Marokko schlägt Kanada 3:0 und erreicht als erstes Team das | sportnachrichten
Marokko zieht mit 3:0 gegen Kanada ins Viertelfinale der WM ein und stellt Afrika-Rekord auf
Houston, 04. Juli 2026
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Kurzfassung
Marokko hat im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft Co-Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) besiegt und als erste Mannschaft das Viertelfinal-Ticket gelöst. Azzedine Ounahi per Doppelpack und Soufiane Rahimi in der Nachspielzeit erzielten die Tore für den afrikanischen Rekord-Weltmeister.
Marokko hat im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft Co-Gastgeber Kanada in Houston mit 3:0 (0:0) besiegt und als erste Mannschaft das Viertelfinale erreicht.
Marokko hat im ersten Achtelfinale der Fußball-WM 2026 ein historisches Ausrufezeichen gesetzt. Der Afrikameister bezwang am Samstag in Houston Co-Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) und ist damit das erste Team, das in den USA, Mexiko und Kanada in die Runde der letzten Acht eingezogen ist. Für die Nordafrikaner, die bereits 2022 in Katar das erste afrikanische Halbfinale einer Weltmeisterschaft erreicht hatten, bedeutet der Sieg zugleich einen neuen Afrika-Rekord bei Endrunden.
Vor 68.777 Zuschauern entwickelte sich zunächst eine zähe Partie. „Das erste Achtelfinale der WM ist eine Halbzeit lang ziemlich langweilig. Aufregend wird es nur bei Gelben Karten“, bilanzierte die übertragende Stelle. Schiedsrichter Michael Oliver (England) hatte bereits vor der Pause sechs Verwarnungen ausgesprochen, so viele wie in einem ersten Durchgang seit dem Achtelfinale Brasilien gegen Ghana 2006 nicht mehr. Insgesamt verteilte der Referee acht Gelbe Karten – Höchstwert im Turnier. Für Kanada sahen Laryea, J. David, De Fougerolles und Larin den Karton, für Marokko Halhal, Hakimi, Ounahi und El Khannouss.
Trainer Mohamed Ouahbi musste seinen etatmäßigen Innenverteidiger Chadi Riad aufgrund einer Knieverletzung vorgeben und durch Redouane Halhal ersetzen. Auch das Spiel selbst lief für Marokko zunächst nicht nach Wunsch. „Beide Teams brachten in Summe nur drei Torschüsse in 45 Minuten zustande“, hieß es im Spielbericht. Marokko verzeichnete gar keinen Torschuss im ersten Durchgang und stellte damit einen negativen Turnierrekord auf.
Erste Halbzeit ohne Torchance
Kanada, angeführt vom 52-jährigen US-amerikanischen Coach Jesse Marsch, begann forsch und erspielte sich die ersten Chancen. Tani Oluwaseyi scheiterte in der 10. und 11. Minute gleich zweimal am Marokko-Torhüter Yassine Bounou, der in Kanada geboren wurde. „Die vielversprechendste Möglichkeit auf einen Torerfolg vergab jedoch Tani Oluwaseyi in der 11. Minute. Der Stürmer vernaschte zunächst Verteidiger Redouane Halhal, brachte den Ball anschließend aber aus bester Position nicht an Bounou vorbei“, schilderte der Bericht.
In der 22. Minute erlitt Marokkos Stürmerstar Ismael Saibari ohne gegnerische Einwirkung eine Oberschenkelverletzung und musste ausgewechselt werden. „Offen ist, ob Bayern-Neuzugang Ismael Saibari dann wieder mitspielen kann“ – der Offensivspieler hatte in jedem Gruppenspiel getroffen und auch im Elfmeterschießen gegen die Niederlande im Achtelfinale verwandelt, bevor ihn die Verletzung stoppte. Für Saibari kam Soufiane Rahimi ins Spiel, der später zur entscheidenden Figur wurde.
