VAR-Eingriff nach Schwalbe: Schweiz scheitert im WM-Viertelfinale an Argentinien
Kansas City, 12. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Schweiz hat im WM-Viertelfinale gegen Argentinien 1:3 nach Verlängerung verloren. Eine umstrittene VAR-Korrektur einer Gelben Karte gegen Leandro Paredes, die stattdessen Breel Embolo wegen einer Schwalbe gezeigt wurde, entschied das Spiel. Murat Yakin und Granit Xhaka kritisierten den Eingriff scharf.
Im WM-Viertelfinale zwischen Argentinien und der Schweiz am 12. Juli 2026 in Kansas City hat der Videoassistent nach einer Schwalbe von Breel Embolo eingegriffen und dem Schweizer Stürmer die Gelb-Rote Karte gezeigt, woraufhin Argentinien die Partie 3:1 nach Verlängerung gewann.
Die Schweiz hat das WM-Viertelfinale gegen Argentinien mit 1:3 nach Verlängerung verloren und ist damit aus dem Turnier ausgeschieden. Das Spiel im Arrowhead Stadium von Kansas City, das 100. Spiel dieser Weltmeisterschaft, begann für die Eidgenossen denkbar schlecht: Alexis Mac Allister brachte Argentinien bereits in der 10. Minute nach einer Ecke in Führung.
Die Schweizer, die seit 1954 nicht mehr ein WM-Viertelfinale erreicht hatten, kämpften sich zurück. In der 67. Minute erzielte Dan Ndoye den Ausgleich zum 1:1 und brachte sein Team zurück ins Spiel. Nur wenige Minuten später jedoch kippte die Partie durch eine folgenschwere Entscheidung des portugiesischen Schiedsrichters João Pinheiro.
Die Schlüsselszene in der 72. Minute
In der 72. Minute hatte Pinheiro zunächst Argentiniens Leandro Paredes wegen eines vermeintlichen Fouls an Breel Embolo verwarnt. Nach einem Hinweis des Videoassistenten schaute sich der Referee die Szene am Bildschirm an und stellte fest, dass Embolo nicht berührt worden war und sich fallen gelassen hatte. Daraufhin zog Pinheiro die Gelbe Karte gegen Paredes zurück und zeigte sie stattdessen Embolo – der allerdings bereits in der ersten Halbzeit verwarnt worden war. Die Konsequenz: Gelb-Rot, die erste Platzverweis-Premiere nach Videobeweis bei dieser WM.
Die Schweizer spielten daraufhin über 50 Minuten in Unterzahl. Nationaltrainer Murat Yakin zeigte sich nach dem Spiel fassungslos über den Eingriff. „Es gab keinen Grund, dem Argentinier Gelb zu geben, nicht in so einer harmlosen Situation. Er hätte es einfach laufen lassen müssen“, kritisierte Yakin die Ausgangsszene. Noch schärfer fiel sein Urteil über die Regel selbst aus: „Die Regel hat heute unser Spiel zerstört. Das ist eine Regel, die für mich mit Fußball nichts zu tun hat. Dass sie eingeführt wurde, ist absolut unnötig.“ In einem TV-Interview ergänzte er: „Es ist eine Regel, die in einem WM-Viertelfinal nicht sein darf. Dass der Fehler des Schiedsrichters so korrigiert werden muss und wir dadurch geschwächt werden, ist für mich unverständlich.“
Schweizer Reaktionen: Wut und Enttäuschung
Auch Kapitän Granit Xhaka, der zum Zeitpunkt des Spiels 33 Jahre alt war, machte seinem Ärger Luft. „Der Platzverweis ändert den ganzen Spielverlauf. Es schmerzt, dass wir wegen einer einzigen Entscheidung des Schiedsrichters verlieren mussten“, sagte der Mittelfeldspieler in der Mixed Zone. Die Rote Karte sei ein „Gamechanger“ gewesen. Über die zweite Halbzeit vor dem Platzverweis sagte Xhaka: „In der zweiten Halbzeit war es unser Spiel. Wir waren besser, wir hatten mehr Energie, die bessere Mentalität.“ An die Adresse der Schweizer Journalisten, die das Team für den Auftritt gegen den Favoriten lobten, fügte er brüsk hinzu: „Es wäre besser, wenn wir von euch ein bisschen mehr Lob kriegen würden nach dem Spiel heute. Aber wir kennen das ja.“
