Argentinien hat sich im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gegen den WM-Neuling Kap Verde mit 3:2 (1:1, 1:0) nach Verlängerung durchgesetzt und trifft am Dienstag um 18:00 Uhr in Atlanta auf Ägypten.

Vor 64.478 Zuschauern in Miami begann die Partie aus argentinischer Sicht verheißungsvoll. In der 29. Minute schickte Lisandro Martínez vom Mittelkreis einen langen Ball in den Strafraum, den Lionel Messi mit der ersten Ballberührung annahm und mit dem zweiten Kontakt ins kurze Eck verwandelte. „Vom 39 Jahre alten Kapitän“ ging die Albiceleste, die im typischen weiß-hellblauen Trikot antrat, früh in Führung.

Kap Verde, in dunkelblauen Trikots spielend und vom Trainer Bubista betreut, hielt mit einem „massiven Verteidigungsring vor dem eigenen Strafraum“ dagegen. Bereits in der 7. Minute hatte Torhüter Vozinha mit einer beherzten Dribbling-Intervention gegen Lautaro Martínez im eigenen Strafraum für Aufsehen gesorgt. Später „zahlreiche Glanzparaden“ des 40-jährigen Keepers hielten die „Blauen Haie“ im Spiel.

Messi eröffnet – Kap Verde hält dagegen

Nach dem Seitenwechsel schlugen die Kapverder zurück. In der 59. Minute erzielte Deroy Duarte aus spitzem Winkel den Ausgleich zum 1:1. „Der Underdog verlangt dem Titelverteidiger in Miami alles ab und gleicht zweimal aus“, schrieb die internationale Presse später über den Auftritt des Außenseiters.

Argentinien-Trainer Lionel Scaloni reagierte auf den Ausgleich und brachte in der 63. Minute mit Julián Álvarez und Nicolás González zwei offensive Verstärkungen. Die reguläre Spielzeit endete jedoch ohne weitere Tore, sodass die Verlängerung notwendig wurde.

In der 92. Minute, bereits in der Nachspielzeit, brachte Lisandro Martínez per Kopf nach einer Ecke von Messi und einer Vorlage von Alexis Mac Allister Argentinien wieder in Führung. Doch der Underdog gab nicht auf: In der 103. Minute traf Sidny Lopes Cabral mit einem Weitschuss in den rechten oberen Winkel zum 2:2. „Nach dem traumhaften Tor zum 2:2 durch Sidny Lopes Cabral fällt der entscheidende Treffer nach einem Eckball“, heißt es im Spielbericht. Cabral, der erst 23 Jahre alt ist und für Benfica Lissabon spielt, war erst im Jahr zuvor bei Viktoria Köln aktiv und zuvor bei Rot-Weiß Erfurt unter Vertrag.

Doppelter Ausgleich und dramatische Verlängerung

Die Entscheidung fiel in der 111. Minute: Nach einer Ecke von Messi köpfte Cristian Romero, und Diney Borges lenkte den Ball mit der Hand ins eigene Netz. „Erst ein Eigentor von Diney Borges (111.) erlöste den Titelverteidiger“, schrieb die Presse. In der 117. Minute rettete Torhüter Emiliano Martínez mit einer entscheidenden Parade den knappen Vorsprung über die Zeit.

„Das Spiel gegen Kap Verde endete 3:2 nach Verlängerung“ – so nüchtern fiel die Bilanz eines denkwürdigen Abends aus. Argentinien, das die Gruppenphase in Gruppe J mit drei Siegen gegen Österreich (2:0), Algerien und Jordanien (3:1) absolviert hatte, tat sich gegen den krassen Außenseiter unerwartet schwer. Kap Verde war als Gruppenzweiter der Gruppe H mit Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien ungeschlagen in die K.o.-Runde eingezogen.

Kap Verde hatte in der Vorrunde Spanien 0:0 gehalten und Uruguay 2:2 gespielt – „Zwei Ex-Weltmeister haben sich mit Spanien (0:0) und Uruguay (2:2) bereits die Zähne an den ‚Blauen Haien‘ ausgebissen“. Die Mannschaft, die bei ihrer „ersten WM-Teilnahme“ gleich „die K.o.-Runde erreichte“, kassierte im Turnier erst in diesem Spiel ihre erste Niederlage und schied aus.

