USA trotz umstrittener Roter Karte gegen Balogun im WM-Achtelfinale – 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina
Santa Clara, 02 Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben sich durch ein 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina für das WM-Achtelfinale qualifiziert – trotz einer umstrittenen Roten Karte gegen ihren Top-Torjäger Folarin Balogun. Im Achtelfinale wartet nun Belgien, gegen das Balogun gesperrt fehlen wird.
Santa Clara, 02 Juli 2026
Die USA haben sich mit einem 2:0-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina für das WM-Achtelfinale qualifiziert, mussten dabei aber mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl spielen, nachdem ihr Top-Torjäger Folarin Balogun kurz vor der Pause die Rote Karte gesehen hatte.
Nach dem für die Tabelle bedeutungslosen Rotations-Auftritt gegen die Türkei (2:3) setzte US-Coach Mauricio Pochettino vor 68.827 Zuschauerinnen und Zuschauern im Super-Bowl-Stadion von Santa Clara wieder auf seine Stammspieler. Im 3-5-2-System gaben die Hausherren von Beginn an den Ton an und gewährten der Balkan-Elf um die ehemaligen Salzburger Kerim Alajbegovic und Amar Dedic mit intensivem Pressing kaum ruhige Momente. Bereits beim Aufwärmen sorgte das US-Team im sonnendurchfluteten Stadion der San Francisco 49ers für große Begeisterung, und rund zwei Stunden vor dem Anpfiff hallten „USA, USA"-Rufe durch die Arena.
Spielverlauf und überraschende Führung
Kurz vor der Halbzeitpause brachte der US-amerikanische Stürmer Folarin Balogun seine Mannschaft mit 1:0 in Führung und schrieb damit eine besondere Geschichte: Nachdem er sowohl für das US-amerikanische als auch für das englische Nachwuchs-Nationalteam gespielt hatte, hatte er sich erst 2023 für sein Geburtsland entschieden und war kurz darauf in der A-Nationalmannschaft debütiert. In seinen bisherigen drei WM-Spielen erzielte der 24-Jährige nun drei Tore – ehe die Partie für ihn ein vorzeitiges Ende nehmen sollte.
Wenige Augenblicke nach seinem Treffer hatte er auch noch das 2:0 am Fuß, scheiterte aus kurzer Distanz allerdings an der Latte. Noch vor dem Pausenpfiff folgte dann der Aufreger der Partie: Balogun sah nach einer Grätsche mit offener Sohle die Rote Karte. „Ich hatte Schmerzen, mein Schuh war aufgerissen", sagte der 24-Jährige hinterher. „Das war niemals Absicht", sagte Pochettino und bekam von einem früheren Topschiedsrichter recht.
Die Rote Karte – ein Unfall oder eine Fehlentscheidung?
Der frühere englische Spitzenschiedsrichter Mark Clattenburg urteilte beim amerikanischen Sender Fox: „Das war ein Unfall und für mich keine Rote Karte". Auch der ORF-Experte Michael Liendl meinte: „Für mich ist das keine rote Karte". Noch deutlicher wurde der Verweis auf Lionel Messi: „Das ist kein guter Einsatz des VAR", hieß es, und der Ex-Profi verwies auf die umstrittene Szene des argentinischen Superstars in dessen erstem Gruppenspiel gegen Algerien, wo er ebenfalls mit offener Sohle hinten in seinen Gegenspieler gestiegen und nicht ausgeschlossen worden war: „Es wird mit zweierlei Maß gemessen."
Die USA ließen sich vom Rückstand in Unterzahl nicht aus dem Konzept bringen und stemmten sich leidenschaftlich gegen die bosnischen Angriffe, ohne sich dabei komplett zurückzuziehen. „Dieses Spiel hat unseren Charakter gezeigt", fasste Malik Tillman die Leistung zusammen. „Wir werden immer weiterkämpfen", sagte der Leverkusener, der zugab: „Ich finde, die Mannschaft hat genau das gezeigt: ihre Qualität, ihre Fähigkeit, auf höchstem Niveau zu bestehen und füreinander zu kämpfen." Denn tatsächlich stemmten sich die Amerikaner leidenschaftlich gegen die bosnischen Angriffe, ohne sich dabei komplett zurückzuziehen.