Breel Embolo, 29 Jahre alt, war nach der Szene untröstlich. „Breel Embolo war verzweifelt und brach sofort in Tränen aus. Seine Mitspieler umarmten ihn“, hieß es im Artikel. Yakin nahm seinen Stürmer in Schutz: „Er ist am Boden zerstört. Breel wurde vorher mehrmals attackiert. Ihm eine Schuld zu geben, ist absolut absurd.“ Xhaka pflichtete bei: „Breel ist überhaupt nicht einer, der für Schwalben bekannt ist. Er muss jeweils sehr viel einstecken.“ Auch Manuel Akanji stellte sich öffentlich hinter den Angreifer: „Breel ist so ein wichtiger Teil dieser Mannschaft. Er hat uns so viel gegeben, auch heute wieder. Wir stehen alle weiterhin hinter ihm.“
Die neue VAR-Regel und ihre Anwendung
Die neue Regel, auf die sich der Eingriff stützte, war vor dieser Weltmeisterschaft von IFAB erweitert worden. Bisher war die Korrektur einer Gelben Karte nur bei einer Verwechslung innerhalb derselben Mannschaft möglich. Nun darf der VAR auch eingreifen, wenn ein Spieler der gegnerischen Mannschaft die Verwarnung zu Unrecht erhalten hat. FIFA hatte zu Turnierbeginn klargestellt, dass diese Auslegung auch für Spieler des gegnerischen Teams gilt. Einen Präzedenzfall gab es bereits in der Gruppenphase: Im Spiel USA gegen Paraguay (4:1) hatte der niederländische Schiedsrichter Danny Makkelie nach VAR-Hinweis die Gelbe Karte gegen den US-Kapitän Tim Ream zurückgezogen und stattdessen Paraguays Miguel Almirón verwarnt.
Die FIFA verteidigte das Vorgehen. Gegenüber der Sportschau erklärte der Weltverband, das Schiedsrichterteam habe den Vorfall Ream/Almirón als Spielerverwechslung behandelt, da die Gelbe Karte dem falschen Spieler gegeben worden sei. Die Umdeutung von Foul zu Schwalbe sei nach FIFA-Lesart zulässig. Sportschau-Experte Lutz Wagner stützte diese Sicht: „In diesem Fall greift tatsächlich der Tatbestand der Verwechslung, denn es soll nicht der falsche Spieler Gelb bekommen. In der Konsequenz war es dann auch korrekt, die Schwalbe entsprechend zu ahnden und Embolo vom Platz zu stellen.“
Verlängerung: Argentinien nutzt die Überzahl
Die Schweizer Spieler hingegen sahen das anders. Remo Freuler sprach von einer „Katastrophe“: „Das ist ein Desaster! Ich verstehe bis jetzt nicht, wie der VAR in so einer Situation in so einem Spiel eingreifen kann.“ Verteidiger Nico Elvedi forderte eine Erklärung: „Ich verstehe einfach nicht, wie der VAR in so einem Spiel bei so einer Situation eingreifen kann, das muss die Fifa bitte noch erklären.“ Xhaka formulierte es drastisch: „Das ist eine Entscheidung, die das Spiel killt... Ich weiß nicht, was er sonst noch tun kann, aber er sollte das Spiel einfach nicht zerstören.“
In der Verlängerung nutzte Argentinien die numerische Überlegenheit eiskalt. Julián Álvarez traf in der 110. Minute mit einem Fernschuss in den oberen Winkel zum 2:1. In der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+1) besiegelte der eingewechselte Lautaro Martínez nach einem Konter den 3:1-Endstand. Argentinien, dreimaliger Weltmeister und Titelverteidiger, zog damit zum dritten Mal in Folge in dieser K.-o.-Phase nur knapp als glücklicher Sieger vom Platz – nach einem 3:2 gegen Ägypten mit Siegtor in der 90.+2 und einem 3:2 gegen Kap Verde mit Eigentor in der 111. Minute.