„Kap Verde stand kurz vor dem Triumph, als ein Eigentor in der Verlängerung die Partie entschied“, fasste ein Medium die Dramatik zusammen. Die internationale Presse würdigte den Auftritt des Außenseiters mit großen Worten. L'Équipe titelte „Der reine Wahnsinn“, Marca schrieb „Die Verlängerung bewahrt Argentinien vor einem WM-Wunder von Kap Verde“ und The Guardian meinte, „Kap Verde droht mit einer Sensation, bevor Argentinien in einem WM-Klassiker die Herzen der Fans bricht“. USA Today sprach von einem „absoluten Klassiker! Lionel Messi und Titelverteidiger Argentinien entgingen nur knapp der größten Überraschung in der Geschichte der Weltmeisterschaft“.

Internationale Pressestimmen zum WM-Klassiker

Für Messi war es das „siebte Turniertor und sein 20. WM-Tor insgesamt“, womit er seinen Allzeit-WM-Torrekord weiter ausbaute. Der „achtmalige Weltfußballer von Inter Miami“ zeigte sich nach dem Spiel demütig: „Hier gibt es keine Geschenke. Es ist alles sehr ausgeglichen, das macht die WM aus. Auch wenn wir spielen schlecht, kommen wir zurück.“

Trainer Scaloni, der sein 100. Spiel als argentinischer Nationaltrainer bestritt, lobte den Gegner: „Das Spiel war unglaublich hart. Man muss immer das Positive mitnehmen – und das ist, dass diese Mannschaft niemals aufgibt. Und ich muss unseren Gegnern gratulieren. Kap Verde hat 200 Prozent gegeben. Wenn man sagt, dass es bei einer Weltmeisterschaft keine leichten Spiele gibt, dann stimmt das. Das heute war für all jene, die gesagt haben, dass wir eine leichte Auslosung haben.“

Reaktionen der Trainer und Spieler

Bubista, der Trainer der Kapverder, zeigte sich trotz der Niederlage stolz: „Wir müssen stolz auf das sein, was wir erreicht haben. Diese Weltmeisterschaft ist der verdiente Lohn für unsere Anstrengungen. Sie hat unseren Charakter gezeigt. Es ist schade, dass wir verloren haben, aber es war einfach unglaublich.“

Schiedsrichter Drew Fischer aus Kanada leitete die Partie gemeinsam mit seinen Assistenten Michael Barwegen und Lyes Arfa. Als VAR fungierte Armando Villareal aus den USA, als vierte Offizielle Katia Garcia aus Mexiko. Der Kroate Ivan Bebek unterstützte am Bildschirm. Gelbe Karten sahen auf argentinischer Seite Montiel, auf kapverdischer Seite Pina.

Im Achtelfinale wartet nun Ägypten, das sich im Elfmeterschießen mit 4:2 gegen Australien durchgesetzt hatte. Die „Partie findet am Dienstag um 18 Uhr Schweizer Zeit in Atlanta statt“. Argentinien geht als Favorit in die nächste Runde, doch die Warnung des heutigen Abends sitzt tief: Auch ein Titelverteidiger kann an einem heißen WM-Abend in Miami ins Wanken geraten, wenn ein halbes Tausend Einwohner zählender Inselstaat „mit ein wenig mehr als 500.000“ Bewohnern zur Sensation ansetzt.

Ausblick: Achtelfinale gegen Ägypten

Die argentinische Presse reagierte mit gemischten Gefühlen auf den knappen Erfolg. Clarín titelte „Argentinien besiegt Kap Verde in einem Spiel voller Qual und steht im Achtelfinale“, La Nación schrieb von „Triumph und Erleichterung. Argentinien gewinnt ein Spiel, das sie fast die Weltmeisterschaft gekostet hätte. Ein hart erkämpftes 3:2 gegen Kap Verde brachte Erleichterung in der Hölle von Miami“ und Olé sprach von einem „unglaublich und nervenaufreibend: Argentinien gewinnt in der Verlängerung 3:2 gegen Kap Verde und steht im Achtelfinale“. Die italienische Gazzetta dello Sport urteilte hingegen hart: „Hässliches Argentinien! Wie beängstigend“.

The Independent brachte die Bedeutung des Abends auf den Punkt: „Die denkbar beste Rechtfertigung für eine Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften“. Die „Kap-Verde-Inseln stehen unter portugiesischem Einfluss“, die Mannschaft hat sich mit diesem Auftritt in die Herzen vieler neutraler Zuschauer gespielt – und bewiesen, dass Träume von der Sensation manchmal nur wenige Sekunden von der Wirklichkeit entfernt sind.