Struff steht erstmals im Wimbledon-Viertelfinale und trifft auf Sinner
London, 06. Juli 2026
si.robi / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Jan-Lennard Struff aus Warstein hat durch die Aufgabe von Hubert Hurkacz erstmals das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Der 36-Jährige trifft dort am Dienstag auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner aus Südtirol. Struff ist damit der älteste Spieler der Profi-Ära, der erstmals ein Grand-Slam-Viertelfinale erreichte.
Jan-Lennard Struff aus Warstein hat durch den verletzungsbedingten Abbruch von Hubert Hurkacz erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht und trifft am Dienstag in Wimbledon auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner.
Der 36-Jährige aus dem sauerländischen Warstein nutzte am Sonntag die Gunst der Stunde im Achtelfinale des Rasenklassikers: Beim Stand von 3:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 7:5, 4:2 musste der polnische Gegner Hurkacz wegen Bauchmuskelproblemen aufgeben. Zuvor hatte sich Hurkacz bereits am Rücken behandeln lassen. Struff, der im vergangenen Jahr das Münchner Turnier gewann, steht damit vor einer historischen Partie: Er ist der älteste Tennisspieler der Profi-Ära, der erstmals ein Viertelfinale eines Grand Slams erreichte.
Schon der Weg dorthin war für den 1,93 Meter großen Aufschlagriesen, dessen Service immer wieder mit über 200 km/h gemessen wurde, ein steiniger. In der ersten Runde lag Struff gegen Sebastian Baez im fünften Satz mit einem Break zurück, kämpfte sich aber zurück. Auch in der zweiten Runde lag er gegen Brandon Nakashima 5:4 im fünften Satz zurück, als dieser zum Aufschlag antrat – und drehte die Partie noch. „In den ersten beiden Runden stemmte sich der Außenseiter im fünften Satz gegen Rückstände“, heißt es dazu.
Steiniger Weg durch die ersten Runden
In der dritten Runde wartete mit Daniil Medvedev ein besonders dicker Brocken. Der Ex-US-Open-Sieger hatte in jedem Satz ein Break vorgelegt, doch Struff ließ sich nicht beirren und gewann am Ende in drei Sätzen. „In Runde drei besiegte er trotz einer verheerenden Bilanz Ex-US-Open-Sieger Daniil Medwedew“, schreibt WDR.de. Vier Siege in Folge stehen damit für den Deutschen zu Buche, das Preisgeld summiert sich auf rund 560.000 Euro.
Im Viertelfinale wartet nun die wohl härteste Aufgabe, die der Rasen hergibt: Jannik Sinner, die Nummer eins der Welt. Der 24-jährige Südtiroler, der in Paris nach körperlichen Problemen schon in der zweiten Runde ausgeschieden war und sich medizinischen Tests unterzog, mühte sich in Wimbledon gegen Miomir Kecmanovic in fünf Sätzen. Gegen Struff geht er als klarer Favorit in die Partie – alle drei bisherigen Duelle fanden 2024 statt, alle gingen an Sinner.
Vergleich mit Sinner: Chancen aus Halle
Dabei hatte Struff bei einem dieser Vergleiche durchaus seine Chancen. Beim Rasenturnier in Halle lag er gegen Sinner nach verlorenem ersten Satz (6:7) im Tiebreak des zweiten Durchgangs vorne, holte sich diesen und hatte bei 3:3 im dritten Satz sogar einen Breakball. „Ich habe drei Mal gegen ihn gespielt, in Indian Wells, in Monte Carlo und dann in Halle auf Rasen. In Halle habe ich ein sehr gutes Match gespielt, 6:7 im 3. Satz, da hat er mich im ersten Satz komplett auseinandergeschraubt. Dann habe ich es im 2. Satz irgendwie in den Tiebreak geschafft, hab den gewonnen, und hatte bei 3:3 im dritten Satz einen Breakball“, blickte Struff zurück. Das Viertelfinale von Halle entschied Sinner im dritten Satz erst im Tiebreak für sich.
Sinner selbst zeigte sich vor dem Duell respektvoll: „Wir haben uns ein paarmal gegenübergestanden. Das letzte Mal war auf Rasen in Halle. Es war ein sehr, sehr enges Match. Mal sehen, was passiert.“ Struff seinerseits gab sich kämpferisch: „Ich kann mit Selbstvertrauen da reingehen. Natürlich traue ich mir zu, da was schaffen zu können. Ich habe gut gespielt. Es wird eine toughe Aufgabe, klar, aber ich bereite mich bestmöglich vor und dann schauen wir, was geht.“ Auf die Frage, ob er sich gegen Sinner etwas zutraue, sagte er nochmals deutlich: „Klar, natürlich traue ich mir zu, dass ich da was schaffen kann, sonst bringt es nichts, da auf den Platz zu gehen.“
Eintritt in den Last 8 Club
Die Begegnung am Dienstag verspricht nicht nur sportlichen Hochgenuss, sondern bringt Struff auch einen weiteren symbolischen Lohn: Mit dem Einzug ins Viertelfinale erhält er Eintritt in den sogenannten „Last 8 Club“ der All England Lawn Tennis and Croquet Club, der 1986 gegründet wurde. Wer es in Wimbledon ins Viertelfinale schafft, den erwarten unter anderem lebenslang gültige Tickets. Der Eingang des Clubs liegt neben Gate 5 in der Nähe des Centre Court. Eingraviert sind dort Namen wie Martina Navratilova, Boris Becker, Roger Federer, Serena Williams, Patrik Kühnen, Sue Barker, Goran Ivanisevic, Sabine Lisicki, Marin Cilic und Petr Korda. Kühnen hatte 1988 mit einem Sensationssieg gegen Jimmy Connors das Wimbledon-Viertelfinale erreicht.
