Japan deklassiert Tunesien und trifft im entscheidenden Duell auf Schweden
Monterrey, 21. Juni 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Japan hat Tunesien im zweiten Gruppenspiel der WM 2026 mit 4:0 deklassiert und sich damit vor dem entscheidenden Duell mit Schweden in eine starke Ausgangsposition gebracht. Der tunesische Abwehrspieler Ali Abdi kritisierte nach dem erneuten Debakel unter Tränen den eigenen Verband und die fehlende Vorbereitung des Teams.
Japan hat Tunesien in der Gruppe F der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Monterrey mit 4:0 (2:0) besiegt und sich damit vor dem letzten Gruppenspiel gegen Schweden eine realistische Chance auf den Einzug ins Achtelfinale bewahrt, während die Nordafrikaner als drittes Team des Turniers neben Haiti und der Türkei vorzeitig ausschieden.
Das Spiel in Monterrey war das 1000. Match in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften, 96 Jahre nach dem ersten Turnier. Japan präsentierte sich dabei als eingespieltes Kollektiv, das seine Kontinuität aus dem Turnier von 2022 sichtbar ausspielte, während Tunesien erneut den Eindruck einer Mannschaft hinterließ, die in einer sportlichen Krise steckt.
Bereits in der 4. Minute brachte Daichi Kamada, der frühere Frankfurter Bundesliga-Profi, Japan in Führung. Der Mittelfeldspieler von Crystal Palace nutzte eine frühe Unordnung in der tunesischen Defensive und erzielte den Auftakt eines dominanten Auftritts der Asiaten.
Tore durch Ayase Ueda in der 31. und 83. Minute sowie ein Treffer von Junya Ito in der 69. Minute nach Vorarbeit von Ueda entschieden die Partie früh zugunsten der Japaner. Ueda, der Stürmer von Feyenoord Rotterdam, krönte seine Leistung mit dem Kopfball zum 4:0 und wurde anschließend zum Man of the Match gekürt.
„Die letzte WM war enttäuschend für mich. Ich habe also das Gefühl, dass ich mich endlich rehabilitieren konnte“, sagte Ueda nach dem Spiel und verwies damit auf seine überschaubare Rolle bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar, als er lediglich 45 Minuten zum Einsatz gekommen war.
Ueda als Sinnbild der japanischen Kontinuität
Japan-Torhüter musste kaum ernsthaft eingreifen, auf der anderen Seite verhinderte Tunesiens Keeper Aymen Dahmen mit einem starken Reflex unmittelbar nach Wiederbeginn ein noch schnelleres drittes Gegentor. Insgesamt blieb die Defensive der Nordafrikaner jedoch überfordert, was sich auch in der Tordifferenz von minus acht nach zwei Spielen widerspiegelt.
Das 0:4 gegen Japan folgte auf das 1:5-Fiasko im Auftaktspiel gegen Schweden, die sich nach 1:5 im ersten Spiel gegen Schweden von Coach Sabri Lamouchi getrennt hatten. Mit dem Trainerwechsel reagierten die Verantwortlichen auf eine desolate Auftaktleistung, doch die Wirkung blieb aus.
Trainerwechsel ohne Wirkung
Hervé Renard wurde während des Turniers als neuer tunesischer Nationaltrainer verpflichtet. Der 57 Jahre alte Franzose, der 2018 Marokko betreut hatte und bereits bei einer weiteren Weltmeisterschaft Saudi-Arabien coachte, sollte die Wende einleiten, doch die Mannschaft blieb auch unter seiner Regie blass.
„Das Ergebnis ist hart, spiegelt aber den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften an diesem Abend wider“, sagte Renard nach der Partie und forderte dennoch Professionalität ein: „Wir sind bei einer Weltmeisterschaft. Wir müssen bis zum Schluss professionell bleiben.“ Die Mannschaft war bereits vor der Partie gegen Japan unter Zugzwang in Gruppe F gestanden und benötigte dringend ein Erfolgserlebnis im zweiten Gruppenspiel.
Dieses Erfolgserlebnis blieb aus, und so steht fest, dass Tunesien Tabellenletzter in Gruppe F bleibt und die K.o.-Phase nicht mehr erreichen kann. Im dritten Gruppenspiel gegen die Niederlande geht es für die Mannschaft nur noch darum, sich achtbar aus dem Turnier zu verabschieden und möglicherweise das 0:0 im Hinblick auf den Ruf des tunesischen Fußballs zu wahren.
Abdis emotionale Anklage gegen den Verband
Das vorzeitige Aus löste unmittelbar nach dem Abpfiff scharfe Kritik an der Adresse des tunesischen Verbandes aus. Abwehrspieler Ali Abdi, der für OGC Nice spielt und 32 Jahre alt ist, schimpfte der Abwehrspieler bei Bein Sports Mena und richtete dabei deutliche Worte an die Verbandsführung.
„Ich entschuldige mich bei den tunesischen Fans“, begann Abdi sein Statement und fuhr fort: „Wir reißen jedes Mal alles ab und bauen es neu auf, anstatt die Fehler zu beheben. Unsere Mannschaft wird bei jedem Turnier ausgetauscht.“ Mehrmals wischte sich Abdi Tränen aus dem Gesicht, während er die strukturellen Probleme im tunesischen Fußball benannte.
