FIFA plant Verkauf von WM-Rechten: Uefa spricht von unüberschreitbarer Grenze
Frankfurt am Main, 28 Juli 2026
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Kurzfassung
Der Fußball-Weltverband FIFA plant einem Bericht zufolge den Verkauf eines milliardenschweren Anteils an den künftigen Einnahmen aus den Weltmeisterschaften. Die Europäische Fußball-Union Uefa kritisierte das Vorhaben scharf und warnte vor einer Überschreitung roter Linien.
Frankfurt am Main, 28 Juli 2026
Der Fußball-Weltverband FIFA plant nach Berichten der Zeitungen „Times" und „Financial Times" ein milliardenschweres Tochterunternehmen, das künftige Einnahmen aus den Fußball-Weltmeisterschaften bündeln und teilweise an private Investoren verkaufen soll, was bei der Uefa auf scharfe Kritik stößt.
Das Vorhaben trägt nach Angaben der „Financial Times" den Arbeitstitel „FIFA Forward Enterprises" (FFE) und soll die nächsten Einnahmen aus den Weltmeisterschaften der Männer und Frauen in eine eigenständige Gesellschaft einbringen. Diese Gesellschaft solle in diesem Jahr 4,2 Milliarden US-Dollar einbringen, um das FIFA-Entwicklungsprogramm „Forward" zu finanzieren, wie der Weltverband mitteilte.
Mit dem Geld sollen die Zahlungen an die 211 Mitgliedsverbände, zu denen auch der Deutsche Fußball-Bund gehört, mehr als verdoppelt werden. Die FIFA plant zudem, dass alle 211 Mitgliedsverbände kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die sie entweder behalten oder weiterverkaufen könnten. Der Gesamtwert der neuen Gesellschaft wird laut den Berichten zunächst auf rund 20 Milliarden Dollar taxiert.
Private Investoren sollen rund 20 Prozent der Anteile erwerben können. Denkbar seien zunächst 20 bis 30 Prozent, hieß es. Die Pläne würden seit mehreren Monaten vorbereitet und müssten noch genehmigt werden, wie die „Financial Times" berichtete. Dem Vernehmen nach seien bereits erste Rahmenvereinbarungen unterzeichnet worden, der Deal könnte ein Volumen von rund 15 Milliarden Pfund, etwa 17,5 Milliarden Euro, umfassen.
Modell „FIFA Forward Enterprises"
Eine Schlüsselrolle spielt dem Bericht zufolge der Technologieinvestor Joshua Kushner. Sein Fonds Thrive Eternal führe Gespräche über den möglichen Einstieg. Kushners Bruder Jared ist mit der Tochter des US-Präsidenten Donald Trump verheiratet. Die Berichte sprechen zudem davon, dass auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung in die Pläne einbezogen worden seien. Die FIFA äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Berichten.
Investoren aus dem Umfeld der US-Regierung
Ein Sprecher der Uefa reagierte mit deutlicher Kritik und warnte vor einem Tabubruch: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürfen." Die Uefa rief nationale Verbände, Ligen, Vereine, Spieler, Fans und Regierungen auf, das Thema ernst zu nehmen. „Er steht der FIFA nicht zum Verkauf", hieß es in dem Uefa-Statement weiter. Die Seele und die Führung des Fußballs seien keine Handelsware, „erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert".
Uefa zieht rote Linie
Die Uefa verwies zugleich darauf, dass der eigene Dachverband seine kommerziellen Rechte an der Champions League ebenfalls über eine private Firma verwerten lässt. Sie betonte, niemand von ihnen sei Eigentümer des Fußballs, und äußerte sich zugespitzt: „Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs." Die Wortwahl ließ zugleich erkennen, wie groß die Sorge auf europäischer Seite ist, dass mit einem Verkauf zentraler Einnahmequellen die sportpolitische Souveränität des Weltverbands ausgehöhlt werden könnte.
Im Zentrum des Vorhabens steht der FIFA-Präsident Gianni Infantino, der im kommenden Jahr voraussichtlich für eine letzte Amtszeit bis 2031 wiedergewählt wird. Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte der 56-Jährige nach dem Ende dieser Amtszeit als Commissioner oder Geschäftsführer an die Spitze des neuen Unternehmens wechseln. Die „Times" zitierte einen Insider, der das Vorhaben als „Atombombe" für den Fußball bezeichnete.
Infantinos möglicher Wechsel an die Spitze
Die Aussicht auf ein solches Gehalt weckt Erinnerungen an die NFL: Infantinos Einkommen könnte sich nach dem Bericht der „Times" in einer Region bewegen, die bislang NFL-Boss Roger Goodell vorbehalten war. Goodell wird mit geschätzten 64 Millionen Dollar, umgerechnet rund 56,3 Millionen Euro, zu den bestbezahlten Sportfunktionären der Welt gezählt. Eine Bestätigung der FIFA für diese Größenordnung liegt bislang nicht vor.
Jeder einzelne der 211 Mitgliedsverbände würde mit Anteilen im Wert von rund 20 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 17,6 Millionen Euro, ausgestattet. Theoretisch könnten auch diese Anteile weiterverkauft werden. Damit würden wirtschaftliche Anreize für kleine Verbände geschaffen, zugleich aber langfristige Mitspracherechte an private Geldgeber abgegeben, kritisieren Beobachter.
