Der Österreichische Skiverband (ÖSV) hat Freeride mit Beginn der Saison 2026/27 als offizielle Sparte aufgenommen und reagiert damit auf die Aufnahme der Disziplin in das olympische Programm ab 2030.
Die Entscheidung fiel am Rande der ÖSV-Länderkonferenz und wurde in einer Aussendung des Verbands kommuniziert. Mit der neuen Sparte will der ÖSV den Freeridesport in Österreich nachhaltig weiterentwickeln und professionell aufstellen. „Mit Blick auf die olympische Zukunft wollen wir den Freeridesport in Österreich nachhaltig weiterentwickeln und professionell aufstellen“, hieß es in der Mitteilung.
Hintergrund ist eine Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, das Freeride ins Programm der Winterspiele aufgenommen hat. Bei den Winterspielen 2030 in den französischen Alpen sind vier Freeride-Bewerbe mit insgesamt 44 Athletinnen und Athleten geplant. Damit erhält die Disziplin eine sportpolitische Bühne, die weit über den bisherigen Weltcupzirkus hinausreicht.
Olympische Perspektive ab 2030
Der ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher verwies auf den organisatorischen Aufwand, der mit der Aufnahme verbunden ist. „Wichtig ist, dass die erforderlichen organisatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, wurde Stecher in der Aussendung zitiert. Parallel dazu würden weitere Maßnahmen zur Professionalisierung und Strukturoptimierung umgesetzt.
Als nationales Ausbildungs- und Kompetenzzentrum für Freeride soll laut ÖSV der Standort St. Christoph in Tirol fungieren. Dort ist bereits die Ski Austria Academy angesiedelt, die künftig auch die heimische Freeride-Elite betreuen soll. Die Referatsleitung der neuen Sparte werde zeitnah bekanntgegeben.
St. Christoph als Kompetenzzentrum
Der Freeride-Weltmeister von 2023, Valentin Rainer, sprach von einem „Meilenstein“ für die Sportart. Er erklärte, welche Bedeutung die Entscheidung für die Disziplin hat und wie er auf die ersten olympischen Bewerbe in vier Jahren blickt. Die Aufnahme ins olympische Programm wertet er als historischen Schritt für eine Szene, die sich bisher vor allem abseits klassischer Verbandsstrukturen entwickelt hat.
Mit der neuen Sparte verändert sich auch die Förderlogik im ÖSV. Künftig sollen Trainings- und Wettkampfstrukturen, Kaderplätze und internationale Repräsentation analog zu den etablierten Sparten wie Alpinski oder Skicross organisiert werden. Damit einher geht eine Professionalisierung der Athletinnen und Athleten, die bisher oft als Einzelkämpfer oder in kleinen Teams unterwegs waren.
Professionalisierung der Szene
Neben Freeride wurde auch Synchro9 im Eiskunstlauf neu ins olympische Programm aufgenommen. Die zusätzlichen Disziplinen gelten als Versuch des IOC, jüngere Zielgruppen anzusprechen und das Programm der Winterspiele zu modernisieren. Für den ÖSV eröffnet sich damit ein weiteres Feld, in dem österreichische Athletinnen und Athleten Medaillenchancen haben könnten.
Der ÖSV betonte, dass die Strukturen bis zu den Winterspielen 2030 schrittweise aufgebaut werden sollen. Dazu gehören ein nationaler Wettkampfkalender, einheitliche Ausbildungsstandards und die Integration in die bestehende Verbandsverwaltung. Auch die Zusammenarbeit mit den Landesskiverbänden soll ausgebaut werden, um Talente frühzeitig zu identifizieren.
Die Freeride-Szene in Österreich gilt als eine der aktivsten weltweit. Mit der Arlberg-Region, dem Montafon und den Kitzbüheler Alpen verfügt das Land über ein dichtes Netz an Steilhängen, Tiefschneehängen und Wettkampfarealen. Die neue Sparte soll diese geografischen Vorteile bündeln und in eine systematische Wettkampf- und Trainingsarchitektur überführen.
Ausblick bis zu den Winterspielen
Mit der Aufnahme in den ÖSV endet eine Phase, in der Freeride in Österreich vor allem von privaten Initiativen, lokalen Events und internationalen Wettbewerben getragen wurde. Künftig übernimmt der Verband Verantwortung für Kadereinteilung, internationale Vertretung und die Anbindung an das olympische Programm.
Insgesamt sieht der ÖSV die Entscheidung als Teil einer langfristigen Strategie, um im Wintersport breiter aufgestellt zu sein. Die kommenden Jahre bis 2030 gelten als Übergangsphase, in der Strukturen geschaffen, Athletinnen und Athleten aufgebaut und Wettkampfformate etabliert werden sollen.
