DFB-Trainerfrage: Klopp offen, Nagelsmann vor Aus | sportnachrichten
DFB vor Grundsatzentscheidung: Klopp offen für Gespräche über den Bundestrainer-Posten
Frankfurt am Main, 01. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem WM-Aus gegen Paraguay steht der DFB vor einer Grundsatzentscheidung über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Jürgen Klopp schloss einen Wechsel nicht aus, verwies aber auf seinen laufenden Vertrag bei Red Bull bis 2029. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte Beratungen in den kommenden Tagen an.
Nach dem enttäuschenden Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Achtelfinale der WM 2026 gegen Paraguay steht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor einer Grundsatzentscheidung über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann, wobei auch Jürgen Klopp als Nachfolger im Gespräch ist.
Die deutsche Nationalmannschaft war bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay bereits im Sechzehntelfinale gescheitert. Das Turnier mit 48 Mannschaften in 12 Vorrundengruppen endete damit für den Titelanwärter deutlich früher als erhofft. Schon am Tag nach dem Ausscheiden kehrte die Mannschaft um den erst 38-jährigen Nagelsmann nach Deutschland zurück. Am Münchner Flughafen wurde der Bundestrainer am Mittwochmorgen mit einem Trolley und in pinken Sneakers gesichtet, begleitet von seiner Mutter und seiner Frau Lena. Eine abschließende Pressekonferenz vor der Heimreise hatte es nicht gegeben.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der sich zuvor im deutschen WM-Quartier in Winston-Salem öffentlich geäußert hatte, ordnete das Ergebnis als Tiefschlag ein. Neuendorf erklärte am Tag nach dem Ausscheiden: "Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Zudem sagte er: "Wir wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Die Führung des Verbands um Neuendorf werde in den kommenden Tagen zusammenkommen, um über die Zukunft von Nagelsmann zu beraten. Eine Entscheidung, ob der DFB einen radikalen Neuanfang wage, werde "in den kommenden Tagen" erwartet.
DFB-Spitze kündigt Beratungen an
Nagelsmann selbst hatte einen Rücktritt nach der Niederlage in Foxborough ausgeschlossen und erklärt, er wolle seinen bis zur EM 2028 laufenden Vertrag erfüllen. Nach Informationen von Sky wird Nagelsmann ein Jahresgehalt von rund sieben Millionen Euro gezahlt; bei einer Trennung wäre nach übereinstimmenden Berichten ein Restvertragswert von etwa 14 Millionen Euro Grundlage für Abfindungsverhandlungen. Im Raum steht zudem eine angebliche "Reißleinenklausel" im Kontrakt, die an ein Vorrunden-Scheitern geknüpft sein soll.
Unterdessen erhielt Nagelsmann Rückendeckung von DFB-Sportdirektor Rudi Völler. Der 66-Jährige war der erste Verantwortliche des Verbands, der sich öffentlich für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit aussprach. In einem Interview bei Magenta TV reagierte Völler zudem auf einen Ausspruch Klopps, der mit dem Wörtchen "noch" angedeutet hatte, dass Nagelsmann weiterhin die Nationalmannschaft zusammenstelle – was Völler offenbar verstimmte. Völler entgegnete ihm und dem Co-Experten Thomas Müller augenzwinkernd: "Ihr seid ja mehr für die Komik zuständig."
Lahm und Hummels fordern Trainerwechsel
Im Lager der früheren Weltmeister wuchs dagegen der öffentliche Druck. Philipp Lahm und Mats Hummels sprachen sich für eine Trennung von Nagelsmann aus. Hummels, der 37-jährige Ex-BVB-Star und MagentaTV-Experte sowie Weltmeister von 2014, sagte: "Wenn man die ganze Faktenlage gerade so sieht, würde ich sagen: Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern." Er fügte hinzu: "Es ist schon irgendwo schwer vorstellbar, dass es so weitergehen soll." Zudem kritisierte Hummels das Auftreten von Nagelsmann als "Schmallippig und patzig" – wenngleich er einräumte, möglicherweise emotional befangen zu sein, da er für die Heim-EM nicht nominiert worden war.
Bei MagentaTV nannte Hummels zwei Kandidaten, die er sich als Nachfolger vorstellen könne: Pep Guardiola und Jürgen Klopp. Beide seien "weltweit die besten Trainer der vergangenen 18 Jahre". In einer weiteren Aussage sagte Hummels: "Ich glaube, dass sowohl Pep Guardiola als auch Jürgen Klopp überall hinpassen – jede Vereinsmannschaft, jede Nationalmannschaft. Die beiden besten Trainer des vergangenen Jahrzehnts, der letzten 17, 18 Jahre in meinen Augen weltweit." Trotz der Qualitäten Guardiolas favorisiere Hummels "aber ganz klar seinen alten Weggefährten Klopp". Er sagte über Klopp: "Er könnte ein Land auch nochmal komplett hinter sich vereinen. Das hat er schon drin." Ergänzend sagte Hummels: "Er könne sich beide Lösungen sehr gut vorstellen."
