Zverev im French-Open-Finale 2026 gegen Cobolli | sportnachrichten
Zverev erreicht French-Open-Finale und trifft auf Cobolli
Paris, 07. Juni 2026
Keith Allison from Hanover, MD, USA / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Alexander Zverev steht im Finale der French Open in Paris und trifft am Sonntag um 15:00 Uhr auf den Italiener Flavio Cobolli. Der Hamburger kann mit einem Titelgewinn der erste deutsche Herren-Champion in Roland Garros seit 89 Jahren werden.
Alexander Zverev hat durch einen Vier-Satz-Sieg im Halbfinale gegen den Tschechen Jakub Mensik das Endspiel der French Open in Paris erreicht und trifft dort am Sonntag um 15:00 Uhr auf den Italiener Flavio Cobolli.
Hintergrund
Alexander Zverev steht im Finale der French Open und hat am Sonntag um 15:00 Uhr (Eurosport, Nitro und SRF live) die Chance auf seinen ersten Grand-Slam-Titel überhaupt. Der 29 Jahre alte Hamburger setzte sich im Halbfinale am Stade Philippe Chatrier gegen den 20-jährigen Jakub Mensik aus Tschechien in vier Sätzen durch und nutzte dabei auch die widrigen Bedingungen bei kühlem und windigem Wetter, unter denen das Dach des Stadions offen blieb. Nach dem Spiel sagte Zverev: „Ich fühle mich gut, ich habe auch keine brutal langen Matches gehabt."
Gegner im Endspiel ist der 24-jährige Italiener Flavio Cobolli, der sein Halbfinale kampflos erreichte, weil dessen Landsmann Matteo Arnaldi kurzfristig wegen einer Virusinfektion absagen musste. Zverev wollte die ungewöhnliche Vorgeschichte nicht überbewerten: „Er ist ein grossartiger Spieler, ein grossartiger Junge. Ich freue mich, gegen ihn zu spielen." Zverev lobte Cobolli zudem mit den Worten: „Er ist supertalentiert, superjung, er verbessert sich immer wieder."
Für den Weltranglisten-Dritten Zverev ist es das vierte Grand-Slam-Finale seiner Karriere, nachdem er 2024 in Paris gegen den verletzungsbedingt fehlenden Titelverteidiger Carlos Alcaraz aus Spanien in fünf Sätzen verloren hatte. Auch die Endspiele bei den Australian Open 2025 gegen Jannik Sinner und 2026 im Halbfeld gegen Alcaraz waren für den Deutschen ohne Titel geblieben. Insgesamt nimmt Zverev in Paris bereits an seinem 41. Grand-Slam-Turnier teil; einen großen Titel hat er in dieser Kategorie noch nicht gewonnen.
Dabei wäre der Erfolg am Sonntag historisch: Zverev könnte der erste deutsche Herren-Profi seit Henner Henkel vor 89 Jahren werden, der die French Open in Paris gewinnt. Der letzte Grand-Slam-Titel eines deutschen Spielers auf der Herren-Tour liegt 30 Jahre zurück, als Boris Becker 1996 die Australian Open gewann. Becker, dreifacher Wimbledonsieger, kommentierte den Halbfinalerfolg seines Landsmannes bei Eurosport anerkennend: „Er hat geliefert, er hat die Nerven behalten, er hat gutes Tennis gespielt." Zudem sagte Becker: „Sascha zeigt jetzt sein ganzes Repertoire."
Becker und McEnroe sehen Zverev gereift
Auch der US-Amerikaner John McEnroe, siebenfacher Grand-Slam-Champion, sieht in einem möglichen Titelgewinn eine Zäsur für Zverev. Bei TNT Sports sagte McEnroe, ein Erfolg in Paris könne für den Deutschen „plötzlich selbstbewusster gegen die Gegner auftreten, mit denen er bisher Schwierigkeiten hatte." Zverev selbst hält sich an sein gewohntes Muster und richtete den Blick auf das nächste Match: „Ich habe mich auf meine Sachen konzentriert, und das werde ich weiterhin tun. Das Einzige, worauf ich Einfluss habe, ist mein nächstes Match."
Das Halbfinale gegen Mensik dauerte rund drei Stunden. Zverev hatte zuvor im Turnierverlauf nur zwei Sätze abgegeben und etwa vier Stunden weniger auf dem Platz gestanden als sein Halbfinalgegner. Mensik laborierte im Turnier wiederholt an Krämpfen, kassierte im dritten Satz eine medizinische Auszeit zur Behandlung im Nacken- und Schulterbereich und litt auch bei einer Pressekonferenz unter Beschwerden. Becker hatte vor dem Spiel auf Eurosport noch optimistisch formuliert: „20 Jahre jung, zwei Tage frei – der wird fit sein wie ein Turnschuh."
