Der Internationale Fußballverband IFAB hat in einem Schreiben bestätigt, dass die Gelb-Rote Karte gegen den Schweizer Breel Embolo im WM-Viertelfinale gegen Argentinien auf einer falschen Anwendung der Regeln beruhte.

Der Internationale Fußballverband IFAB, der für die Spielregeln des Fußballs zuständig ist, erklärte in einem Brief an das Fachmedium The Athletic, dass der Videoassistent in dieser Szene nicht hätte eingreifen dürfen. Demnach habe der VAR den portugiesischen Schiedsrichter João Pinheiro zum Bildschirm geschickt, obwohl die Überprüfung einer Gelben Karte außer bei einer Verwechslung der betroffenen Person grundsätzlich nicht zulässig sei. Die offiziellen Regelhüter des internationalen Fußballs räumten damit einen Fehler ein, betonten jedoch zugleich, dass das Resultat der Partie unverändert bleibt.

Der entscheidende Vorfall ereignete sich in der Mitte der zweiten Hälfte des Viertelfinalspiels. Schiedsrichter Pinheiro hatte zunächst ein Foul an Embolo gepfiffen und dem Argentinier Leandro Paredes die Gelbe Karte gezeigt. Nach dem Hinweis des Videoassistenten Guillermo Pacheco, sich die Bilder am Bildschirm anzusehen, änderte Pinheiro seine Entscheidung und wertete die Szene nun als Schwalbe von Embolo. Weil dieser bereits eine Gelbe Karte erhalten hatte, führte die zweite Verwarnung zum Platzverweis.

Der Ablauf der entscheidenden Szene

Der Zwischenfall hatte weitreichende Folgen für den weiteren Spielverlauf. Nur kurz zuvor hatte Dan Ndoye für die Schweiz den Ausgleich erzielt, doch nach dem Platzverweis verlor die Mannschaft die Kontrolle über die Partie. Argentinien gewann das Viertelfinale nach Verlängerung mit 3:1 und zog in das Halbfinale ein. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte die FIFA noch keine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall abgegeben.

Die Bestätigung durch die IFAB wiegt besonders schwer, weil der Dachverband die Spielregeln verbindlich festlegt und damit die letzte Instanz in regeltechnischen Fragen darstellt. Mit dem Schreiben wurde nun öffentlich, was viele Beobachter bereits unmittelbar nach der Partie vermutet hatten: Dass der Eingriff des VAR in diesem konkreten Fall nicht von den Bestimmungen gedeckt war.

Regelwidriger Eingriff des Videoassistenten

Der Fall wirft zugleich ein grundsätzliches Licht auf den Umgang mit dem Videosystem bei großen Turnieren. Die IFAB stellte klar, dass eine Gelbe Karte im Regelfall weder überprüft noch zurückgenommen werden könne, es sei denn, es liege eine Verwechslung der beteiligten Spieler vor. Da im Fall Embolo kein solcher Identitätsirrtum vorlag, hätte der Schiedsrichter seine ursprüngliche Entscheidung nicht aufgrund der Videobilder revidieren dürfen.

Für die Schweizer Mannschaft und ihre Fans bleibt die Enttäuschung bestehen, obwohl sie nun eine offizielle Bestätigung erhalten haben, dass die entscheidende Szene regelwidrig behandelt wurde. Ein Wiederholungsspiel oder eine Korrektur des Ergebnisses ist nach den Statuten des Weltfußballs nicht vorgesehen – die IFAB verwies in diesem Zusammenhang auf die Endgültigkeit von Spielergebnissen.

Folgen für die Schweiz und Ausblick

In der sportpolitischen Debatte dürfte der Vorfall als Argument für eine Nachschärfung der VAR-Regelungen herangezogen werden. Befürworter einer strengeren Auslegung des Eingriffsprinzips sehen sich durch den Fall bestätigt, während Kritiker eines zu häufigen Eingreifens auf das jetzt dokumentierte Fehlverhalten verweisen. Die FIFA muss nun entscheiden, ob sie Konsequenzen aus dem Fall zieht und etwa die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und VAR für künftige Turniere anpasst.

Insgesamt bleibt festzuhalten: Der sportliche Ausgang des WM-Viertelfinals zwischen der Schweiz und Argentinien ist nicht mehr revidierbar. Die nachträgliche Bestätigung der IFAB liefert jedoch eine wichtige Klärung über die regeltechnische Bewertung der Szene um Breel Embolo und könnte die Diskussion über den Einsatz des Videosystems im Weltfußball nachhaltig beeinflussen.