Klopp verweist auf laufenden Vertrag
Klopp, der 59-jährige ehemalige Erfolgstrainer von Mainz, Borussia Dortmund und FC Liverpool, äußerte sich unmittelbar nach der Partie gegen Paraguay ebenfalls bei Magenta TV. Er sagte: "Das ist nicht der Moment, um darüber wirklich zu sprechen, vor allem nicht mit mir. Es gibt dazu nichts zu sagen." Ergänzend meinte er mit Blick auf das Geschehen: "Da muss man sich irgendwann anders drum kümmern." Klopp arbeitet seit Januar 2025 als Global Head of Soccer beim Red-Bull-Imperium; sein Arbeitspapier weist noch eine Laufzeit bis zum Jahr 2029 auf. Eine klassische Ausstiegsklausel besitzt der Star-Coach in seinem Kontrakt allerdings nicht. Für eine vorzeitige Freigabe würde Red Bull nach Berichten allerdings eine Ablösesumme im einstelligen Millionen-Bereich verlangen.
Pep Guardiola, 55-jähriger Spanier, der zum Saisonende seinen Posten als Trainer von Manchester City aufgegeben hatte und derzeit ohne Job ist, wäre rein sportlich ebenfalls ein Kandidat. In seiner Trainerkarriere hatte Guardiola zwölf nationale Meisterschaften in Spanien, Deutschland und England sowie dreimal die Champions League mit Barcelona und Manchester City gewonnen. Allerdings war Guardiola noch nie Nationaltrainer; zudem hat die deutsche Nationalmannschaft in ihrer langen Geschichte bislang noch keinen einzigen ausländischen Cheftrainer gehabt.
Guardiola als zweite Option – mit Hindernissen
Aus dem Kreis ehemaliger Nationalspieler meldete sich auch Bastian Schweinsteiger zu Wort. Der 41-Jährige, derzeit als ARD-Experte tätig, sagte: "Wenn du dreimal ausscheidest so früh bei einer Weltmeisterschaft, ist das kein Zufall mehr." Über die Ursachen des Scheiterns meinte er: "Wir haben unsere eigenen Stärken… unsere Tugenden, für die wir respektiert worden sind im Ausland, aufgegeben oder haben wir vernachlässigt. Was wir verloren haben, ist Robustheit, Identität, Kampf." Auch Sami Khedira, Weltmeister von 2014, nannte die Niederlage gegen Paraguay "die Quittung für die letzten Jahre". Er ergänzte: "Wir dürfen die Kinder nicht in Watte packen und sagen: Das Gewinnen ist nicht wichtig, wir müssen einfach nur die perfekte Technik haben" und forderte, dass "auf dem absoluten Topniveau" eine "Kombination aus Mentalität und Führungsqualitäten" entscheidend sei.
Oliver Kahn, der frühere Welttorhüter, verwies in einem LinkedIn-Beitrag auf die aufeinanderfolgenden Misserfolge unter drei Bundestrainern – Joachim Löw, Hansi Flick und Nagelsmann: "Bei der WM 2018 und 2022 in der Gruppenphase, jetzt im Sechzehntelfinale gegen Paraguay." Das deutsche Ausscheiden erinnert an die Vorrundenpleite 2018 in Russland, als die DFB-Elf als Titelverteidiger erstmals in der Verbandsgeschichte die Gruppenphase nicht überstand. Auch 2022 war das Turnier früh zu Ende gegangen.
Stimmen der Ex-Weltmeister
Michael Ballack, Ex-Kapitän der Nationalelf, wurde mit der Aussage zitiert, dass dem Team die sogenannten deutschen Tugenden fehlten. Adidas-Chef Björn Gulden hatte vor dem Turnier geschätzt, dass mehr als drei Millionen DFB-Trikots verkauft würden – dreimal so viele wie bei der WM 2022 in Katar. Tatsächlich sind die weißen Heimtrikots in Schwarz-Rot-Gold sowie das dunkle Auswärtstrikot mit hellblauen Elementen im Online-Handel bei Intersport, SportScheck, Breuninger, Otto, Sport2000 und Zalando für rund 60 bis 80 Euro erhältlich, das Auswärtstrikot von 150 auf etwa 100 Euro reduziert.