Unterzahl und eiskalte Chancenverwertung
Nach 67 Minuten war es dann soweit: Christian Pulisic (67.) und Bayer Leverkusens Malik Tillman (82.) ließen mit ihren Toren die meisten der 68.827 Fans frenetisch jubeln und brachten das Heimteam endgültig auf Kurs. Das 2:0 vor 68.827 Zuschauerinnen und Zuschauern im tosenden Super-Bowl-Stadion von Santa Clara soll für ihn und seine Mannschaft nur eine Zwischenstation sein und als Boost wirken: „Für uns geht es jetzt darum, weiter zu träumen", sagte Pochettino.
Dass diese Reise tatsächlich noch länger geht, verdeutlichte nicht zuletzt die Szene nach dem Schlusspfiff. Mit „Take Me Home, Country Roads" feierten Spieler und voller Inbrunst singende Fans in Rot, Weiß und Blau den Achtelfinaleinzug des Teams um Superstar Christian Pulisic. Auch Pochettino schwärmte: „Als dieses Lied im Stadion erklang, war es unmöglich, nicht mitzusingen." Es sei „ein fantastisches Lied, sehr emotional, besonders nach einem Sieg", ergänzte ein argentinischer Spieler.
Teamgeist auf höchstem Niveau
Pochettino, der das Team seit dem 10. September 2024 trainiert und mit dem Kader einen Gesamtmarktwert von 146,40 Millionen Euro vertritt, sprach zudem den Teamgeist an: „Das war der Moment, allen zu beweisen – und auch uns selbst –, dass es nicht nur leere Worte sind, wenn wir sagen, dass wir eine Familie sind." Der 54-jährige Fußballlehrer verwies dabei auch auf den unmittelbaren Blick nach vorn: „Sie wollen an unserer Seite stehen, sie wollen Teil unserer Geschichte sein." Deshalb hoffe er, „dass wir unseren Weg auf genau diese Weise weitergehen werden".
Im Achtelfinale bekommt es der WM-Gastgeber USA nun mit Belgien zu tun, das sich in einem hochdramatischen Comeback noch gegen Senegal durchsetzen konnte. „Und wir werden daran glauben – mit allem Respekt vor Belgien", lautete denn auch der selbstbewusste Ausblick. „Im Fußball ist vieles möglich, wenn man daran glaubt", sagte Tillman, „dann darf er vielleicht nach dem Achtelfinale wieder singen." Allerdings wird den USA dann ihr bester Torschütze fehlen: Folarin Balogun ist nach der Roten Karte für das Belgien-Spiel gesperrt. „Auf den Leverkusener wird es am Dienstag in Seattle gegen Belgien noch mehr ankommen", hieß es denn auch im US-Lager.
Bosnien-Herzegowina verabschiedet sich mit Stolz
Auf der anderen Seite stand nach dem Schlusspfiff vor allem Sergej Barbarez im Mittelpunkt. Der 54 Jahre alte Nationaltrainer Bosnien-Herzegowinas, einst insbesondere beim Hamburger SV Publikumsliebling und zudem in Hannover, Berlin, Rostock, Dortmund und Leverkusen aktiv, lief tief bewegt mit Tränen in den Augen über den Rasen in Santa Clara. Barbarez, der seit dem 19. April 2024 im Amt ist und die Mannschaft auf Gesamtmarktwert-Basis betreut, fand trotzdem versöhnliche Worte: „Wir müssen zugeben, dass wir es nicht geschafft haben."
"Aber ich habe den Jungs direkt nach dem Spiel gesagt, wie stolz ich auf sie bin", sagte Barbarez laut offizieller Übersetzung nach dem Spiel. „Dass unsere Mannschaft zum ersten Mal – und hoffentlich nicht zum letzten Mal – so weit gekommen ist, darauf können wir wirklich stolz sein." Und er ergänzte: „Ich habe ihnen gratuliert, und ich war wirklich stolz auf ihre Leistung." Allerdings war die Enttäuschung sichtlich mit Tränen vermischt.
