Houston, 18 Juni 2026
Portugal ist am Mittwoch in Houston mit einem 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo in die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gestartet, wobei Superstar Cristiano Ronaldo über weite Strecken blass blieb.
Spielverlauf und Tore
João Neves hatte die als Mitfavorit gehandelten Portugiesen in der voll klimatisierten Arena in Führung gebracht, doch Yoane Wissa glich für die Kongolesen in der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum 1:1-Endstand aus. Damit verpasste die Seleção den erhofften Auftaktsieg gegen den Außenseiter aus Afrika. Ronaldo, der mit 41 Jahren und 132 Tagen der älteste Feldspieler ist, der jemals bei einer WM-Endrunde in der Startelf stand, hatte in den Anfangsminuten noch kaum Spuren hinterlassen. Die portugiesische Zeitung Público kritisierte, dem Team habe es an Vertikalität gemangelt, es sei „seinem Vertrauen in Ronaldo ausgeliefert“ gewesen – doch „Vertrauen allein genügt nicht – erst recht nicht in den aktuellen Ronaldo“.
Ronalds statistische Bilanz
Die statistische Bilanz des Kapitäns fiel ernüchternd aus. Ronaldo brachte es im gesamten Spiel auf null Schüsse aufs Tor, null abgeschlossene Dribblings und null Schlüsselpässe. Insgesamt hatte er 25 Ballkontakte – weniger als der kongolesische Torhüter Lionel Mpasi-Nzau, der 35 Mal am Ball war. Schon beim Aufwärmen des „Altmeisters“ war lauter Jubel aufgebrandet, doch auf dem Feld konnte er daran nicht anknüpfen. Sein letztes Tor bei einem großen Turnier war ein Elfmeter zum Auftakt der WM 2022 in Katar; seither hat er in zehn Spielen und 802 Minuten bei Weltmeisterschaften nicht mehr getroffen.
Reaktionen des Kapitäns
Nach dem Abpfiff verließ Ronaldo das Spielfeld früh, während seine Mitspieler eine Ehrenrunde drehten. Er ging sichtbar frustriert direkt in die Kabine und „schlich im Pulk seiner Mitspieler an den rund 60 wartenden Journalisten vorbei aus dem Stadion“. Sämtliche Interviewanfragen lehnte der Superstar ab. Später reagierte er auf sozialen Medien mit dem Hinweis: „Es war nicht der Start, den wir wollten, aber das ist noch lange nicht zu Ende. Kopf hoch und Fokus auf das nächste Spiel.“ Damit entschärfte er die aufkommende Debatte zumindest rhetorisch.
Stimmen aus dem Trainerteam und der Expertenrunde
Trainer Roberto Martínez, der den Portugiesen nach der WM nicht mehr als Cheftrainer zur Verfügung stehen wird, zeigte sich um Gelassenheit bemüht: „Es ist besser, in der Gruppenphase so eine Leistung zu zeigen und sich noch deutlich zu verbessern, denn die Einstellung war sehr gut.“ ZDF-Experte Christian Streich, ein ehemaliger Fußballtrainer, sah die Sache nüchterner und sagte, „die Defensive von Portugal spielt mit einem Mann weniger und das ist sehr schwer zu kompensieren“. Sein Kollege Christoph Kramer hatte vor der Partie darauf hingewiesen, dass „diese portugiesische Mannschaft so mit Weltklasse gespickt ist, dass er ihnen auch ein bisschen was nehmen kann“ – gemeint war Ronaldo.
Abseits des Platzes schlug die schwache Leistung des Kapitäns hohe Wellen. Die portugiesische Zeitung Expresso beschrieb Ronaldo als „wirkungslos“ und diagnostizierte ein „Problem“. Das spanische Blatt Marca schrieb von der „historischen Bürde, Cristiano Ronaldo in guten wie in schlechten Zeiten auf dem Platz zu halten, lastet schwer auf ihnen. Und das hilft sicherlich nicht“. ZDF-Experte Per Mertesacker hielt dagegen, dass Ronaldo „bei diesen Events immer noch seine Tore schießt. Was das Toreschießen angeht, ist er nicht langsamer geworden“ – nur eben diesmal nicht. Fans aus der Demokratischen Republik Kongo hatten den Portugiesen nach dem Schlusspfiff mit „Messi, Messi“-Rufen verhöhnt.