Der ehemalige DFB-Manager Oliver Bierhoff sprach sich unterdessen für eine schnelle Lösung aus und nannte Klopp als Wunschkandidaten. Bierhoff sagte: "Ich glaube, da braucht man keinen Fachmann zu sein, dass man sagt, Jürgen Klopp ist als Bundestrainer, sollte er gewechselt werden, natürlich der Wunschtrainer… Also sollte Julian Nagelsmann aufhören, sollte Jürgen Klopp das erste Ziel sein, ihn für den DFB zu gewinnen." Er zeigte sich zugleich erleichtert, dass keine überstürzte Entscheidung getroffen werde.
In den sozialen Netzwerken und unter den Anhängern wird bereits lautstark über einen potenziellen Nachfolger spekuliert. Viele Fans wünschen sich sehnlichst, dass Jürgen Klopp das kriselnde DFB-Team übernimmt. Die Sportbild-Ausgabe am Mittwoch titelte: "Wir brauchen Klopp als Stimmungs-Dreher." Klopp war bereits während der Heim-WM 2006 als ZDF-Experte zum Liebling der Fernsehzuschauer geworden; damals war er Ende 30 und Trainer von Mainz 05.
Das Scheitern der deutschen Mannschaft schlug nach Berichten auch im Nachbarland Österreich hohe Wellen. Im Vorfeld war im Verband zudem der Sportdirektor Hannes Wolf, im DFB für die Nachwuchsförderung zuständig, mit dem Konsens vorgeprescht, im Jugendbereich auf Motivations- statt Ergebnisdruck zu setzen. Der DFB sei zudem über einen Nike-Sponsorenvertrag mit einem Volumen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr an den wirtschaftlichen Erfolg des Teams gebunden.
Historische Parallelen und wirtschaftliche Zwänge
Ein Vergleich mit früheren Krisen drängt sich auf. Nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft 1984 hatte die Bild-Zeitung Franz Beckenbauer als Nachfolger von Jupp Derwall ins Spiel gebracht; Beckenbauer war damals als Kolumnist für die Zeitung tätig. Nach dem WM-Debakel 2018 in Russland hatte Bundestrainer Joachim Löw trotz erster Rücktrittsgedanken im Amt bleiben können. Diesmal ist die Ausgangslage eine andere: Nagelsmann hat einen gültigen Vertrag, und sein möglicher Nachfolger Klopp wäre nach übereinstimmenden Berichten nur über eine Ablösezahlung an Red Bull und einvernehmliche Vertragsauflösung zu gewinnen.
Parallel zum deutschen Scheitern endete auch die WM für die Niederlande früh: Im Sechzehntelfinale unterlag das Team Ronald Koemans, der im Alter von 63 Jahren nach der Niederlage gegen Marokko von seinem Posten als Bondscoach zurücktrat. Es war bereits seine zweite Amtszeit. Der niederländische Verband steht damit vor einer ähnlichen Trainerfrage wie der DFB – wenn auch unter anderen Vorzeichen.
Ausblick: Entscheidung in den kommenden Tagen
Im Hintergrund werden zudem personelle Konstellationen diskutiert. Als eine Figur, die Klopp im DFB-Umfeld ansprechen würde, gilt Oliver Mintzlaff, ein früherer Red-Bull-Manager. Die nächsten Tage dürften zeigen, ob der DFB den Weg eines radikalen Neuanfangs wagt oder ob Nagelsmann trotz der anhaltenden öffentlichen Kritik im Amt bleibt. Das nächste Länderspiel der deutschen Mannschaft ist für Ende September terminiert.
Die Stimmung in der deutschen Fußball-Öffentlichkeit bleibt unterdessen angespannt. Nico Schlotterbeck brachte die Enttäuschung über das Ausscheiden mit den Worten "Richtig scheiße" auf den Punkt. Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte nach dem norwegischen Sieg gegen die Elfenbeinküste, der zur Achtelfinal-Teilnahme Norwegens führte: "Wir sind Helden in der Nacht und Helden am Tag – und wir gehen am Montag zur Arbeit." Norwegen trifft am Sonntagabend um 22:00 Uhr MESZ auf Brasilien.
Fragen & Antworten
Wer ist Julian Nagelsmann und welche Funktion bekleidet er beim DFB?
Julian Nagelsmann ist 38 Jahre alt und amtierender Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft; sein Vertrag läuft laut DFB bis zur EM 2028.
Warum gilt Jürgen Klopp als möglicher Nachfolger von Nagelsmann?
Der 59-jährige Klopp war Erfolgstrainer in Mainz, Dortmund und Liverpool und arbeitet seit Januar 2025 als Global Head of Soccer für Red Bull; sein Vertrag dort läuft bis 2029, was eine Ablöse erfordern würde.
Wie ist die deutsche Mannschaft bei der WM 2026 ausgeschieden?
Deutschland scheiterte im Sechzehntelfinale der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay.