Frankreich zieht mit Mbappé-Gala ins WM-Halbfinale ein – Deschamps: „Wenn du Kylian hast, brauchst du dir keine Sorgen zu machen“
Al Khor, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Frankreich hat durch Tore von Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé auch sein zweites Duell mit Marokko bei einer Weltmeisterschaft mit 2:0 gewonnen und steht zum dritten Mal in Folge im WM-Halbfinale. Trainer Didier Deschamps sprach anschließend von einem Auftritt, der zeige, warum sein Team um den nächsten Titel mitspielen dürfe.
Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft hat mit einem souveränen 2:0 (1:0) gegen Marokko zum dritten Mal in Folge das Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht und trifft dort am Dienstag (21.00 Uhr MESZ) in Dallas auf den Sieger des Viertelfinals zwischen Spanien und Belgien.
Der Titelverteidiger aus Frankreich präsentierte sich am Donnerstagabend im Al-Bayt-Stadion von Al Khor in der erwarteten Dominanz und setzte seinen Siegeszug bei diesem Turnier mit dem sechsten Erfolg im sechsten Spiel fort. Nach Toren von Kylian Mbappé (55. Minute) und Ousmane Dembélé (73.) zogen die Franzosen ungefährdet in die Vorschlussrunde ein, ohne dass die Defensive gegen den afrikanischen Kontinentalmeister und WM-Vierten von 2022 ernsthaft in Gefahr geriet.
Mbappés Geniestreich eröffnet den Torreigen
Mbappé eröffnete den Torreigen mit einem traumhaften Schlenzer aus 16 Metern in den Torwinkel und bereitete wenig später den zweiten Treffer seines Sturmpartners Ousmane Dembélé vor. Für den 27 Jahre alten Superstar war es im 20. WM-Spiel seiner Karriere der achte Turniertreffer – womit er in der ewigen WM-Torschützenliste nur noch ein Tor hinter dem 39-jährigen Lionel Messi liegt, der an seiner sechsten Weltmeisterschaft teilnimmt.
Frankreich im WM-Halbfinale: Mbappé führt Équipe Tricolore | sportnachrichten
Der zweimalige Weltmeister (1998, 2018) reist nun mit einer Bilanz von 16:2 Toren zum Halbfinale nach Dallas und hat damit frühzeitig unterstrichen, dass der Halbfinal-Fluch der europäischen Top-Nationen bei dieser WM weiterhin keine Rolle spielt. Einen dritten Titel in Serie – einen sogenannten Final-Hattrick – schafften in der Geschichte bislang nur Deutschland zwischen 1982 und 1990 sowie Brasilien zwischen 1994 und 2002.
Deschamps gibt Entwarnung – und schickt eine Kampfansage
Frankreichs Trainer Didier Deschamps zeigte sich nach dem Schlusspfiff gewohnt selbstbewusst und erklärte, sein Team habe „alles richtig gemacht, um sie uns zurechtzulegen“. Auf die Frage nach der Auswechslung seines Kapitäns, der nach einem Schlag auf die Ferse vom Platz musste, antwortete er: „Da ist nichts Ernstes.“ Mit Blick auf die vergebene Chance vom Elfmeterpunkt ergänzte der Coach, der nach dieser WM nach 14 Jahren als Nationaltrainer aufhören wird: „Ein verschossener Elfer, vergebene Chancen – aber wenn du Kylian hast, brauchst du dir keine allzu großen Sorgen zu machen.“
Mbappé selbst gab nach den Bildern, auf denen er mit Eis am Fuß in die Kabine humpelte, Entwarnung: „Es geht mir gut“, sagte er und sprach vom Weg in die nächste Runde: „Der Weg ist noch lang. Wir sind jetzt im Halbfinale, wir sind zuversichtlich, aber wir haben noch ein wenig vor uns.“ Der Stürmer, der bereits 2018 den WM-Pokal und 2022 in Katar die Silbermedaille holte, bekräftigte zudem: „Wir sind bereit, uns allem zu stellen.“
Mittelfeldspieler Adrien Rabiot, der mit seiner Physis und Übersicht einmal mehr das Zentrum dirigierte, beschrieb den Auftritt seines Teams so: „Auch als wir nicht den Ball hatten, haben wir gefühlt, dass sie nicht gefährlich waren und dass wir nichts fürchten mussten.“ Die dominante Vorstellung habe den Franzosen zudem geholfen, die Erinnerung an den mühsamen Achtelfinalerfolg wettzumachen. „Dann waren sie müde“, analysierte Deschamps.
