Renard Rücktritt Tunesien: WM-Aus nach 18 Tagen | sportnachrichten
Hervé Renard tritt nach nur zwei Spielen als Tunesiens Nationaltrainer zurück
Tunis, 04. Juli 2026
Кирилл Венедиктов / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Nach dem Vorrunden-Aus Tunesiens bei der WM 2026 ist Hervé Renard als Nationaltrainer zurückgetreten. Der Franzose stand nur 18 Tage im Amt und coachte die Mannschaft in zwei verlorenen Gruppenspielen.
Der französische Fußballlehrer Hervé Renard ist nach dem Vorrunden-Aus Tunesiens bei der WM 2026 als Nationaltrainer des nordafrikanischen Verbandes zurückgetreten, wie er am Samstag (04.07.2026) auf Instagram bekanntgab.
Renard teilte seinen Entschluss über den Kurznachrichtendienst Instagram mit und schrieb: „Meine Reise ist zu einem Ende gekommen.“ Der 57-Jährige stand damit lediglich etwa zweieinhalb Wochen im Amt und war für Tunesiens zweite und dritte Gruppenspiel zuständig, die beide verloren gingen.
Der Verband hatte Renard erst nach der Auftaktniederlage gegen Schweden (1:5) verpflichtet, um den damaligen Coach Sabri Lamouchi abzulösen. Unter Renard folgte zunächst eine 1:3-Niederlage gegen die Niederlande, ehe das dritte Spiel die endgültige Pleite und das Ausscheiden aus Gruppe F besiegelte. Tunesien beendete das Turnier ohne Punkt, mit zwei erzielten und zwölf Gegentoren.
Ein Rücktritt nach 18 Tagen im Amt
Bereits bei seiner Vorstellung hatte Renard betont, „kein Zauberer zu sein“. Angesichts der sportlichen Bilanz und der kurzen Amtszeit blieb ihm die Wende verwehrt. „Es war mir eine Ehre“, lautete sein Abschiedswort an die tunesische Öffentlichkeit.
Renard blickt auf eine lange Karriere als Nationaltrainer in Afrika zurück. Er führte bereits die Teams von Marokko, Angola, Sambia, Elfenbeinküste und Tunesien. Mit Sambia gewann er 2012 den Afrika-Cup, mit der Elfenbeinküste 2015 ebenfalls den kontinentalen Titel. Bei der WM 2022 in Katar betreute er Saudi-Arabien, das im Auftaktspiel Argentinien überraschend mit 2:1 besiegte.
Renard geht davon aus, dass er auch in Zukunft wieder afrikanische Teams trainieren wird – wegen „des Respekts, der mir dort entgegengebracht wird“. In französischen Medien wurde sein abermaliger Abschied aus dem tunesischen Amt mit dem Hinweis auf seine besondere Bindung zum afrikanischen Kontinent kommentiert.
Renards Karriere zwischen Afrika und Weltbühne
Tunesien war bereits nach der zweiten Niederlage rechnerisch ausgeschieden, das letzte Gruppenspiel änderte daran nichts mehr. Das Aus kommt für den tunesischen Verband einem personellen Neustart gleich, noch bevor der sportliche Befund vollständig analysiert werden konnte.
Die Personalie reiht sich in eine Reihe überraschender Wendungen bei dieser WM ein. Erst am Donnerstag hatte die Hitzewelle im Osten der Vereinigten Staaten Teile der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung beeinträchtigt.
Beim Spiel zwischen Frankreich und dem Irak in Philadelphia kam es wegen eines Unwetters zu einer etwa zweistündigen Unterbrechung. Die Temperaturen in der Stadt lagen am Spieltag bei rund 37 Grad Celsius und sollen laut Prognosen bis zu 39 Grad erreichen. Das Stadion verfügt über kein Dach und damit weder über Klimaanlage noch über nennenswerten Schatten.
Hitze und Unwetter prägen den Spieltag
Der US-Wetterdienst hatte die Bevölkerung aufgefordert, anstrengende Aktivitäten zu vermeiden oder auf Morgen- und Abendstunden zu verlegen. Auch andere Partien, insbesondere jene mit später Anstoßzeit, litten unter den extremen Bedingungen.
