Rabat, 10 Juli 2026
Marokko ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 im Viertelfinale an Frankreich gescheitert und richtet seinen Fokus nun auf die Heim-Weltmeisterschaft 2030, die gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgetragen wird.
Viertelfinal-Niederlage gegen Frankreich
Die Mannschaft von Trainer Mohamed Ouahbi unterlag dem Turnierfavoriten Frankreich am späten Donnerstagabend (Schweizer Zeit) und verpasste damit den erneuten Einzug in die Runde der letzten Vier. Wie schon bei der WM 2022 in Katar, als Marokko im Halbfinale an Frankreich ausgeschieden war, endete das Turnier für die Nordafrikaner an derselben Hürde.
Die Partie gegen Frankreich verlief aus Marokkos Sicht zäh: Über die gesamten 90 Minuten brachte das Team lediglich einen Schuss aufs Tor. Topscorer Ismael Saibari, der im Turnier als Marokkos treffsicherster Spieler gegolten hatte, fehlte verletzt und konnte im Viertelfinale nicht eingreifen. Frankreich, gecoacht von Didier Deschamps, nutzte seine Chancen und zog verdient in die nächste Runde ein.
Ouahbi zieht Bilanz und blickt nach vorn
Trotz der Enttäuschung über das Aus betonte Ouahbi die Anerkennung für den Gegner und die Bedeutung des Turniers für die Entwicklung seiner Mannschaft. Er rief zugleich die mittelfristige Perspektive in Erinnerung: Marokko ist amtierender Afrika-Cup-Sieger und Mit-Gastgeber der WM 2030, die in Spanien, Portugal und Marokko stattfinden wird.
„Wir werden weiterhin eine Mannschaft aufbauen, die um Titel kämpfen kann“, sagte Ouahbi nach der Niederlage. Zudem ergänzte er: „Wir müssen weiterhin an unser Projekt glauben, unsere Arbeit fortsetzen und uns auf die Grundlagen konzentrieren.“ Damit sendete der Trainer das Signal, dass der eingeschlagene Weg trotz des Rückschlags fortgesetzt werden soll.
Ayyoub Bouaddi – Wechsel und Entwicklung
Einer der jungen Akteure, die in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen könnten, ist Mittelfeldspieler Ayyoub Bouaddi. Der 18-Jährige wurde in Frankreich geboren, war bis März 2025 Kapitän der französischen U-21-Nationalmannschaft und entschied sich im Mai 2025, für Marokko zu spielen. Bouaddis Eltern stammen aus Marokko.
Bouaddi, der im Viertelfinale gegen Frankreich zum Einsatz kam, ordnete die Niederlage als Lernprozess ein. „Ich habe immer gesagt, dass es eine Entscheidung aus dem Herzen war“, erklärte er zu seinem Wechsel in die marokkanische Nationalmannschaft. Mit Blick auf die Zukunft fügte er hinzu: „Wir wissen, was wir verbessern müssen, um noch stärker zurückzukommen.“ Er sei überzeugt, dass die Mannschaft aus der Erfahrung des Viertelfinal-Ausscheidens wachsen werde und künftig die Details besser besetzen könne.
Auch Ouahbi betonte, dass das Ausscheiden gegen den Favoriten helfen werde, die Mannschaft weiterzuentwickeln und Schwachstellen für künftige Wettbewerbe zu identifizieren. Diese Selbstdiagnose ist nicht zuletzt mit Blick auf die Heim-WM 2030 von Bedeutung, bei der Marokko als Co-Gastgeber automatisch qualifiziert sein wird und die Erwartungen im eigenen Land besonders hoch sein dürften.
Ausblick auf die Heim-WM 2030
Ouahbi hatte das Traineramt bei der WM 2026 von Walid Regragui übernommen, der Marokko 2022 in Katar erstmals in ein WM-Halbfinale geführt hatte. Mit Ouahbi an der Seitenlinie war die Mannschaft als Afrika-Cup-Sieger angetreten, verpasste es aber, an die Halbfinal-Leistung von 2022 anzuknüpfen.
Die nächste Weltmeisterschaft der Männer steht 2030 an. Marokko teilt sich die Ausrichtung mit Spanien und Portugal; das Eröffnungsspiel ist in Uruguay geplant, um an die erste Fußball-Weltmeisterschaft zu erinnern, die 1930 in dem südamerikanischen Land stattgefunden hatte. Wie bereits die WM 2026 wird auch jene 2030 in drei Ländern ausgetragen.
Mit dem klaren Blick auf 2030 will Marokko die Enttäuschung über das erneute Aus gegen Frankreich in Motivation ummünzen. Ob der eingeschlagene Kurs – junge Spieler wie Bouaddi einzubinden, den Kader breit aufzustellen und die Defensivarbeit zu schärfen – bis zur Heim-WM Früchte trägt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist, dass die Erwartungen im Land und auf dem Kontinent nach 2022, nach dem Afrika-Cup-Triumph und nach dem Co-Gastgeber-Status enorm gestiegen sind.
Auch die symbolische Wirkung des Viertelfinal-Ausscheidens gegen den Topfavoriten Frankreich dürfte die Debatte im Land befeuern: Marokko hat gezeigt, dass es zu den besten Mannschaften Afrikas gehört, der internationale Durchbruch über die Runde der letzten Acht hinaus blieb dem Team jedoch erneut verwehrt. Die kommenden vier Jahre bis zur Heim-WM gelten nun als entscheidendes Kapitel in der Projektplanung von Verband, Trainerstab und Mannschaft.
