DFB-Team trifft im Achtelfinale der WM 2026 auf Paraguay – Revanche für historisches 1:0 von 2002?
Foxborough, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Montag um 22:30 Uhr deutscher Zeit im Achtelfinale der WM 2026 in Foxborough auf Paraguay. Für die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann ist es das erste K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft seit dem Titelgewinn 2014 in Brasilien – ein Duell, das bereits 2002 in derselben Turnierphase stattfand.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft bestreitet am Montag (22:30 Uhr MESZ) in Foxborough bei Boston ihr Achtelfinale der WM 2026 gegen Paraguay und damit ihre erste K.-o.-Partie bei einer Weltmeisterschaft seit dem Titelgewinn 2014 in Brasilien.
Historisches Duell: Déjà-vu mit Paraguay
Das Duell mit dem südamerikanischen Team, das sich überraschend als einer der acht besten Drittplatzierten der Vorrunde für die Runde der letzten 32 qualifiziert hat, weckt Erinnerungen an ein historisches Spiel: Auch 2002 war Paraguay der erste deutsche K.-o.-Gegner. Im Achtelfinale in Südkorea gab es einen erst in der 88. Minute fixierten 1:0-Sieg – Dank eines Treffers von Oliver Neuville in der 88. Minute setzte sich Deutschland damals mit 1:0 durch. Rudi Völler war damals Trainer. Er war 2002 Trainer, als die Deutschen im WM-Achtelfinal auf Paraguay trafen.
Vierundzwanzig Jahre später kehrt das DFB-Team an einen vertrauten Ort zurück. Am Montagabend um 22:30 Uhr deutscher Zeit schließt sich für den 38-jährigen Nagelsmann ein Kreis: Der Weg seines Teams an der WM 2026 führt ihn zurück nach Foxborough, diesmal aber nicht nur auf den Trainingsplatz, sondern ins Stadion der New England Patriots. Sein Einstand im Oktober 2023 als Bundestrainer brachte es mit sich, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) längst eine USA-Reise vereinbart hatte. Die ersten Länderspiele fanden in Hartford gegen die USA (3:1) und in Philadelphia gegen Mexiko (2:2) statt, aber schon damals wohnte und trainierte die Nationalmannschaft in Foxborough in unmittelbarer Nähe des Stadions des NFL-Giganten New England Patriots.
Rückkehr nach Foxborough
Die Ausgangslage vor dem Duell könnte unterschiedlicher kaum sein. Deutschland ist als Gruppensieger in die K.-o.-Runde eingezogen – Platz eins in der Gruppe, doch nach dem Ecuador-Spiel steht ein großes Aber. Die Mannschaft hatte zuvor elf Siege in Serie gefeiert, ehe das letzte Gruppenspiel gegen Ecuador mit 1:2 verloren ging. Daran ändert auch Sanés Blitztor zur 1:0-Führung nichts. Leroy Sané hatte die Führung erzielt, doch Ecuador drehte die Partie. Die deutsche Mannschaft beendete die Vorrunde als Sieger der Gruppe, muss jedoch den Abgang in eine komplett andere Realität verarbeiten.
Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach am Vorabend in Boston vor der Presse und fand klare Worte zur Drucksituation: „Im Fußball geht es nur ums Gewinnen. Wenn du gewinnst, ist alles perfekt. Wenn du verlierst, ist alles shit. Also müssen wir gewinnen“. Auf die Frage nach Druck und Kritik reagierte er mit den Worten: „Das ist wie bei jedem Menschen. Die Frage können sie sich selbst beantworten“. Nagelsmann ist die erste WM-Endrunde als verantwortlicher Trainer – eine Wortwahl, die allemal die Anspannung eines Fußballlehrers bei seiner ersten WM-Endrunde verriet. Er betonte aber auch: „Das Feuer ist absolut da. Wir haben richtig gut trainiert. Ich bin überzeugt, dass wir ein Topspiel machen werden“.
Nagelsmann unter Druck
Taktisch kündigte der Bundestrainer mögliche Änderungen an. „Es gibt taktische Überlegungen, etwas zu verändern. Es gibt aber auch Überlegungen, alles so zu belassen“. Nagelsmann erklärte zudem, er wolle seinem Kollegen Gustavo Alfaro die Arbeit nicht zu leicht machen, indem er Namen verrate. Konkret forderte er mehr Robustheit und eine deutlich verbesserte Positionierung: „Wir müssen unsere Positionierung sehr gut überprüfen, ob wir unter dem Druck des Gegners stehen oder selbst in der Lage sind, ein Tor zu schießen. Wenn wir diese Überprüfung gegen Ecuador richtig gemacht hätten, hätten wir da schon mehr Struktur und weniger Ballverluste gehabt“. Nagelsmann bezeichnete Paraguay zudem als „unangenehmen Gegner, der uns einiges abverlangen wird“ und erklärte, die Partie gegen Ecuador sei eine hilfreiche Vorbereitung auf Paraguay gewesen, da beide Mannschaften ähnlich ausgerichtet seien.