Lionel Messi, der in dieser Partie nicht traf – sein erstes Spiel ohne Tor bei dieser WM –, erlebte dennoch einen historischen Abend. In seiner Heimatstadt Cutral Có war zu Beginn der Weltmeisterschaft eine 26 Meter hohe Messi-Statue eingeweiht worden. Die argentinischen Spieler feierten den Sieg mit dem Schlachtruf „Für die Malvinas (Spitzname der Falklandinseln), für Diego und für Leos letzten (Titel). Wir gewannen den dritten mit Lionel, jetzt wollen wir wieder Champions werden.“
Schweizer Bilanz: Eine starke WM mit Schatten
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni gab sich nach dem Spiel demütig: „Wir mussten leiden... wir hatten Glück, denn einer ihrer Spieler hat einen Platzverweis kassiert.“ Torschütze Julián Álvarez sprach von einem „enormen Motivationsschub“: „Wir gewinnen zwar lieber auf andere Weise, aber das Wichtigste ist, dass wir uns weiterentwickeln.“ Die argentinische Zeitung La Nación schwärmte: „die Illusion fragt nicht danach, wer besser spielt: Argentinien findet immer einen Star, der das Team rettet und den WM-Traum am Leben erhält.“
Die Schweizer Bilanz fiel dennoch positiv aus. Die Eidgenossen hatten eine „exzellente WM“ gespielt, wie der Artikel anerkennend festhielt – „wirft jedoch einen Schatten auf die exzellente WM der Eidgenossen“. Embolo selbst hatte mit zwei Vorlagen und seinen Toren Nummer 25 und 26 im Nationaltrikot wesentlich zum Erfolg beigetragen. Allerdings überschattete die Visumsaffäre zu Turnierbeginn – Embolo war wegen US-Einreise-/Visaproblemen verspätet ins Trainingslager in San Diego gestoßen – und nun der Platzverweis den sportlichen Auftritt. Die Neue Zürcher Zeitung urteilte hart: „Mit seinem Platzverweis erweist Breel Embolo dem Team einen Bärendienst.“ Internationale Medien beschrieben die Schwalbe als „dumm“, „peinlich“ und „lächerlich“.
Yakin had originally geplant, in der regulären Spielzeit mit Ruben Vargas und Zeki Amdouni offensiv zu wechseln. Durch den Platzverweis wurden diese Pläne zunichtegemacht. „Wir sind für einen Fehler des Referees bestraft worden“, klagte der Nationalcoach. „Wir hatten das Momentum auf unserer Seite, wir waren dominant, spielbestimmend“, beschrieb er die Phase vor dem Platzverweis. Torhüter Gregor Kobel und die übrige Mannschaft kämpften in Unterzahl, schafften es aber nicht, die Niederlage abzuwenden. Embolo selbst äußerte sich nach dem Ausscheiden nicht öffentlich.
Ausblick: Halbfinale gegen England
Argentinien trifft im Halbfinale am Mittwoch auf England. Parallel dazu bestreitet England, trainiert von Thomas Tuchel, im dritten Viertelfinale dieser WM in Miami die Partie gegen Norwegen. Die Schweizer Mannschaft tritt die Heimreise an – mit dem Wissen, dass eine einzelne Schiedsrichterentscheidung eine ansonsten historische WM-Kampagne beendet hat.
Die Kontroverse um die VAR-Regel wird die FIFA noch beschäftigen. Noch nie zuvor war bei einer Weltmeisterschaft eine Gelb-Rote Karte direkt auf einen VAR-Eingriff hin ausgesprochen worden. Die Schweizer Seite fordert eine Erklärung, während die FIFA und ihre Schiedsrichterexperten die Anwendung als regelkonform verteidigen. Sicher ist: Die Partie zwischen Argentinien und der Schweiz wird als jene in Erinnerung bleiben, in der eine neue Regelauslegung das Schicksal eines WM-Viertelfinals besiegelte.
Fragen & Antworten
Was genau ist in der 72. Minute passiert?
Schiedsrichter João Pinheiro zeigte zunächst Leandro Paredes Gelb für ein vermeintliches Foul an Breel Embolo. Nach VAR-Hinweis stellte er fest, dass Embolo eine Schwalbe begangen hatte, zog die Karte gegen Paredes zurück und verwarnte stattdessen Embolo – der damit seine zweite Gelbe Karte und die Gelb-Rote Karte erhielt.
Warum kritisierte Murat Yakin den VAR-Eingriff so scharf?
Der Schweizer Nationaltrainer sah seine Mannschaft durch eine Regel bestraft, die „mit Fußball nichts zu tun hat“. Seiner Meinung nach wurde ein Schiedsrichterfehler so korrigiert, dass die Schweiz geschwächt wurde, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt dominant war und gerade den Ausgleich erzielt hatte.
Wie geht es für Argentinien im Turnier weiter?
Argentinien trifft im Halbfinale am Mittwoch auf England. Das Team von Trainer Lionel Scaloni, dreimaliger Weltmeister und Titelverteidiger, gewann das Viertelfinale gegen die Schweiz mit 3:1 nach Verlängerung.
Schweiz scheitert im WM-Viertelfinale: VAR-Änderung nach | sportnachrichten