Mancini Italien Trainer 2026: Rückkehr nach Katar-Kapitel | sportnachrichten
Italien setzt wieder auf Mancini: Verband will Nationalelf mit altem Bekannten aus der Krise führen
Rom, 28. Juli 2026
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Kurzfassung
Der italienische Fußballverband hat Roberto Mancini als neuen Nationaltrainer vorgestellt und will mit dem 61-Jährigen die dritte verpasste WM-Qualifikation in Folge verarbeiten. An seiner Seite soll künftig der 74-jährige Claudio Ranieri als Technischer Direktor stehen, der Maldini und Leonardo beerbt.
Der italienische Fußballverband hat Roberto Mancini als neuen Cheftrainer der Squadra Azzurra vorgestellt und damit eine wochenlange, von Enthüllungen und Rücktritten begleitete Suche beendet.
Die Ernennung wurde am Dienstag in Rom vom Präsidenten des italienischen Fußballverbands FIGC, Giovanni Malagò, auf einer Pressekonferenz angekündigt. Zunächst sagte der Wunschkandidat ab, der frühere Barcelona-, Bayern- und Manchester-City-Trainer Pep Guardiola. Guardiola sagte ab, weil er nach dem Ende seiner zehnjährigen Tätigkeit bei Manchester City derzeit nicht bereit für einen neuen Job fühlt, wie der Verband berichtete.
Danach war Andrea Pirlo im Gespräch, der Italien 2006 in Deutschland als Spielmacher zum WM-Titel geführt hatte. Ihm wurden jedoch zu enge Kontakte nach Russland zum Verhängnis: Pirlo steht als Markenbotschafter für eine russische Wettfirma und betreut zurzeit einen Klub in Dubai, der einem russischen Unternehmer gehört. Beide, Pirlo-Kandidatur wie auch die zuvor bereits diskutierte Verpflichtung von Carlo Ancelotti – Ancelotti war als aktueller brasilianischer Nationaltrainer nicht zu haben – platzten.
Vom Europameister zum Abtrünnigen: Mancinis erste Amtszeit
Mancini war bereits italienischer Nationaltrainer von 2018 bis 2023. 2021 hatte er die Squadra Azzurra in London zum Gewinn der Europameisterschaft geführt. Die Qualifikation für die WM 2022 gelang Mancini anschließend nicht, ehe er im August 2023 trotz eines laufenden Vertrages als Trainer Italiens überraschend als Teamchef nach Saudi-Arabien wechselte. In den Wochen vor seinem Abschied aus Rom soll Mancini an seinem letzten Tag in Italien einen Berater des damaligen Verbandspräsidenten angerufen und danach ohne Absprache öffentlich gemacht haben, dass er den Verband verlasse.
In Saudi-Arabien hielt Mancini sich allerdings nur 14 Monate. Wegen der enttäuschenden sportlichen Bilanz beendeten Mancini und der saudische Verband die Zusammenarbeit im Oktober 2024 einvernehmlich. Danach wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein al-Sadd. In Katar war Mancini zuletzt mit Al-Sadd immerhin nationaler Meister, sein dortiger Vertrag lief von November 2025 bis Juni 2026. Anschließend war nicht ganz klar, was Mancini plane. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge lag sein saudisches Arbeitspapier als Vierjahresvertrag mit einem geschätzten Volumen von 25 Millionen Euro pro Saison aus.
Fast vier Monate Vakanz und ein verheerendes Qualifikations-Ende
Der Weg zur neuen Aufgabe in Italien war für Mancini allerdings auch aus heimischer Sicht steinig. Der Verband hatte die Stelle des Nationaltrainers seit Anfang April neu zu besetzen. Damals musste der bisherige Coach Gennaro Gattuso zurücktreten, weil der viermalige Weltmeister in der WM-Qualifikation an Bosnien-Herzegowina gescheitert war. Fast vier Monate hat die Suche gedauert, weitere Namen wie Thiago Motta, Giorgio Chiellini – dieser erklärte, er sei mit seiner Rolle beim FC Turin zufrieden – oder Gianluigi Buffon waren zumindest am Rand im Gespräch, schafften es aber nicht.
Während der langwierigen Suche zerrieb sich der Verband selbst. Nach dem vorläufigen Ende der Pirlo-Kandidatur traten die erst rund zwei Wochen zuvor ernannten Sportdirektoren Paolo Maldini und Leonardo zurück. Beide gaben ihre Posten nach nur 16 Tagen im Amt schon wieder auf. Malagò, der als Verbandspräsident Ende Juni 2025 sein Amt angetreten hatte und in der Trainerfrage unter Druck geriet, geriet zunehmend in die öffentliche Kritik; Italiens Sportminister Andrea Abodi warf ihm vor, eine "unschöne Figur" abzugeben. Malagò wiederum konterte mit dem Hinweis, "nicht jeder könne über Fehler anderer urteilen".
