Belgien ringt Senegal 3:2 nieder – Achtelfinale gegen USA | sportnachrichten
WM-Achtelfinale: Belgien dreht 0:2 gegen Senegal und trifft auf die USA
Seattle, 02 Juli 2026
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Kurzfassung
Belgien hat im WM-Sechzehntelfinale in Seattle einen 0:2-Rückstand gegen Senegal noch in einen 3:2-Sieg nach Verlängerung verwandelt. Doppeltorschütze Youri Tielemans erzwang die Entscheidung per Elfmeter, im Achtelfinale wartet nun Mitgastgeber USA.
Seattle, 02 Juli 2026
Die belgische Fußball-Nationalmannschaft hat im WM-Sechzehntelfinale in Seattle einen Rückstand von zwei Toren gegen Senegal noch gedreht und durch ein 3:2 (2:2, 0:1) nach Verlängerung das WM-Achtelfinale gegen Mitgastgeber USA erreicht.
Vor 66.925 Zuschauern im Football-Tempel der Seattle Seahawks mussten die Belgier um Teamchef Rudi Garcia früh erkennen, dass die afrikanische Auswahl das Geschehen in der Anfangsphase bestimmte. Nach einer Eckball-Variante traf Habib Diarra in der 24. Minute zur überraschenden Führung für den Senegal, ehe Ismaïla Sarr in der 51. Minute – bereits zum vierten Mal im Turnierverlauf – auf 2:0 erhöhte.
Senegal dominiert die Anfangsphase
Die Belgier, die in der Vorrunde noch mit 5:1 gegen Neuseeland geglänzt hatten, wirkten über weite Strecken pomadig und fanden offensiv kaum Mittel gegen den kompakten Senegal-Block. Jérémy Doku (43.) und Maxim De Cuyper (45.) hatten zwar Chancen, scheiterten aber am stark reagierenden Torhüter Mory Diaw. Eine viel diskutierte Trinkpause in der 70. Minute sowie der Doppelwechsel mit den Hereinnahmen von Romelu Lukaku und Tielemans brachten schließlich die Wende.
Doppelwechsel bringt die Wende
Erst traf Lukaku in der 86. Minute nach einer Hereingabe von Thomas Meunier zum Anschluss, nur drei Minuten später köpfte Tielemans – unter Mithilfe von Senegals Schlussmann Diaw – den umjubelten Ausgleich. In der Verlängerung wurde Tielemans im Strafraum gefoult und verwandelte den fälligen Elfmeter in der 120.+5 Minute selbst zur umstrittenen Entscheidung.
„Ich habe versucht, meine Ruhe wiederzufinden. In diesem Moment musste ich tief durchatmen und an meine Fähigkeiten glauben“, erklärte Tielemans nach Spielschluss. Sein Teamkollege Lukaku lobte den Charakter der Mannschaft: „Wir haben Kampfgeist gezeigt, wir hatten wirklich Eier, die braucht man für so ein Spiel.“
Stimmen nach dem Spiel
Auf der Gegenseite sprach Senegals Nationaltrainer Pape Thiaw von einer „grausamen Niederlage“ und „grausamem Sport“. „Ich denke, unser Team hätte es verdient gehabt“, haderte der 45-Jährige mit dem Ergebnis. Garcia, dessen Zukunft nach einer zuletzt enttäuschenden Bilanz immer wieder zur Debatte stand, atmete nach dem Kraftakt hörbar aus: „Es gibt immer wieder Situationen, die man gar nicht glauben mag.“
Nächster Gegner: Mitgastgeber USA
Für Belgien, das seit Monaten auf einen geschlossenen Auftritt drängt, geht es nun im Achtelfinale in der Nacht auf Dienstag erneut in Seattle gegen die USA. Die Nordamerikaner hatten sich zuvor in Santa Clara mit 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina durchgesetzt, wobei Folarin Balogun (45.) und Malik Tillman (82.) trafen. Weil Balogun zudem eine Rote Karte sah, mussten die von Mauricio Pochettino betreuten Co-Gastgeber rund 30 Minuten in Unterzahl spielen.
Für Lukaku, mit mittlerweile 92 Länderspieltoren einer der prägenden Stürmer seiner Generation, war es ein weiterer Beweis seiner Joker-Qualitäten. Der 33-Jährige, der schon beim 5:1 gegen Neuseeland als Einwechselspieler geglänzt hatte, brachte Belgien zurück ins Spiel und legte damit den Grundstein für den späteren Umschwung.
Auch wenn die Leistung über 90 Minuten kaum WM-Format hatte, darf Belgien nun auf eine Wiederholung der Turniere von 2014 und 2018 hoffen, als jeweils das Viertelfinale erreicht worden war. Für die sogenannte „Goldene Generation“ um Kevin De Bruyne (35), Lukaku (33), Thibaut Courtois (34) und Meunier (34) ist es wohl die letzte Chance, die Karrieren auf der größten Fußballbühne zu krönen.