In der deutschen Mannschaft gibt es personelle Fragen. Manuel Neuer, mit 40 Jahren der einzige Akteur im Kader mit WM-K.-o.-Erfahrung, war nach seinem Auftritt gegen Ecuador in die Kritik geraten. Dieser gab beim 1:2 gegen Ecuador keine gute Figur ab und wehrte bisher im gesamten Turnier weniger Schüsse ab, als er passieren ließ (4). Immerhin hat er 6 von 7 Partien auf der WM-Bühne gewonnen. Über ihn wird viel diskutiert; er wird gestützt von Jürgen Klinsmann, der in einem Gespräch mit der NZZ hervorhob, dass Neuer mit 40 Jahren nach wie vor einer der besten Torhüter der Gegenwart sei und bei Bayern München unangefochten. Dino Zoff begrüßte die Entscheidung, Neuer zur Nationalmannschaft zurückzuholen. Auch Edwin van der Sar erklärte, er würde Neuer vor Gianluigi Buffon einordnen. Andererseits hatte sich Sepp Maier kritisch geäußert und gemeint, Neuer hätte entschlossener herauskommen müssen. Timo Hildebrand verteidigte Neuer in einem selbstproduzierten Video auf Instagram: „Jeder sucht wieder einen Schuldigen für das Spiel gestern. Ich lese ‚Torwart-Patzer von Neuer‘ oder ‚Torwartfehler‘. Ich sage es euch, ihr habt alle keine Ahnung. Und es kotzt mich extrem an“. Hildebrand nannte die Suche nach einem Sündenbock „typisch deutsch“.
Die größte Personalie betrifft jedoch Joshua Kimmich. Der Kapitän der Mannschaft spielt bei Bayern München eigentlich immer im zentralen (defensiven) Mittelfeld, in der Nationalmannschaft seit der letzten EM aber in der Rechtsverteidigung. Im Gleichklang haben sowohl Lothar Matthäus als auch Philipp Lahm vehement gefordert, Joshua Kimmich in die Mittelfeldzentrale zu stellen, um die Stärken des bislang nicht überzeugenden Kapitäns besser zur Geltung zu bringen. Matthäus sagte in ‚Bild‘: „Da sollte er für mich in einer zentraleren Position spielen, um seinen Mitspielern zu helfen“. Philipp Lahm schrieb im ‚Kicker‘, Kimmichs Stärken würden in der Mittelfeldzentrale deutlich sichtbarer und er könne „der Defensive helfen, genau wie der Offensive mit seinen tiefen Pässen“. Kapitän Joshua Kimmich selbst gab sich kämpferisch: „Wir müssen die Dinge ansprechen, die wir nicht gut gemacht haben. Und dann müssen wir unsere Schlüsse daraus ziehen“.
Personalfragen: Neuer, Kimmich und die Kritik
DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der das DFB-Team 2002 in Südkorea und Japan als Cheftrainer betreut hatte, als die Mannschaft anschließend ins Finale einzog und dort Brasilien mit 0:2 unterlag, zeigte sich vor dem Duell zuversichtlich: „Der Glaube ist da. Jetzt geht die WM richtig los“. Auch DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig beschrieb die Lage drastisch: „Wir wissen, dass wir nun das Messer am Hals haben in den K.o.-Spielen“.
Auf der anderen Seite steht Paraguay, das erstmals seit 2010 wieder bei einer WM-Endrunde dabei ist. Damals kam man bis ins Viertelfinale und stellte damit das bisher beste Ergebnis ein. Paraguay ist an der WM 2026 vor allem dank eines glückhaften 1:0-Erfolgs über die Türkei für die Fortsetzung der Endrunde weitergekommen. Nach einer 1:4-Niederlage im Auftaktspiel gegen Co-Gastgeber USA hatte das Team von Teamchef Gustavo Alfaro, einem 63-jährigen Argentinier, gegen die Türkei trotz langer Unterzahl mit 1:0 gewonnen und gegen Australien 0:0 gespielt. Miguel Almiron, der bekannteste Spieler im Kader der Lateinamerikaner, flog damals vom Platz, wird aber gegen Deutschland wieder zur Verfügung stehen. Diego Gomez ist gesperrt, und ob der am Knie verletzte Innenverteidiger Omar Alderete auflaufen kann, ist fraglich.