Saibari verletzt sich früh
Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie. In der 50. Minute spielten die Marokkaner einen Freistoß kurz: Achraf Hakimi legte an die Strafraumgrenze zurück, wo der 26-jährige Mittelfeldmann Azzedine Ounahi den Ball in die nahe Ecke schlenzte. „50. Minute: Marokko erhält auf der rechten Seite einen Freistoß. Alle Kanadier rechnen mit der hohen Flanke in den Sechzehner, doch Achraf Hakimi legt den Ball flach zurück an die Strafraumgrenze, wo Ounahi direkt abzieht und den Ball gekonnt in die nahe Ecke schlenzt – 1:0“.
Ounahis Treffer war sein zehntes Ländspieltor für Marokko. Danach verwaltete der Favorit die Führung, während Kanada weiter anrannte, aber zu wenig Durchschlagskraft entwickelte. „Zum Matchwinner avanciert Mittelfeldmann Azzedine Ounahi mit einem Doppelpack nach der Pause“, beschrieb die Zusammenfassung. Jonathan David setzte in der 78. Minute einen Freistoß aus guter Position deutlich über das Gehäuse, ehe Tajon Buchanan in der 79. Minute einen Fernschuss abgab, den Bounou entschärfte.
Marokko erwacht nach der Pause
In der 82. Minute fiel die Vorentscheidung. Brahim Diaz, der als Real-Madrid-Profi aufgelaufen war und im Spiel mehrfach als Vorbereiter glänzte, leitete einen Konter ein, ließ mit einer Körpertäuschung einen Gegner aussteigen und bediente Ounahi, der eiskalt zum 2:0 einschob. „82. Minute: Kanada forciert die Offensive und läuft in einen Konter. Der wieselflinke Brahim Diaz könnte abschließen, lässt stattdessen mit einem Haken aber noch einen Gegenspieler aus und serviert Ounahi den Ball auf dem Silbertablett. Im Stile eines Goalgetters netzt der Girona-Söldner erneut ein – 2:0“. Kurz darauf traf Rahimi per Kopf die Latte.
Kanada warf in der Schlussphase alles nach vorne. „Statt des Anschlusstreffers fiel in der letzten der acht Nachspielminuten noch das 3:0 für die Nordafrikaner“, schrieb der Reporter. Zunächst stürmte Kanadas Torhüter Maxime Crepeau in der 94. Minute bei einer Ecke mit nach vorne und kollidierte mit Marokkos Bounou. In der 98. Minute vollendete Soufiane Rahimi einen weiteren, von Brahim Diaz eingeleiteten Konter zum Endstand. „Soufiane Rahimi sorgte in der Nachspielzeit für die Entscheidung (90.+8)“, hieß es in der Nachbetrachtung. Dazwischen hatten die Kanadier noch sechs Gelbe Karten kassiert.
Kanadas Ausscheiden als historische Enttäuschung
Aus Sicht der Kanadier, die erstmals in ihrer Geschichte das WM-Achtelfinale erreicht hatten, endete das Turnier mit einer historischen Enttäuschung. „Im 90. Spiel der WM hat es den ersten Co-Gastgeber erwischt – Kanada ist draußen“. Die „Ahornblätter“ hatten zuvor durch das späte 1:0 gegen Südafrika den erstmaligen Einzug in die K.o.-Runde geschafft, kassierten nun aber in Houston eine deutliche Niederlage.
Trainer Jesse Marsch zeigte sich trotz der Pleite kämpferisch: „Wir waren das bessere Team“, sagte der frühere RB-Leipzig-Coach, räumte aber ein, dass Marokko „etwas mehr Chancen und mehr Qualität im letzten Drittel“ gehabt habe. Sein marokkanisches Pendant Mohamed Ouahbi beschrieb die strapaziöse Partie mit den Worten: „Wir haben gelitten. Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt, weiß man von Anfang an, dass es schwierige Momente geben wird“.
