Trump bedankt sich bei Infantino für Aufhebung von Baloguns Sperre – und erntet Kritik
New York, 18 Juli 2026
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Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat FIFA-Chef Gianni Infantino bei einem Empfang in New York für die Aufhebung der Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun gedankt. Die Entscheidung war international als unangemessene politische Einmischung in den Sport kritisiert worden.
New York, 18 Juli 2026
US-Präsident Donald Trump hat FIFA-Präsident Gianni Infantino am Freitagabend (Ortszeit) bei einem FIFA-Empfang in New York für die „großartige, großartige, großartige Entscheidung" gedankt, die Rote-Karte-Sperre des US-Nationalstürmers Folarin Balogun vor dem Achtelfinale gegen Belgien aufzuheben.
Hintergrund: Die Sperre und ihre Aufhebung
Die Szene im Trump Tower, in der Infantino direkt neben Trump stand, hatte Symbolcharakter. Trump wandte sich persönlich an den FIFA-Präsidenten und würdigte dessen Rolle in der Affäre um Balogun, der im Achtelfinale gegen Belgien trotz einer Roten Karte aus dem vorherigen Spiel gegen Bosnien-Herzegowina auflaufen durfte. Die USA gewannen das Spiel gegen Bosnien-Herzegowina mit 2:0, doch die folgende Sperre Baloguns wurde vor dem Belgien-Spiel überraschend von der FIFA aufgehoben.
Trump sagte, er habe Infantino angerufen und eine „Empfehlung" in der Sache ausgesprochen. Bei dem Empfang erklärte er laut Anwesenheitsberichten: „Sie haben das Spiel gewonnen und unser Team hatte alle Spieler." Damit spielte er auf die Rückkehr Baloguns in den Kader an, die nach einer offiziellen Sperre zunächst unwahrscheinlich schien.
Gegenüber Infantino fügte Trump hinzu: „Ich weiß, dass du niemals dafür die Anerkennung bekommst." Die Anwesenden im Raum deuteten dies als Hinweis darauf, dass Trump die Entscheidung über die Köpfe der zuständigen FIFA-Gremien hinweg persönlich mit dem Präsidenten abgesprochen hatte. Trump sprach zudem von einer der „vielen guten Entscheidungen" Infantinos.
Trump bezeichnete das Turnier als „das erfolgreichste Sportevent, vielleicht in der Geschichte der Welt. Es war großartig." Außerdem brachte er eine erneute US-Bewerbung um die Austragung einer WM ins Gespräch und sagte: „Ich sage, wir sollten wieder die USA auswählen. Dieses Mal lassen wir Mexiko und Kanada draußen." Eine offizielle Bewerbung wurde allerdings nicht angekündigt.
Trumps Worte im Trump Tower
FIFA-Präsident Infantino bestätigte in der laufenden Woche, dass er regelmäßig mit Trump über WM-Angelegenheiten spreche. In dem konkreten Fall Balogun sagte er: „In diesem speziellen Fall erhielt ich einen Anruf von Präsident Donald Trump." Er habe Trump erklärt, dass das Verfahren noch laufe und die zuständigen Organe entscheiden würden.
Infantino wies jedoch jeden Einfluss auf die Entscheidung der Disziplinarkommission zurück und betonte die Unabhängigkeit der FIFA-Gremien. Er sagte: „So funktioniert das System der FIFA, und dieses Prinzip werde ich stets wahren." Laut FIFA handelte die formal unabhängige Disziplinarkommission, die die Sperre letztlich aufhob, ohne politische Weisung.
Internationale Kritik an der Entscheidung
Die Nachricht über Trumps Anruf und die Aufhebung der Sperre löste weltweit Empörung aus, besonders in Europa. Beobachter sprachen von einer beispiellosen politischen Einmischung in den Sport. Die Entscheidung wurde als „unangemessene politische Einmischung" kritisiert, da ein amtierender Staatschef direkt in disziplinarische Belange eines laufenden Turniers eingegriffen hatte.
Auch ehemalige Funktionäre meldeten sich zu Wort. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter sagte, der aktuelle FIFA-Präsident habe sich „Donald Trump unterworfen". Jürgen Klopp, der als TV-Experte für MagentaTV arbeitet, kritisierte die Entwicklung mit dem Satz: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel."
Belgische Reaktion nach dem 4:1-Sieg
Trotz Baloguns Teilnahme verlor die US-Mannschaft das Achtelfinale gegen Belgien deutlich mit 1:4. Die Statistik zeigt, dass der Stürmer die Niederlage nicht abwenden konnte. Der belgische Fußballverband veröffentlichte nach dem Spiel auf der Plattform X ein Bild von Romelu Lukaku mit der Geste, die Hand ans Ohr zu halten, und der Bildunterschrift: „Macht das mal rückgängig." Damit spielte der Verband ironisch auf die umstrittene Aufhebung der Sperre an.