Das Achtelfinal-Duell mit den USA verspricht dabei nicht nur sportlich Hochspannung, sondern auch eine besondere Konstellation: Beide Mannschaften tragen als Mitgastgeber Titelchancen, beide Nationen fiebern ihrem Spiel entgegen. Belgien kann sich dabei auf den Heimeffekt in Seattle verlassen – das Stadion, in dem bereits das Sechzehntelfinale stattfand, bleibt Austragungsort.
Parallel im Turnier: England zittert sich weiter
Unterdessen blickt der europäische Fußball auf einen insgesamt turbulenten WM-Abend zurück. England mühte sich parallel gegen die Demokratische Republik Kongo zu einem 2:1-Erfolg, bei dem Harry Kane mit einem Doppelpack (75., 86.) die „Three Lions“ vor einer Blamage bewahrte. Teamchef Thomas Tuchel fand anschließend klare Worte: „Wenn sie Blut riechen, dann sind sie da und treffen.“
Englands Achtelfinal-Gegner ist Mitgastgeber Mexiko, die Partie steigt in der Nacht auf Montag (2:00 Uhr MESZ) im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Tuchel sieht darin einen klaren Vorteil für den Gegner, warnte aber zugleich vor der eigenen Klasse: „Das ist ein gewaltiger Vorteil Mexikos.“ Auch England hatte zwischenzeitlich mit 0:1 zurückgelegen, ehe Kane per Doppelschlag die Wende einleitete.
Die deutsche Auswahl, die laut „Kicker“-Berichten ebenfalls früh die Segel streichen musste, ist im Sechzehntelfinale an Paraguay im Elfmeterschießen gescheitert. Der langjährige Nationalspieler Guido Buchwald schrieb in der Zeitschrift: „Es darf so nicht weitergehen.“, während Weltmeister Jürgen Kohler resümierte: „Gescheitert ist die DFB-Auswahl auch, weil ihr Spieler fehlten, die den Unterschied ausmachen.“
Unter den Kritikern fanden sich zudem Andreas Möller, Olaf Thon und Fredi Bobic, die im „Kicker“ ebenfalls schonungslos Bilanz zogen. Über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann hielt sich der Deutsche Fußball-Bund zunächst bedeckt – Thon erklärte dazu: „Ich weiß nicht, ob Julian Nagelsmann dafür der Richtige ist.“
Am Rande des Belgien-Spiels geriet zudem die frühe Auswechslung von Kevin De Bruyne und Doku nach 56 Minuten in die Diskussion. Garcia erklärte die Maßnahme mit dem Wunsch, in der zweiten Hälfte mehr Tiefe zu erzeugen – ein Schachzug, der am Ende mit dem Sieg belohnt wurde. Der Franzose, der das Amt des Nationaltrainers seit Januar 2025 innehat, hat immer wieder betont, wie wichtig ihm ein geschlossenes Auftreten sei.
Hintergrund: Goldene Generation vor letzter Chance
Für Doku endete die Partie früh, der 23-Jährige blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Lukaku, der zur zweiten Halbzeit in die Partie kam, sprach dem Team Mut zu: „So eine Situation kann die Mannschaft noch stärker machen und enger zusammenschweißen.“ Die Belgier reisen nun mit gemischten Gefühlen – aber mit dem festen Willen, im Achtelfinale nachzulegen – nach Seattle zurück.
Unterdessen kündigte der kongolesische Verband nach der Niederlage gegen England an, den Trainerposten neu zu besetzen. Hintergrund war ein persönlicher Schicksalsschlag: „Wir möchten Ihnen mitteilen, dass der Trainer seinen Vater verloren hat. Unser aufrichtiges Beileid“, sagte ein Sprecher im Anschluss an das 1:2. Ob Sébastien Desabre die Nachricht bereits vor dem Spiel erhalten hatte, blieb zunächst unklar.
Die WM-Endrunde in Nordamerika geht am Wochenende mit den restlichen Achtelfinal-Partien weiter. Belgien trifft dabei auf einen Gegner, der vor eigenem Publikum ebenfalls alles in die Waagschale werfen wird – die USA sind nach dem 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina in jedem Fall für eine Überraschung gut.
Fragen & Antworten
Wie hat Belgien das Spiel gegen Senegal gedreht?
Nach einem 0:2-Rückstand zur Pause brachten Romelu Lukaku (86.) und Youri Tielemans (89.) Belgien in die Verlängerung, in der Tielemans einen Foulelfmeter zum 3:2-Endstand verwandelte.
Wer ist der nächste Gegner Belgiens im Achtelfinale?
Im Achtelfinale trifft Belgien am Dienstag (2:00 Uhr MESZ) erneut in Seattle auf Mitgastgeber USA, die sich zuvor mit 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina durchsetzten.
Warum sprach Senegals Trainer von einer grausamen Niederlage?
Trainer Pape Thiaw sah sein Team über weite Strecken als das bessere, ehe Belgien durch zwei späte Tore und einen umstrittenen Elfmeter das Spiel noch drehte und mit 3:2 gewann.