Mit dem Viertelfinaleinzug bauen die Nordafrikaner ihren ohnehin außergewöhnlichen Afrika-Rekord aus. Schon in Katar 2022 hatten sie als erstes afrikanisches Team überhaupt das Halbfinale einer WM erreicht – unter anderem mit 70 Prozent Ballbesitz im damaligen Achtelfinalkrimi gegen die Niederlande. Nun soll mehr herausspringen: „Dieses Mal soll es allerdings mehr als das Halbfinale werden“. Trainer Ouahbi, „der in Belgiens Hauptstadt Brüssel zur Welt kam und dort seine Trainerkarriere beim RSC Anderlecht startete“, steht seit März dieses Jahres an der Seitenlinie und führt ein Team, das zu großen Teilen im europäischen Ausland sozialisiert wurde – „Aus dem 26-köpfigen Kader sind 20 Spieler außerhalb Marokkos geboren und aufgewachsen, 19 davon in Europa“. Der bisherige Coach Walid Regragui, „der in Frankreich geboren“ wurde, hatte das Amt zuvor abgegeben.
Frankreich oder Paraguay als nächster Gegner
Im Viertelfinale wartet am Donnerstag, dem 9. Juli (22:00 Uhr MESZ), in Boston ein Hochkaräter: der Sieger der Partie zwischen Frankreich und Paraguay, die parallel in Philadelphia ausgetragen wurde. „Der Halbfinalist von 2022 bekommt es im Viertelfinal am Donnerstag in Boston mit dem Sieger des Duells zwischen Paraguay und Frankreich zu tun“, hieß es schon vor dem Abschluss des Parallelspiels. Frankreich setzte sich am Ende gegen Paraguay durch.
Eine besondere Randnotiz betrifft die Ausgangslage mit dem Bayern-Profi Saibari. Sein Wechsel von der PSV Eindhoven zum FC Bayern war am Mittwoch zuvor für mindestens 50 Millionen Euro Ablöse bekannt gegeben worden. „Bei den Bayern wird der Neuzugang mit der 34 auflaufen – aus einem traurigen Grund“, hieß es. Mit Blick auf seine Verletzung blieb offen, ob Saibari am Donnerstag in Boston wieder einsatzfähig sein würde. Bayern-Sportdirektor Max Eberl hatte ihn zuvor als „einen der spannendsten Offensivspieler dieser WM“ bezeichnet.
Insgesamt fällt die sportliche Bilanz Marokkos gemischt aus: Trotz der schwachen ersten Hälfte und des frühen Verletzungsrückschlags von Saibari behielt das Ouahbi-Team die Nerven und nutzte seine Chancen eiskalt. Für Kanada, das im Achtelfinale bereits auf den späteren Sieger traf, bleibt der Trost, mit dem Erreichen der K.o.-Runde einen Meilenstein gesetzt zu haben: „mit dem Erfolg, dank der ersten WM-Punkte überhaupt so weit gekommen zu sein wie noch nie“.
Der Spieltag endete mit einem klaren Signal aus dem Lager des WM-Vierten von 2022: Marokko ist als erstes Team in den USA, Mexiko und Kanada eine Runde weiter und hat den afrikanischen Kontinent erneut auf der großen WM-Bühne vertreten.
Fragen & Antworten
Wer hat die Tore für Marokko im Achtelfinale gegen Kanada erzielt?
Azzedine Ounahi traf in der 50. und 82. Minute, Soufiane Rahimi erzielte in der achten Minute der Nachspielzeit (90.+8) das 3:0.
Wer ist Ismael Saibari und warum sorgte sein Ausfall für Aufsehen?
Ismael Saibari ist der 25-jährige marokkanische Stürmer und Toptorschütze seines Teams, dessen Wechsel vom PSV Eindhoven zum FC Bayern für mindestens 50 Millionen Euro am Mittwoch zuvor bekannt gegeben wurde; er musste in der 22. Minute verletzungsbedingt vom Feld.
Auf wen oder was trifft Marokko im Viertelfinale?
Marokko spielt am Donnerstag, 9. Juli, um 22:00 Uhr MESZ in Boston im Viertelfinale gegen den Sieger der Partie Frankreich gegen Paraguay.