Medien und Fans feiern die „unaufhaltsamen“ Franzosen
Die französische Sportzeitung „L'Équipe“ titelte nach der einseitigen Partie „Unaufhaltsam“, „Le Parisien“ schrieb: „Nichts kann sie aufhalten“, und die ARD-Sportschau fragte: „Wer soll dieses Team stoppen?“ – eine Einschätzung, die in der Heimat Tausende Fans spontan zum Feiern auf die Champs-Élysées trieb. Auch Mbappé selbst richtete den Blick bereits nach vorn und formulierte eine Kampfansage: „Starke Mannschaften sind diejenigen, die gewinnen. Im Moment ist sie nicht die stärkste, aber wir sind bereit.“
Angesichts der Kaderbreite musste Deschamps erneut Schwerstarbeit leisten, um eine Mannschaft voller Stars bei Laune zu halten. Gegen Marokko durfte ab der 71. Minute der bisher kaum berücksichtigte Warren Zaïre-Emery ran, der dem Coach in den kommenden Spielen zusätzliche Optionen eröffnen soll. „Gute Spieler zu haben ist die Grundlage“, sagte Deschamps zu seinem Erfolgsrezept und betonte mit Blick auf den möglichen Endspielgegner: „Wir sind hier, um zu gewinnen.“
Marokko hadert mit dem VAR, nicht mit dem Ergebnis
Marokkos Trainer Mohamed Ouahbi haderte derweil mit einer Szene, die dem Führungstreffer vorausgegangen war. „Einige Spieler haben aufgehört zu spielen, weil sie ein Handspiel gesehen haben. Und es war definitiv ein Handspiel“, sagte der 49-Jährige, der zugab: „Ich weiß allerdings nicht, ob es hätte gepfiffen werden müssen oder nicht – da habe ich keine Ahnung.“ Sein Resümee fiel dennoch versöhnlich aus: „Letztlich war es aber eine Einzelaktion von Kylian Mbappé, die zum Tor geführt hat.“
Das Reklamieren der Marokkaner sei nicht für das Gegentor verantwortlich, betonten Beobachter. Die Szene habe sich lediglich über 13 Sekunden erstreckt, der Videoassistent habe aber letztlich keinen Eingriff für nötig gehalten. Die Franzosen hätten sich gegen den unerwartet passiven Viertelfinalisten ohnehin Chance um Chance erarbeitet und defensiv „quasi nie in Bedrängnis“ geraten.
Mbappé, der nach dem 1:0 gegen Paraguay beim Turnierauftakt schon einmal emotional aufgeladen gewirkt hatte, zeigte sich diesmal auffallend gefasst. Er habe angefangen „zu träumen“, beschrieb ein Bericht die Stimmung im Lager des Titelverteidigers. Den endgültigen Triumph wollte aber noch niemand ausrufen: „Das ist jetzt das dritte Halbfinale in Folge, das ist also schon mal eine gute Sache“, sagte Deschamps, „aber gewonnen ist schließlich noch nichts.“
Ausblick: Hochkaräter im Halbfinale in Dallas
Seit der Coach die Équipe Tricolore 2012 übernommen hat, hat Frankreich in fünf von sieben EM- oder WM-Turnieren die Runde der besten vier Teams erreicht. Diese Konstanz auf höchstem Niveau macht den Favoriten aus Sicht vieler Experten auch dann zum Top-Anwärter auf den Titel, wenn mit Spanien oder Belgien ein europäischer Hochkaräter im Halbfinale wartet. „Es ist die Mannschaft mit dem größten Potenzial“, sagte Mbappé – und meinte damit sein eigenes Team.
In der Heimat und in den sozialen Netzwerken überschlugen sich die Reaktionen. Die „unwiderstehlichen Franzosen“, wie eine Boulevard-Zeitung schrieb, hätten „eine Demonstration der Stärke“ geliefert. „Härter werden“ wird es für Frankreich wohl im Halbfinale am Dienstag, schrieb ein Kommentator, doch die Vorzeichen könnten für die Equipe Tricolore kaum besser sein.
Insgesamt trat der zweimalige Weltmeister bei dieser Weltmeisterschaft bislang mit einer selten gesehenen Mischung aus Effizienz, individueller Klasse und defensiver Stabilität auf. Sechs Spiele, sechs Siege, 16:2 Tore – und das trotz mehrerer Verletzungen im Kader. „Wir müssen an den Grundlagen arbeiten und dafür sorgen, dass wir bei Verletzungen auf einen größeren und stärkeren Kader zurückgreifen können“, hatte Deschamps bereits vor dem Turnier betont.
Gelingt im Halbfinale der siebte Streich, wäre das Endspiel am Sonntag in East Rutherford greifbar nahe. Doch Mbappé, Deschamps und Co. wissen: Der härteste Gegner wartet noch. Die Fans an den Bildschirmen, an der Champs-Élysées und in den Stadien dieses Turniers dürfen sich auf ein Halbfinale freuen, das denkwürdig zu werden verspricht.
Fragen & Antworten
Wer hat die Tore zum 2:0-Sieg Frankreichs gegen Marokko erzielt?
Kylian Mbappé eröffnete das Spiel in der 55. Minute mit einem Schlenzer aus 16 Metern in den Torwinkel und bereitete wenig später den Treffer von Ousmane Dembélé zum 2:0-Endstand vor.
Gegen wen spielt Frankreich im WM-Halbfinale?
Frankreich trifft am Dienstag (21.00 Uhr MESZ) in Dallas auf den Sieger des Viertelfinals zwischen Spanien und Belgien.
Was hat Didier Deschamps zur Auswechslung von Kylian Mbappé gesagt?
Der französische Nationaltrainer Didier Deschamps erklärte, bei dem Schlag auf die Ferse seines Kapitäns sei „nichts Ernstes“, und betonte mit Blick auf die verschossene Elfmeterchance: „Wenn du Kylian hast, brauchst du dir keine allzu großen Sorgen zu machen.“