Parallel zur Renard-Personalie sorgte eine Wortmeldung des früheren paraguayischen Nationaltorhüters José Luis Chilavert, 60, für Aufsehen. In einem Beitrag auf der Plattform X bezeichnete er Paraguay im Vorfeld des Achtelfinales gegen Frankreich als Mannschaft, die gegen „eine afrikanische Mannschaft“ spiele: „Christophe, du hast recht, bei der WM 1998 haben wir gegen Frankreich gespielt und jetzt trifft Paraguay auf eine afrikanische Mannschaft.“ Chilavert reagierte damit auf Äußerungen des ehemaligen französischen Nationalspielers Christophe Dugarry, der bei RMC eine „vernichtende Niederlage“ Paraguays vorausgesagt hatte.
Eklat um Chilavert vor Frankreichs Achtelfinale
Die französischen Zeitungen L'Équipe und Le Parisien sowie zahlreiche Nutzer in sozialen Medien werteten Chilaverts Bemerkung als rassistisch. Hintergrund sind frühere Aussagen Chilaverts, in denen er unter anderem im Sender Radio Rivadavia geäußert hatte, der Fußball sei „ein Feld, das ausschließlich Männern vorbehalten ist“, und in denen er zudem homophobe und transphobe Statements abgegeben hatte.
Abseits der Kontroverse steht Brasilien vor seinem Achtelfinale gegen Norwegen am Sonntag um 22:00 Uhr MESZ mit einer positiven Personalnachricht: Stürmer Raphinha, der sich im zweiten Gruppenspiel gegen Haiti eine Muskelverletzung zugezogen hatte, steht laut Trainer Carlo Ancelotti für eine Kadernominierung zur Verfügung. „Er ist noch nicht vollständig fit, aber er kann auf der Bank sitzen. Falls nötig, kann er einige Minuten spielen und uns in bestimmten Situationen helfen“, sagte Ancelotti. Lucas Paquetá fällt hingegen wegen einer Muskelverletzung aus.
Beim 3:0-Sieg Marokkos gegen Mit-Gastgeber Kanada am Samstagabend musste Stürmer Ismael Saibari nach 22 Minuten verletzt vom Platz. Saibari, Neuzugang von Bayern München und zuvor bei PSV Eindhoven unter Vertrag, ist mit drei Treffern Marokkos bester Torschütze bei dieser WM.
Raphinha zurück, Paquetá fällt aus
Argentiniens Kapitän Lionel Messi avancierte unterdessen mit seinem Tor gegen Kap Verde zum ersten Spieler der WM-Geschichte, der die Marke von 20 WM-Toren erreichte. Sein Team, das die WM 2022 in Katar gewonnen hatte, ist in diesem Turnier weiter im Rennen.
England-Coach Thomas Tuchel, 52, ist der letzte verbliebene deutsche Cheftrainer bei der WM. Insgesamt elf Akteure aus Bundesliga-Klubs sind bei der WM-Endrunde noch mit ihren Nationalteams im Einsatz.
Deutschland war bereits im Achtelfinale gegen Paraguay ausgeschieden. Das Turnier gilt für den DFB als eines der schwächsten seit vielen Jahren, sportliche Konsequenzen werden in der Heimat debattiert.
Renards Rücktritt fällt in eine Phase, in der mehrere Trainerwechsel und Kontroversen das Bild der WM prägen. Während die sportlichen Entscheidungen auf dem Platz laufen, bestimmen Personalfragen, Hitzeprobleme und politisch aufgeladene Wortmeldungen zunehmend die Schlagzeilen neben dem Spielfeld.
Die kommenden Tage dürften zeigen, ob der tunesische Verband kurzfristig einen Nachfolger präsentiert oder ob das Amt zunächst kommissarisch besetzt wird. Renard selbst hatte wiederholt betont, dass er Afrika als sportliche Heimat empfinde und sich weitere Engagements auf dem Kontinent vorstellen könne.
Fragen & Antworten
Wer ist Hervé Renard?
Hervé Renard ist ein französischer Fußballtrainer, der unter anderem Sambia, die Elfenbeinküste und Marokko trainierte und Tunesien bei der WM 2026 nur kurzzeitig betreute.
Warum ist Renard schon nach 18 Tagen zurückgetreten?
Nach dem Vorrunden-Aus Tunesiens, für das er die letzten beiden Gruppenspiele verantwortet hatte, erklärte er über Instagram, dass „seine Reise zu einem Ende gekommen“ sei.
Wie verlief Tunesiens WM-Turnier?
Tunesien schied ohne Punkt mit 2:21 Toren aus Gruppe F aus, verlor zum Auftakt 1:5 gegen Schweden und unter Renard 1:3 gegen die Niederlande sowie ein drittes Gruppenspiel.