Am Dienstag verteidigte Malagò die Wahl Mancinis wortreich: "Italien muss neu gegründet werden", hatte zuvor schon die Gazzetta dello Sport getitelt – eine Forderung, die sich direkt an die Verbandsspitze richtete. Auf einer Pressekonferenz verteidigte Malagò die Entscheidung am Dienstag nachmittag. Noch ist dabei allerdings nicht alles in trockenen Tüchern. Wobei: Unterschrieben ist noch nichts, schränkte der Verband selbst ein; der Vertrag muss noch formal unterzeichnet werden.
An der Seite Mancinis soll nun der frühere Trainer von AS Rom, der 74-jährige Claudio Ranieri, neuer Technischer Direktor werden. Ranieri beerbt Maldini und Leonardo und war erst im Frühjahr aus dem Amt bei der Roma ausgeschieden, das er bis 2025 innehatte. Mit Leicester City hatte Ranieri einst sensationell die englische Meisterschaft gewonnen. Claudio Ranieri soll ebenfalls beim Neuaufbau der italienischen Mannschaft helfen.
Ranieri als Technischer Direktor: Der zweite Mann an Mancinis Seite
Die sportliche Messlatte für Mancini ist klar: Italien hat drei aufeinanderfolgende WM-Endrunden verpasst und ist in der jüngsten Qualifikation gegen Bosnien und Herzegowina gescheitert. Die sportliche Bilanz Mancinis beim saudi-arabischen Verband war mit sieben Siegen in 18 Partien ausbaufähig. Dass er den verstaubten italienischen Apparat revitalisieren kann, gilt in der italienischen Öffentlichkeit als offene Frage.
Mancinis erste Partie in seiner zweiten Amtszeit ist laut Verband für den 25. September in der Nations League gegen Belgien angesetzt. Bis dahin muss Mancini die Mannschaft formen, parallel zu seiner neuen Doppelrolle als Trainer und Team-Architekt in Rom. Ein Vergleich zum Nachbarverband drängt sich auf: In Deutschland betreut Jürgen Klopp die Nationalmannschaft und genießt beim DFB breite Rückendeckung.
Erste Bewährungsprobe gegen Belgien
Mancini selbst war als Spieler in den 1980er- und 1990er-Jahren für Bologna, Sampdoria Genua und Lazio Rom unterwegs, später als Aktiver beim englischen Klub Leicester City. Als Trainer feierte er nationale Meistertitel mit Inter Mailand und Manchester City. Auch als Spieler holte Mancini unter anderem zwei Europapokalsiege und sechsmal den italienischen Pokal.
Die Geschichte einer Rückkehr zeichnet das Bild eines Verbands in Aufruhr. Der italienische Fußballverband gilt als politisch zerstritten, Trainerwechsel werden von Boulevard-Schlagzeilen und Online-Kommentaren flankiert. Mancini muss diesen Graben überbrücken, soll er die Mannschaft 2030 wieder zu einem großen Turnier führen.
Mancinis Lebensstationen als Spieler und Trainer
Beobachter werten die unmittelbare Folge der Personalentscheidungen als Lackmustest. Wenn Mancini nicht innerhalb eines Jahres wieder antritt oder wenn Ranieri sich als Strippenzieher im Hintergrund nicht durchsetzt, dürfte die Debatte um den Verband abermals Fahrt aufnehmen. Der Verband braucht Resultate, und er braucht sie schnell.
Fragen & Antworten
Wer ist Roberto Mancini und warum kehrt er auf den Trainerstuhl Italiens zurück?
Mancini ist ein 61 Jahre alter italienischer Fußballtrainer, der die Squadra Azzurra bereits von 2018 bis 2023 betreute und 2021 zum Europameister führte. Nach Stationen in Saudi-Arabien und Katar soll er den nach drei verpassten WM-Qualifikationen in der Krise stehenden Verband ab September 2026 als Chefcoach erneut übernehmen, parallel zum designierten Technischen Direktor Claudio Ranieri.
Weshalb dauerte die Suche nach einem neuen Nationaltrainer fast vier Monate?
Die Trainerstelle war seit Anfang April 2026 vakant, nachdem Gennaro Gattuso nach dem WM-Qualifikations-Scheitern gegen Bosnien und Herzegowina zurückgetreten war. Anschließend scheiterten Kandidaten wie Pep Guardiola, Andrea Pirlo – wegen Russland-Verbindungen – und Carlo Ancelotti, weshalb der Verband am Dienstag mit Mancini eine bereits bekannte Lösung präsentierte.
Welche Aufgaben kommen auf Mancini und Ranieri in den nächsten Monaten zu?
Mancini soll die italienische Mannschaft ab dem ersten Nations-League-Spiel gegen Belgien am 25. September 2026 betreuen, während der 74-jährige Ranieri als Technischer Direktor den Neuaufbau der Strukturen unterstützt. Beide Aufgaben wurden vom Verband bislang allerdings noch nicht formal unterzeichnet.