Die Pläne werfen zudem die Frage nach der künftigen Form der Weltmeisterschaften auf. Die „Times" schrieb, ein solcher Deal könnte den Druck erhöhen, das Teilnehmerfeld einer WM weiter auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen. Schon jetzt hatte Infantino die WM auf 48 Teams aufgestockt, eine Klub-WM mit Milliarden-Preisgeld eingeführt und Pläne für eine globale Nations League vorgestellt. Ähnliche Strukturen verfolgte er bereits 2018, als er unter Beteiligung saudischer Investoren einen Milliarden-Deal für die Klub-WM und eine weltweite Nations League anstrebte.
Folgen für das Weltmeisterschafts-Turnier
Die Berichte schlagen in eine Phase, in der die FIFA ohnehin als kommerziell ambitioniertester Sportverband der Welt gilt. Mit den Erlösen aus dem neuen Konstrukt könnte der Weltverband seine Zahlungen an die Mitgliedsverbände deutlich ausweiten, zugleich würde die sportpolitische Unabhängigkeit an private Investoren gebunden. Branchenkenner werten die Pläne als den bislang weitreichendsten Versuch, das Tafelsilber des Weltfußballs in eine eigenständige Erlösstruktur zu überführen.
Die Diskussion um das Modell dürfte sich nach Einschätzung von Beobachtern über mehrere Monate hinziehen. Eine Wiederwahl Infantinos bis 2031 gilt im kommenden Jahr als so gut wie sicher, womit der Präsident genügend Zeit hätte, das Vorhaben auch über das Ende seiner Amtszeit hinaus zu prägen. Bis dahin müssen die Gremien der FIFA dem Konstrukt zustimmen und rechtliche wie steuerliche Fragen geklärt werden.
Die Uefa kündigte an, das Thema in den kommenden Sitzungen ihrer Gremien zu behandeln. Sie verwies zugleich auf eigene Erfahrungen mit Ausgliederungen: Auch die Europäische Fußball-Union lässt ihre kommerziellen Rechte an der Champions League von einer eigenen Firma verwalten. Das Modell der FIFA geht nach Einschätzung von Experten jedoch deutlich weiter, weil künftige WM-Erlöse über Jahrzehnte hinweg im Voraus an Investoren verkauft werden sollen.
Risiko Einflussnahme durch externe Geldgeber
Welche Spuren das Vorhaben im internationalen Fußballspieltag hinterlassen wird, hängt auch davon ab, ob die nationalen Verbände ihre Anteile tatsächlich halten oder kurzfristig Gewinne mitnehmen. Branchenkenner sehen darin das größte Risiko: Sollten finanziell schwache Verbände ihre Anteile früh veräußern, könnten externe Geldgeber über die Hintertür Einfluss auf die FIFA-Politik gewinnen, etwa auf die Vergabe großer Turniere.
Indes steht die FIFA vor der Aufgabe, ihre Pläne mit den Erwartungen von Fans und Vereinen in Einklang zu bringen. Schon der Vorgänger des jetzigen Präsidenten, Sepp Blatter, hatte ähnliche Pläne einst als „Ausverkauf des Fußballs" kritisiert. Dieser Vorwurf wiegt aus Sicht der Uefa schwer, weshalb sie alle Beteiligten zu einer ernsthaften Debatte aufgerufen hat.
Die Reaktionen aus den USA, Europa und der Golfregion werden in den nächsten Wochen zeigen, ob das Modell den politischen Sturm übersteht. Infantino hat bereits mehrfach unter Beweis gestellt, dass er sportpolitische Großprojekte gegen Widerstände durchsetzen kann. Ob ihm das auch beim Verkauf der WM gelingt, dürfte zu den prägenden Fragen des Fußballs in diesem Jahrzehnt gehören.
Die Nachricht wurde am 28.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die FIFA bestätigte am Dienstagnachmittag das Vorhaben grundsätzlich, ohne auf Details zu den Anteilen oder den Investoren einzugehen. Die Diskussion um „FIFA Forward Enterprises" ist damit eröffnet.
Fragen & Antworten
Was ist „FIFA Forward Enterprises"?
Es handelt sich um eine geplante FIFA-Tochtergesellschaft, die künftige Einnahmen aus den Fußball-Weltmeisterschaften bündeln und private Investoren beteiligen soll. Ihr Wert wird laut Berichten zunächst auf rund 20 Milliarden Dollar geschätzt.
Warum kritisiert die Uefa die Pläne so scharf?
Die Uefa sieht durch den Verkauf zentraler WM-Einnahmen die sportpolitische Unabhängigkeit des Weltverbands in Gefahr. Sie spricht von einer unüberschreitbaren Grenze und ruft Verbände, Vereine, Spieler und Regierungen zum Einspruch auf.
Welche Rolle spielt Gianni Infantino nach 2031?
Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte Infantino nach dem Ende seiner FIFA-Präsidentschaft als Commissioner oder Geschäftsführer an die Spitze der neuen Gesellschaft wechseln. Sein Gehalt könnte sich laut „Times" an das von NFL-Boss Roger Goodell annähern.
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