Der Niederösterreicher Gregor Mühlberger hat am Mittwoch die Auftaktetappe der 75. Tour of Austria von Graz nach Gamlitz (188 km) als Solist gewonnen und damit das Rote Trikot des Gesamtführenden übernommen.

Mühlberger, der im Trikot des österreichischen Nationalteams antrat, setzte die entscheidende Attacke rund elf Kilometer vor dem Ziel nahe der slowenischen Grenze. Auf den letzten Kilometern konnte ihn niemand mehr einholen. Nach 4:21:02 Stunden hatte der 32-Jährige aus Haidershofen elf Sekunden Vorsprung auf eine zehnköpfige Verfolgergruppe.

Im Gesamtklassement führt Mühlberger nach dem ersten von fünf Renntagen mit einer Zeit von 4:20:52 Stunden vor dem US-Amerikaner Kevin Vermaerke (UAE Team Emirates), der 15 Sekunden Rückstand aufwies. Dahinter folgten Hector Alvarez (Spanien, +0:17), Bauke Mollema (Niederlande, +0:21) und Andrea Bagioli (Italien, +0:21) – allesamt Fahrer des Teams Lidl-Trek.

Klassement nach der ersten Etappe

Dass das Trio aus dem Lidl-Trek-Team gemeinsam in die Spitzengruppe fuhr, unterstrich die Stärke der US-amerikanischen Equipe auf der Auftaktetappe. Dahinter klassierten sich mit Finlay Pickering und Paul Double zwei weitere britische Fahrer sowie der Spanier Carlos Rodriguez und der US-Amerikaner Andrew August zeitgleich mit den Verfolgern auf den Plätzen sieben bis zehn.

Bester Österreicher hinter Mühlberger war Michael Gogl vom Team Alpecin, der das Ziel auf Rang sechs mit der Zeit der Verfolgergruppe erreichte. Für Gogl war es eine starke Leistung im Hinblick auf die Gesamtwertung. Ebenfalls in die Top 15 schaffte es Patrick Konrad (Lidl-Trek), der mit 1:07 Minuten Rückstand als 14. ins Ziel kam.

Stimmen des Siegers

Weitere österreichische Fahrer im Feld platzierten sich im Mittelfeld: Martin Messner belegte Rang 20, Alexander Hajek wurde 21., Riccardo Zoidl folgte auf Platz 32 – alle mit 1:07 Minuten Rückstand. Patrick Gamper kam mit 1:38 Minuten Rückstand auf Rang 34. Auch diese Platzierungen sind für die Gesamtwertung von Belang, da die Rundfahrt erst am Sonntag in Wien endet.

Im ORF-Interview zeigte sich Mühlberger nach dem Zielsiegerfoto emotional und erleichtert. „Ich bin richtig glücklich, das macht mich unheimlich stolz“, sagte der 32-Jährige. Sein Erfolg sei nicht selbstverständlich gewesen: „Es war schon viel Risiko dabei, denn ich habe nicht gewusst, was die anderen noch draufhaben.“

Die österreichische Equipe habe ihn perfekt in Position gebracht: „Mein Team hat mich in Top-Position in den Anstieg gebracht.“ Tatsächlich nutzte Mühlberger die Vorarbeit seines Teams, um die entscheidende Lücke zu reißen. Auch danach habe das Nationalteam den Vorsprung kontrolliert und abgesichert.

Mühlberger bezeichnete die Schlussphase der Etappe als unerwartet hart. „Von der Bergwertung bis ins Ziel war es deutlich länger als gedacht. Es war ein bisschen eine Kamikaze-Partie, weil ich bergab nicht der Stärkste bin“, erklärte er. Tatsächlich musste er auf den letzten Kilometern ohne nennenswerte Unterstützung die Flucht durchstehen.

Mit Blick auf die bevorstehenden Etappen gab sich Mühlberger konzentriert, aber zuversichtlich. „Ich habe ein superstarkes Team, natürlich heißt es, das zu verteidigen“, sagte er. Er wolle „was die Beine hergeben“ fahren und das Rote Trikot auf der Königsetappe am Donnerstag verteidigen.

Königsetappe am Großglockner

Diese Königsetappe führt am Donnerstag von Bad Kleinkirchheim auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Großglockner. Die 188,8 Kilometer lange Etappe mit 2.914 Höhenmetern startet um 11:00 Uhr und wird voraussichtlich gegen 15:15 Uhr enden. ORF1 überträgt live ab 13:30 Uhr.

Für Mühlberger hat der Großglockner dabei eine besondere Bedeutung: Vor rund zwölf Jahren hatte er dort als Jungprofi die Bergetappe gewonnen und war zum „Glocknerkönig“ gekürt worden. „Ich habe super Erinnerungen, aber es ist doch schon lange her“, sagte er mit Blick auf den Donnerstag. Damals wie heute gehört die Bergankunft auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zu den mythischsten Zielen im heimischen Radsport.

Strecke und Programm der Rundfahrt

Die heurige Tour of Austria umfasst insgesamt fünf Etappen mit einer Gesamtdistanz von 845 Kilometern und 11.024 Höhenmetern. Nach dem Auftakt am Mittwoch in Gamlitz stehen am Donnerstag die Bergankunft am Großglockner, am Freitag die Etappe von Lienz nach St. Johann/Alpendorf (188,7 km), am Samstag ein Rundkurs in Steyr (170,5 km) und am Sonntag das Finale von Langenlois nach Wien (109 km) auf dem Programm.

Mit Mühlbergers Sieg setzt sich zudem eine österreichische Erfolgsserie bei der Heimatrundfahrt fort: Bereits im Vorjahr hatte Felix Großschartner die Auftaktetappe in Steyr gewonnen. Wie damals steht also auch heuer nach dem ersten Tag ein Österreicher ganz oben in der Gesamtwertung.

Heimserie und Ausblick

Die Organisatoren blicken unterdessen auf eine sportlich hochkarätige Besetzung. Neben den drei Lidl-Trek-Fahrern und Gogl sind auch die weiteren österreichischen Profis ausreichend vertreten. Die Königsetappe am Donnerstag wird nun zeigen, ob Mühlberger sein Rotes Trikot verteidigen kann oder ob die internationale Konkurrenz – allen voran die starken Kletterer aus dem Lidl-Trek-Team – ihn am Großglockner abfangen kann.

Zugutekommen könnte Mühlberger dabei seine Erfahrung auf der Strecke. Schließlich kennt er den Großglockner aus früheren Jahren und hat dort bereits triumphiert. Allerdings war sein damaliger Erfolg mehr als ein Jahrzehnt her – und die Fahrer von heute sind schneller, aggressiver und taktisch versierter als noch vor zwölf Jahren.

Die Etappe am Donnerstag gilt als entscheidender Tag für die Gesamtwertung. Wer den Großglockner übersteht und mit den anderen Spitzenfahrern mithalten kann, hat beste Chancen auf den Gesamtsieg bei der 75. Tour of Austria. Mühlberger geht als Gesamtführender mit dem Roten Trikot in diese entscheidende Phase der Rundfahrt.