Cobollis ungewöhnlicher Weg ins erste Endspiel
Cobolli erreichte das Finale nicht durch sportlichen Vorschlagspunkt, sondern durch den Ausfall Arnaldis. Der 25-jährige Arnaldi, auf Platz 104 der ATP-Weltrangliste, konnte nach eigenen Angaben nicht schlafen und musste sich mehrfach übergeben. „Klar wollte ich eine Forfait-Niederlage verhindern, doch ich konnte weder essen und trinken, noch mich bewegen", sagte er. Damit platzte auch die Möglichkeit des ersten rein italienischen Grand-Slam-Halbfinals im Herren-Einzel der Open Era. Cobolli reagierte betroffen: „Als er mich informierte, fing ich beinahe an zu weinen. Er ist eine Inspiration für uns, es tut mir extrem leid für ihn."
Für Cobolli, aktuell auf Rang 14 der ATP und als Nummer 10 gesetzt, ist es das erste Grand-Slam-Endspiel seiner Karriere. Mit dem Einzug in die Top 10 nach dem Finale wird der Italiener einen weiteren Meilenstein setzen. In den bisherigen vier direkten Duellen mit Zverev hat Cobolli allerdings nur eines gewonnen. Zverev geht daher als Favorit in die Partie, auch wenn die Vorgeschichte mit dem Walkover keine Aussage über den Spielverlauf am Sonntag erlaubt.
Sandplatz als vertrautes Terrain
Dass die French Open in diesem Jahr für Zverev eine besondere Chance bietet, liegt auch an der Konstellation der Konkurrenz. Titelverteidiger Carlos Alcaraz, sechs Jahre jünger als Zverev und vor seinem Paris-Triumph 2024 bereits zweifacher Grand-Slam-Sieger, fehlt verletzt. Auch Jannik Sinner, in diesem Jahr in Paris früh ausgeschieden, steht nicht im Endspiel. Zverev selbst verwies zuletzt auf den verpassten Australian-Open-Auftritt Anfang 2026, als er gegen Alcaraz im Halbfinale trotz einer 5:3-Führung im fünften Satz verlor: „Wenn ich den zweiten Satz gewonnen hätte und dann kommen seine Krämpfe im dritten Satz dazu, hätte das den Unterschied ausmachen können."
An Paris hat Zverev zudem persönliche Erinnerungen, die über das Finale von 2024 hinausgehen. Im Halbfinale der French Open 2022 hatte er sich gegen Rafael Nadal einen Bänderriss im rechten Sprunggelenk zugezogen, war im Rollstuhl vom Platz gebracht worden und später an Krücken vor die Zuschauer zurückgekehrt. Nadal hatte damals gesagt: „Zverev in der Kabine weinen zu sehen, war ein schlimmer Moment." Auch der Blick auf die Historie der French Open zeigt, dass der Titel in der Herren-Konkurrenz zuletzt fest in den Händen der sogenannten „Big Three" lag.
Was am Sonntag auf dem Spiel steht
Der kommende Sonntag bietet Zverev nun die Möglichkeit, diese Kette zu durchbrechen. Zverev selbst gab sich vor dem Finale betont nüchtern: „Ich werde mich auf ein 'hartes Match' vorbereiten und hoffentlich mein Level zeigen können." An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht: Über die gesamten zwei Wochen des Sandplatzturniers überzeugte er mit konstanten Auftritten und benötigte im gesamten Turnierverlauf nur zwei Satzverluste.
Für den Fall eines Sieges würde Zverev nicht nur einen persönlichen Meilenstein setzen, sondern auch eine fast neun Jahrzehnte währende Durststrecke des deutschen Herren-Tennis in Roland Garros beenden. Die Ausgangslage dafür ist günstig: Zverev ist Weltranglisten-Dritter, auf Sandplatz bislang das stärkste Grand-Slam-Parkett seiner Karriere, und trifft auf einen Gegner, der zum ersten Mal in einem Major-Endspiel steht.
Eurosport-Experte Becker hatte das Turnier vor dem Halbfinale als Bewährungsprobe für Zverev beschrieben und mit Blick auf den Finaleinzug von 2024 an die Worte von Zverev aus dessen damaliger On-Court-Rede erinnert: „Hoffentlich werden wir eines Tages diese Trophäe in unseren Händen halten." Sollte Zverev am Sonntag tatsächlich nachlegen, wäre dieses Versprechen nach 30 Jahren ohne deutschen Grand-Slam-Titel bei den Herren und 89 Jahren ohne deutschen Paris-Champion eingelöst.
Hintergrund
Becker-McEnroe-Duo sieht Zverev gereift
Cobollis ungewöhnlicher Weg ins erste Endspiel
Sandplatz als vertrautes Terrain
Fragen & Antworten
Wer ist Alexander Zverevs Gegner im French-Open-Finale 2026?
Zverev trifft im Endspiel am Sonntag um 15:00 Uhr auf den 24-jährigen Italiener Flavio Cobolli, der als Nummer 10 gesetzt ist und das Finale durch einen Walkover erreichte.
Warum ist ein Titel für Zverev historisch bedeutsam?
Ein Sieg wäre der erste Grand-Slam-Titel seiner Karriere und der erste eines deutschen Herren-Profis bei den French Open seit Henner Henkel vor 89 Jahren.
Wie erreichte Cobolli das Finale?
Cobolli profitierte davon, dass sein italienischer Landsmann Matteo Arnaldi das Halbfinale weniger als eine halbe Stunde vor Beginn wegen einer Virusinfektion absagen musste.