Für Struff reiht sich dieser Erfolg in eine Reihe deutscher Wimbledon-Achtungserfolge ein. Zu den deutschen Viertelfinalisten der jüngeren Vergangenheit gehören Alex Radulescu (1996), Alexander Popp (2003) und Florian Mayer (2012). Tatjana Maria schaffte es 2022 sensationell ins Halbfinale, Laura Siegemund erreichte 2025 das Viertelfinale. Mit Struff steht nun also wieder ein deutscher Mann in der Runde der letzten Acht.
Dass ausgerechnet der zurückhaltende Sauerländer diesen Schritt schafft, sorgt in der Szene für große Sympathie. Alexander Zverev, selbst einer der besten Spieler der Welt, adelte Struff vor dessen Achtelfinale mit einer warmherzigen Charakterisierung: „Das liebe ich an Struffi, der kann 37 Mal in Folge die erste Runde verlieren und dann auf einmal spielt er Viertelfinale beim Grand Slam. Und darüber sind wir alle glücklich.“ Zudem beschrieb Zverev den Tennis-Kollegen mit einem „Teddybären“, der keinen Gramm Böses in sich habe. „Den Tennis-Kollegen mit einem ‚Teddybären‘, der keinen Gramm Böses in sich habe“, so Zverev wörtlich.
Kollegen loben den Teddybären
Auch Doppelspezialist Kevin Krawietz, ein enger Freund Struffs, fand warme Worte: „Er ist auf seine Art lustig, obwohl er es gar nicht merkt. Er ist der liebste Mensch auf der Welt.“ Struff selbst reagierte auf die Schilderungen gelassen: „Wenn er sagt, dass ich verpeilt ist – okay, ein bisschen vielleicht manchmal.“ Ex-Wimbledon-Sieger Michael Stich analysierte den Lauf seines Landsmanns bei Prime Video so: „Er hat viele Höhen und Tiefen in seiner Karriere erlebt, aber immer an sich geglaubt.“
Hinter Struff liegen turbulente Monate. In seiner komplizierten Saison, in der frühe Niederlagen häufiger waren als späte Erfolge, wirkt der Lauf durch Wimbledon wie eine kleine Sensation. Dass er nun als Vater zweier Söhne im reifen Sportleralter von 36 Jahren auf der größten Bühne des Tennis steht, macht die Geschichte besonders. WDR.de ordnete den Durchmarsch in einem Bericht mit dem Titel „Die Überraschung von Wimbledon – daheim eher der bodenständige Struffi“ ein.
Hurkacz gibt verletzt auf
Für Hurkacz endete das Turnier bitter. Der Pole, der Struff in den Sätzen zuvor mit druckvollem und konstantem Aufschlagspiel das Leben schwer gemacht hatte, konnte letztlich nicht vollenden. Struff dagegen bleibt nach diesem Sieg die Möglichkeit auf das größte Halbfinale seiner Karriere – gegen einen Spieler, den er bereits kennt und gegen den er in Halle über weite Strecken mithalten konnte.
Die Erwartungen an das Duell mit Sinner sind hoch. Struff sprach von einer „brutal schwierigen“, aber auch „spannenden Aufgabe“. Dass sein Gegenüber bereits in der ersten Runde gegen Kecmanovic fünf Sätze benötigte und Sinner physisch angeschlagen aus Paris kam, nährt zumindest die vage Hoffnung auf eine Überraschung. Sicher ist: Ein Sieg gegen die Nummer eins der Welt wäre für den Warsteiner auch mit 36 Jahren eine Sensation für die Geschichtsbücher.
Was bleibt, ist vorerst die Gewissheit, dass ein Spieler, den viele schon abgeschrieben hatten, im Herbst seiner Karriere noch einmal den ganz großen Auftritt auf der Bühne von Wimbledon hat. Struff, der Außenseiter, der Teddybär, der Familienvater aus dem Sauerland, steht im Viertelfinale. Wie weit seine Reise geht, entscheidet sich am Dienstag.
Fragen & Antworten
Wer ist Jan-Lennard Struff?
Jan-Lennard Struff ist ein 36 Jahre alter Tennisspieler aus Warstein im Sauerland, 1,93 Meter groß, dessen Aufschlag Geschwindigkeiten von über 200 km/h erreicht. Er gewann 2024 das Turnier in München und steht 2026 erstmals im Viertelfinale eines Grand Slams.
Gegen wen spielt Struff im Wimbledon-Viertelfinale?
Struff trifft am Dienstag im Viertelfinale auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner aus Südtirol. Alle drei bisherigen Duelle fanden 2024 statt und gingen an Sinner, zuletzt in Halle auf Rasen im Tiebreak des dritten Satzes.
Was ist der Last 8 Club in Wimbledon?
Der Last 8 Club wurde 1986 auf dem Gelände des All England Lawn Tennis and Croquet Club gegründet und gewährt unter anderem lebenslangen Zugang zu Tickets. Eingang ist neben Gate 5 am Centre Court, auf der Wand sind Namen wie Boris Becker, Roger Federer und Serena Williams eingraviert.