Der Verteidiger kritisierte die fehlende Kontinuität im tunesischen Kader und verglich diese mit der japanischen Auswahl: „Wenn man sich die japanischen Spieler ansieht, sind sie dieselbe Mannschaft wie 2022, während wir unsere Mannschaft bei jedem Turnier ausgetauscht haben.“ Japan hat das Erreichen des Sechzehntelfinales im Duell mit Schweden damit selbst in der Hand, weil die Mannschaft aus dem asiatischen Raum auf eingespielte Strukturen setzt.
Strukturelle Probleme statt sportlicher Ausrede
Abdi ging in dem Interview noch weiter: „Wir reisen zu einer Weltmeisterschaft mit Spielern, die noch nie zusammen gespielt haben. Wir haben keine Zeit, richtig zu arbeiten.“ Damit griff er die Vorbereitung des Teams offen an und stellte dem Verband ein schlechtes Zeugnis aus. „Man kann sich nicht auf eine Weltmeisterschaft vorbereiten, indem man nur ein paar Spiele gegen Gegner bestreitet, die sich jahrelang vorbereitet haben“, ergänzte der Abwehrspieler, der sich gleichzeitig gegen interne Kritiker verwahrte.
„Nicht bei den Leuten, die sich damit vergnügen, Informationen nach links und rechts weiterzugeben. Das ist nicht im Interesse des Landes“, sagte Abdi und machte damit deutlich, dass er seine Kritik primär an die Verantwortlichen und nicht an die Fans richtete. Im Hintergrund des Turniers hatte es zudem Vorwürfe einer unprofessionellen Einflussnahme des Verbandes auf den Trainerwechsel während der WM sowie Berichten über falsches Verhalten einiger Spieler gegeben, was die Stimmung zusätzlich belastete.
Ausblick: Schweden als Endspiel für Japan
Trotz des klaren Resultats fand das Spiel Beachtung über den Sport hinaus: Prinzessin Hisako Takamado, Mitglied des japanischen Kaiserhauses, wohnte der Partie im Stadion bei. Auch nach dem Schlusspfiff feierten japanische Fans ausgelassen den Erfolg ihrer Mannschaft und blockierten nach dem 4:0-Sieg den berühmten Shibuya-Übergang in Tokio.
Japan-Coach Hajime Moriyasu hatte vor der Partie angekündigt, „dass es ein brillantes Spiel wird, das es verdient, das 1.000. Spiel der Weltmeisterschaften zu sein“. Diese Ansage untermauerte sein Team mit einer dominanten Vorstellung und unterstrich den Anspruch, den die Asiaten bei diesem Turnier anmelden. „Ich denke, es ist okay, uns den WM-Titel als Ziel zu setzen“, hatte Moriyasu zudem vor dem Turnier gesagt und damit die Ambitionen der Mannschaft formuliert.
In der Gruppe F bleibt die Ausgangslage nach dem zweiten Spieltag überschaubar: Japan hat das Erreichen des Achtelfinals im Duell mit Schweden selbst in der Hand, Tunesien ist bereits ausgeschieden. Damit ist Tunesien nach Haiti und der Türkei das dritte Team, das die Heimreise antreten muss, noch bevor die Gruppenphase abgeschlossen ist.
Der Marktwert des japanischen Kaders und die Vertragslaufzeiten der Schlüsselspieler deuten auf eine langfristige Aufbauarbeit hin, während Tunesien mit einem Kader von 26 Spielern und einem Gesamtmarktwert von 270,85 Millionen Euro zwar personell gut aufgestellt ist, aber an der mangelnden Kontinuität zu scheitern scheint.
Mit Blick auf die kommenden Aufgaben bleibt für Tunesien nur das letzte Gruppenspiel gegen die Niederlande, in dem es vor allem darum gehen wird, das Gesicht zu wahren. Für Japan geht es am letzten Gruppenspieltag gegen Schweden um den direkten Vergleich im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale.
Fragen & Antworten
Wer ist Ali Abdi und warum hat er den tunesischen Verband kritisiert?
Ali Abdi ist ein 32 Jahre alter tunesischer Abwehrspieler, der bei OGC Nice unter Vertrag steht. Er kritisierte nach dem 0:4 gegen Japan den eigenen Verband, weil dieser die Mannschaft vor jedem Turnier neu aufstelle, anstatt Fehler zu beheben, und die Spieler ohne gemeinsame Vorbereitung zur WM reisen lasse.
Wie konnte Japan Tunesien so deutlich besiegen?
Japan nutzte seine eingespielte Mannschaft aus dem Turnier 2022 und traf früh durch Daichi Kamada in der 4. Minute. Ayase Ueda (31./83.) und Junya Ito (69.) bauten den Vorsprung aus, sodass am Ende ein hochverdientes 4:0 (2:0) für Japan stand.
Was bedeutet das Ergebnis für die weiteren Aufgaben beider Mannschaften?
Japan trifft im letzten Gruppenspiel auf Schweden und hat den Einzug ins Achtelfinale selbst in der Hand. Tunesien ist als Gruppenletzter bereits ausgeschieden und bestreitet nur noch eine Partie gegen die Niederlande, in der es um die sportliche Ehre geht.
Japan vs Tunesien 4:0 – WM 2026: Ueda glänzt, Abdi weint | sportnachrichten