Ausblick auf das Duell mit Belgien
Für die Bosnier um Sturm-Legende Edin Dzeko endet die erste WM-Reise seit 2014 und die zweite überhaupt – und das nach einer durchaus soliden Gruppenphase. Außer beim quasi bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen die Türkei (2:3) präsentierte sich auch die bosnische Abwehr sehr gefestigt. Nun gilt es, das Kapitel WM erst einmal zu verarbeiten: „Es sollte keine Traurigkeit geben, denn das gehört zum Fußball und zum Leben dazu – besonders bei einem so großen Turnier", sagte Barbarez. „Darauf müssen wir aufbauen, uns weiter verbessern und diesen Weg konsequent fortsetzen." Im Moment sei er aber „der stolzeste Trainer auf der Welt." Auch das bosnische Lager richtete den Blick nach vorn und hofft auf eine Rückkehr in vier Jahren.
Die USA wiederum reisen mit breiter Brust weiter: Außer beim quasi bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen die Türkei (2:3) präsentiert sich auch die eigene Abwehr sehr gefestigt. Die Unterzahl-Phase im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina hat zusätzlich Selbstvertrauen gegeben. Den entscheidenden Faktor für den lockeren Umgang mit dem Rückgang an Spielern sieht man dabei auf einer ganz einfachen Ebene: „Das hat mich emotional berührt." Die Szene mit dem gemeinsamen Singen habe dem Team noch einmal vor Augen geführt, was diese Mission für Spieler und Fans bedeutet.
Mit der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wurde das Turnier in diesem Sommer zu einem Heimspiel für die amerikanische Mannschaft – und das Heimrecht haben die USA in Santa Clara eindrucksvoll genutzt. Von Atlanta bis Vancouver: Die Stadien – die USA spielen in einer Spielstätte, die mit dem Super-Bowl-Stadion noch eine Stufe über normalen Arenen steht. Der Support der Fans sowie die Mitsing-Szenen bei „Take Me Home, Country Roads" sollen die Mannschaft weiter beflügeln. Schon am Dienstag steht nun in Seattle das Achtelfinale gegen Belgien an.
Pochettino sieht das Team dafür jedenfalls auf einem guten Weg: „Dass unsere Mannschaft zum ersten Mal – und hoffentlich nicht zum letzten Mal – so weit gekommen ist, darauf können wir wirklich stolz sein." Es sei wichtig, „dass das, was wir tun, etwas Gutes ist." Die USA gehen also trotz des Ausfalls von Folarin Balogun, derzeit mit einem Marktwert von 40 Millionen Euro beim AS Monaco unter Vertrag, mit Zuversicht in das Duell mit den Belgiern. Das Land darf weiter vom WM-Titel träumen – „Country Roads" inklusive.
Fragen & Antworten
Warum wurde Folarin Balogun vom Platz gestellt und was sagt er selbst dazu?
Balogun sah nach einer Grätsche mit offener Sohle kurz vor der Pause die Rote Karte. Er selbst sagte hinterher: „Ich hatte Schmerzen, mein Schuh war aufgerissen" – und betonte, dass es keine Absicht gewesen sei.
Wer ist der nächste Gegner der USA im WM-Achtelfinale?
Die USA treffen im Achtelfinale am Dienstag in Seattle auf Belgien, das sich zuvor in einem hochdramatischen Comeback gegen Senegal durchsetzte.
Was hat Trainer Mauricio Pochettino nach dem Sieg über Bosnien gesagt?
Pochettino zeigte sich emotional und sagte: „Für uns geht es jetzt darum, weiter zu träumen" und „Das war der Moment, allen zu beweisen – und auch uns selbst –, dass es nicht nur leere Worte sind, wenn wir sagen, dass wir eine Familie sind."
USA Achtelfinale WM 2026: 2:0 gegen Bosnien trotz | sportnachrichten