Paraguay: Kampfgeist als Identität
Kapitän Gustavo Gómez, 33, kündigte eine kämpferische Vorstellung an: „In den drei Spielen – unabhängig von den Ergebnissen – haben wir gezeigt, dass wir gut kämpfen können. Das wird morgen nicht anders sein. Das ist unsere Identität. Wir als Mannschaft versprechen, dass wir unseren besten Fußball zeigen werden“. Alfaro ergänzte: „Gegen Deutschland zu spielen ist natürlich eine große Herausforderung, aber wir werden alles auf dem Platz geben. Wir spielen gegen einen schwierigen Gegner – einen, von dem ich glaube, dass sie zu den Favoriten für die Weltmeisterschaft gehören. Aber es geht darum, wie man ins Spiel geht, es ist nicht unmöglich zu gewinnen. Mit Motivation können wir alle schlagen“.
Das paraguayische Portal ‚abc‘ schrieb, der europäische Gigant reise nach der Niederlage gegen Ecuador angeschlagen an und beweise damit, dass er nicht unbesiegbar ist. In Paraguay definiert man sich als La Albirroja über Kampfgeist und eine starke Defensive – Paraguay definierte sich selbst über Kampfgeist und eine starke Defensive, ähnlich wie Ecuador. In einem Spiel mit wenig Unterhaltungswert und vielen Nickligkeiten öffnen Paraguay und Australien erst in der Schlussphase ihr Visier ein wenig.
Deutschland und Paraguay sind sich bisher zweimal begegnet, mit einem Sieg für Deutschland und einem Unentschieden. In einem Freundschaftsspiel 2013 in Kaiserslautern trennten sich die Teams 3:3. Deutschland geht als klarer Favorit in die Partie.
Ausblick: Sieg gegen Frankreich oder Schweden?
Bei einem Sieg würde das DFB-Team am 4. Juli in Philadelphia auf den Sieger der Partie zwischen Frankreich und Schweden treffen. Im Achtelfinale wartet dann der Sieger zwischen Topfavorit Frankreich und Schweden. Das Spiel wird live im ZDF und bei MagentaTV übertragen, ebenso im ORF 1 und bei SRF, sowie als Audiostream auf sportschau.de.
Kai Havertz, der beim FC Arsenal als Mittelstürmer spielt, zeigte sich trotz der Kritik von außen unbeeindruckt. Auf Äußerungen von Gary Lineker, der von „einer der schlechtesten deutschen Nationalmannschaften“ gesprochen hatte, die er je gesehen habe, entgegnete Havertz im Gespräch mit der Sportschau: „Wir haben schon viele Experten in unserem eigenen Land“. Er ergänzte: „Es ist generell einfach, auf uns von außen einzuhauen. Das interessiert mich null“. Havertz kündigte an: „Wir gehen in das Spiel rein mit der vollsten Überzeugung. Ich bin davon überzeugt, dass wir einen Startschuss geben, um offensiv erfolgreich zu sein“. Florian Wirtz, Jamal Musiala und er wüssten doch, „dass wir drei noch nicht unser volles Potenzial ausgeschöpft haben – da packen wir uns auch an die eigene Nase“.
Deniz Undav, der die vergangene Saison als bester deutscher Skorer beendete, kam bisher ausschließlich als Joker zum Einsatz. Seine Ausbeute ist mit 3 Toren und 2 Assists in Nordamerika sehenswert. In der Abwehr wird erwartet, dass Nathaniel Brown nach seiner Verletzungspause David Raum ersetzt, der beim 1:2 gegen Ecuador einer der Schwachpunkte war. Brown trainierte vor dem Spiel in Winston-Salem mit dem Kader und steht nach seinen Adduktorenproblemen voraussichtlich zur Verfügung. In der Innenverteidigung dürfte Antonio Rüdiger den verletzten Nico Schlotterbeck ersetzen.
Die Partie ist Teil einer WM-Endrunde, die seit dem 11. Juni in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet. Seit dem 11. Juni rollt der Ball: 38 Tage lang wird in den USA, Mexiko und Kanada der neue Weltmeister ausgespielt. Erstmals gibt es zwölf Vorrundengruppen mit 48 Teams. Der vierfache Weltmeister Deutschland hat zum ersten Mal seit dem Titel 2014 wieder die K.-o.-Runde einer WM erreicht.
Fragen & Antworten
Wann und wo spielt Deutschland gegen Paraguay?
Das Achtelfinale findet am Montag um 22:30 Uhr MESZ (live bei ZDF, MagentaTV, ORF 1 und SRF) im Stadion der New England Patriots in Foxborough bei Boston statt.
Wer steht im deutschen Tor, und warum steht Manuel Neuer in der Kritik?
Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt weiterhin auf den 40-jährigen Manuel Neuer. Nach dem 1:2 gegen Ecuador wurde er für eine inkonsequente Spieleröffnung kritisiert, unter anderem von Sepp Maier; Timo Hildebrand und Jürgen Klinsmann verteidigten ihn jedoch.
Was bedeutet ein Sieg für den weiteren Turnierverlauf Deutschlands?
Bei einem Sieg trifft die deutsche Mannschaft am 4. Juli in Philadelphia im Viertelfinale auf den Sieger der Partie zwischen Frankreich und Schweden.
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