Vergleich mit Messi und anderen Stars
Während Ronalds ewiger Rivale Lionel Messi, ebenfalls 38 Jahre alt und bei seiner sechsten WM-Teilnahme, am ersten Spieltag einen Dreierpack gegen Algerien erzielte und damit ablieferte, „blieb der Europameister von 2016 blass“. Auch Erling Haaland, Kylian Mbappé und Harry Kane hatten am ersten Spieltag jeweils zweimal getroffen. Messi und Ronaldo haben nun beide an sechs Weltmeisterschaften teilgenommen – ein Rekord, den Ronaldo in einem Social-Media-Post selbst erwähnte. Die Debatte über den „alternden Ausnahme-Athleten, der die Gemüter in der Mannschaft und deren Umfeld spaltet“, war damit in vollem Gange.
Ruben Dias beschwichtigt
Im portugiesischen Lager versuchte Verteidiger Ruben Dias vom englischen Meister Manchester City, die Wogen zu glätten. Auf einer einseitigen Pressekonferenz, die fast ausschließlich um Ronaldo kreiste, scherzte der 29-Jährige, der bereits 76 Länderspiele bestritten hat und in seiner Karriere die Champions League und die Club-WM gewann: „Sie enttäuschen mich. Ich dachte, Sie fragen mich etwas zum Strand.“ Später ergänzte er: „Cristiano bekommt eine Menge Aufmerksamkeit und steht immer im Scheinwerferlicht. Das ist so, seit ich in der Nationalmannschaft spiele, und das wird auch in Zukunft so sein. Aber jeder von uns – inklusive Cristiano – ist es gewohnt, mit diesem medialen Druck umzugehen. Wir kennen das aus unseren Clubs, aus der Nationalmannschaft, von Weltmeisterschaften und aus den europäischen Wettbewerben.“ Der wütende Sturm in den sozialen Medien gegen einzelne Spieler – portugiesische Profis waren zuvor für angeblich zu häufige Strand- oder Poolbesuche im WM-Quartier in Florida kritisiert worden – sei „nur Lärm der Medien“.
Nebenwirkung: Shitstorm gegen João Neves’ Partnerin
Zugleich machte Dias deutlich, dass die Mannschaft ihren Traum vom Titel keineswegs aufgegeben hat: „Bis jetzt ist nichts passiert. Niemand kann erwarten, dass so ein Turnier von Anfang an perfekt läuft. Ich denke: Je eher die schwierigen Phasen kommen, desto besser ist es.“ Magenta-TV-Experte Thomas Müller erklärte, er „hätte nicht mit Ronaldo tauschen wollen, das war ein sehr unangenehmer Job“. Frankreich-Ikone Thierry Henry kritisierte „den Egoismus des 41-jährigen Superstars“.
Ausblick: Gruppenspiel gegen Usbekistan
Eine besondere Nebenhandlung lieferte João Neves’ Partnerin, die 20-jährige Schauspielerin Madalena Aragão. Nachdem sie auf Instagram ein Foto mit Neves gepostet hatte, kommentierte ein Ronaldo-Anhänger, sie solle ihrem Freund sagen, er solle „den Ball zu meinem GOAT passen“. Aragão antwortete scharf: „Sag deinem GOAT, er soll in Rente gehen. Er ist sehr eigensinnig.“ Die Reaktion löste einen „heftigen Shitstorm zahlreicher CR7-Anhänger“ mit beleidigenden Kommentaren in den sozialen Medien aus.
Am kommenden Dienstag bekommt Portugal die Gelegenheit, die schwache Auftaktleistung zu korrigieren. Dann trifft die Mannschaft in der Gruppe auf Usbekistan. Mit einem Sieg könnte sie den Grundstein für das Weiterkommen legen – und vielleicht auch die Diskussion um Ronaldo vorerst verstummen lassen. Denn Martínez, der Ronaldo auch bei dieser WM als Mittelstürmer in der Startelf aufbot, hatte bereits bei der EM 2024 in Deutschland mit dem Kapitän kein Tor bei einem großen Turnier mehr erzielt. Sollte Portugal das Turnier dennoch erfolgreich gestalten, könnte der Coach wenigstens noch einen versöhnlichen Abschied feiern – bevor er nach der WM seinen Posten räumt.
