keinen Hehl aus seiner Begeisterung für Messi. Nach dem 3:2-Kraftakt im Sechzehntelfinale schickte Infantino in einem eigentlich schon beendeten Interview ganz Argentinien "eine herzliche Umarmung" und "herzliche Glückwünsche". Zuvor hatte er geschwärmt: "Messi spielt außergewöhnlich. Aber wir kennen ihn: Er ist ein Star und es macht uns immer Freude, ihm zuzusehen."
Infantinos offene Sympathie
Öffentliche Lobreden auf Messi wie beim lateinamerikanischen Sender DSports dienen manchen im Netz als vermeintlicher Beleg für die Bevorzugung. Die Spekulationen kursieren besonders auf wenig seriösen Social-Media-Accounts, wie der Vorwurf lautet, Argentinien sei bei dieser WM systematisch im Vorteil.
Zur Einordnung der Debatte äußerte sich auch Mario Kempes, Weltmeister von 1978. Eine kolumbianische Radiostation hatte ihn gefragt, ob Argentinien die WM in Katar geschenkt bekommen habe und nun auch die Spiele geschenkt bekomme. Kempes reagierte gegenüber TyC Sports gelassen: "Die Verlierer werden immer jammern." Ausführlicher sagte er: "Was soll man dazu sagen? Sollen sie doch weiterreden, kein Problem. Wenn man jedes Mal antwortet, wenn man gefragt wird, wird man noch verrückt."
Kempes und die Sicht der argentinischen Legenden
Kempes beendete seine Spielerkarriere Ende der 1980er-Jahre in Österreich, wo er für Vienna, St. Pölten und Krems auflief. Heute ist er 71 Jahre alt und gilt als Stimme einer Generation argentinischer Spieler, die mit großen Mythen, aber auch vielen Anfeindungen umgehen musste.
In den sozialen Medien vermischen sich häufig berechtigte Kritik an einzelnen Schiedsrichterentscheidungen mit pauschalen Verschwörungserzählungen. Die Faktenlage zu Elfmeter- und Kartenstatistiken liefert jedoch keine belastbaren Hinweise auf eine gezielte Bevorzugung Argentiniens bei dieser Weltmeisterschaft.
Für die kommenden Spiele bleibt abzuwarten, ob die Diskussion anhält. Sollte Argentinien am Sonntag um 3.00 Uhr MESZ im Viertelfinale gegen die Schweiz antreten, wird jeder Pfiff des Unparteiischen erneut unter besonderer Beobachtung stehen – und wohl auch im Netz Wellen schlagen.
Die Causa Infantino bleibt dabei ein eigenes Thema. Dass der FIFA-Präsident seine Sympathien offen bekundet, ist ungewöhnlich, aber kein Beleg für eine Manipulation des Wettbewerbs. Ob solche öffentlichen Äußerungen dem Ansehen des Turniers zuträglich sind, bewerten Beobachter unterschiedlich.
Fragen & Antworten
Worum geht es bei den Verschwörungstheorien um Argentinien?
In sozialen Medien wird behauptet, die argentinische Mannschaft um Lionel Messi werde bei dieser Weltmeisterschaft systematisch bevorzugt und sei bereits jetzt als nächster Titelträger festgesetzt. Die Faktenlage aus den offiziellen Statistiken stützt diese Behauptung jedoch nicht.
Welche konkreten Szenen sorgen für Empörung?
Im Zentrum steht ein nicht geahndetes Foul von Messi im Gruppenspiel gegen Algerien sowie mehrere strittige VAR-Entscheidungen im Achtelfinale gegen Ägypten (3:2), bei denen ein ägyptisches Tor wegen eines vermeintlichen Fouls aberkannt wurde.
Wie hat FIFA-Präsident Gianni Infantino reagiert?
Infantino schickte nach dem Achtelfinale in einem eigentlich beendeten Interview "eine herzliche Umarmung" an Argentinien und schwärmte öffentlich von Messi. Er bezeichnete ihn als außergewöhnlichen Star und betonte die Freude, ihm zuzusehen.
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