Trumps Worte deuteten auf eine persönliche Intervention Infantinos in der Entscheidung hin, obwohl die offizielle FIFA-Linie die Unabhängigkeit der Disziplinarkommission betont. Intransparenz prägt die Kommunikation in dem Fall: Weder veröffentlichte die FIFA die konkrete Begründung für die Aufhebung der Sperre, noch erläuterte sie, in welcher Form der Trumpsche Anruf in das Verfahren einfloss.
Weitere Kontroversen rund um das Turnier
Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf die Schnittstellen zwischen Sport, Politik und Wirtschaft. Andrew Giuliani, Leiter der FIFA-WM-Taskforce des Weißen Hauses, hatte zuvor die Möglichkeit einer US-Bewerbung um die WM 2038 mit 64 Teams ins Spiel gebracht. Infantino hat eine kurzfristige Erweiterung des Turniers von derzeit 48 auf 64 Teams nicht ausgeschlossen. Trump sagte Infantino zudem, er verstehe, dass dieser die nächste WM „noch größer" machen werde.
Die Berichterstattung über das Turnier in den USA fügt sich in eine Reihe von Kontroversen ein. So verweigerte die US-Einwanderungsbehörde dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan, 34, dem Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025, die Einreise, obwohl er ein gültiges Visum besaß. Begründet wurde dies mit Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation in Somalia. Die UEFA hatte Artan zuvor für das UEFA-Supercup-Finale zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa am 12. August in Salzburg nominiert.
Ein weiterer Vorfall betrifft den salvadorianischen Schiedsrichter Iván Barton, der im Gruppenspiel zwischen Paraguay und der Türkei Miguel Almirón nach einer Videobewertung des Feldes verwies. Es war die erste Rote Karte in der WM-Geschichte, die ein Spieler wegen des Verdeckens des Mundes während eines Disputs erhielt. Barton gab die Entscheidung über das Stadionmikrofon bekannt: „After Review. Number 10. Paraguay. Covered his mouth. Decision is: Red Card!"
Die WM-Regel, die Spieler bestraft, die den Mund verdecken, um ihre Worte zu verbergen, wurde kurz vor dem Turnier eingeführt, um rassistischen Beleidigungen gegenüber Gegenspielern entgegenzuwirken. Auch die erstmals offiziell eingeführten dreiminütigen Trinkpausen pro Halbzeit sorgten für Diskussionen. Während einige Trainer wie Algeriens Vladimir Petkovic („Es ist wie ein kleiner Timeout und es macht es leichter, den Spielern Anweisungen zu geben"), Österreichs Ralf Rangnick und Belgiens Rudi Garcia die Pausen begrüßten, kritisierte Uruguays damaliger Trainer Marcelo Bielsa sie als kulturelle Verzerrung des Fußballs. Bei den Fans wurden die Pausen überwiegend ausgepfiffen.
Ausblick: WM 2038 und die Rolle der USA
Die Affäre Balogun reiht sich ein in eine ohnehin angespannte Turnierphase, in der auch die argentinische Mannschaft mit ihrem Kapitän Lionel Messi das Finale erreichte. Ägyptens Trainer Hossam Hassan hatte das Achtelfinalspiel Argentinien-Ägypten (3:2 nach 0:2-Rückstand) gar als „ganz klar manipuliert" bezeichnet, verbunden mit dem Verdacht, man habe den Titelverteidiger und Messi im Wettbewerb halten wollen. Infantino hatte Trump zudem bereits beim WM-Los die umstrittene FIFA-Friedenspreis-Plakette überreicht, was die Verstrickungen zwischen Verband und US-Politik weiter verdeutlicht.
Fragen & Antworten
Wer ist Folarin Balogun und warum war er gesperrt?
Folarin Balogun ist Stürmer der US-Nationalmannschaft. Er erhielt im Achtelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte und war automatisch für das folgende Spiel gegen Belgien gesperrt.
Warum wurde die Sperre Baloguns aufgehoben?
Die FIFA-Disziplinarkommission hob die Sperre überraschend auf, nachdem US-Präsident Donald Trump laut eigener Aussage FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen und eine Empfehlung ausgesprochen hatte.
Wie reagierte die internationale Fußballwelt auf den Vorgang?
Die Entscheidung löste weltweit Empörung aus, besonders in Europa, und wurde als unangemessene politische Einmischung in den Sport kritisiert. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter sprach von einer Unterwerfung unter Trump.