Serena Williams hat bei ihrem mit Spannung erwarteten Comeback im Einzel von Wimbledon die erste Runde verloren und ist nach 2:22 Stunden gegen die 20-jährige Australierin Maya Joint mit 3:6, 7:6 (8:6), 3:6 ausgeschieden.

Comeback nach vier Jahren

Die 44-jährige US-Amerikanerin, die das letzte Einzel-Match in Wimbledon vor vier Jahren bestritten hatte, war mit einer Wildcard in das Turnier gestartet und betrat den Centre Court unter großem Applaus. Ihre Schwester Venus Williams filmte den Moment mit dem Handy. Begleitet wurde sie im Spielerkarussell von ihrem Ehemann Alexis Ohanian und den beiden Töchtern Alexis Olympia und Adira.

Williams lag nach dem ersten Satz mit 3:6 zurück, kämpfte sich aber im Tiebreak des zweiten Durchgangs zurück und wehrte einen Matchball ab, ehe sie den Satz im Tiebreak mit 8:6 für sich entschied. Im entscheidenden dritten Satz hatte die deutlich jüngere Maya Joint, die auf Weltranglistenplatz 87 geführt wird, jedoch die besseren Beine und sicherte sich nach 2 Stunden und 22 Minuten Spielzeit den Erfolg.

Nach der Niederlage verließ Williams den Platz mit einer winkenden Geste an die Zuschauer. „Ich denke, zum ersten Mal in meiner Karriere sind meine Erwartungen definitiv anders“, hatte sie vor der Partie gesagt. Zudem erklärte sie, sie wolle es genießen.

Gegnerin und Reaktionen

Die siebenfache Wimbledon-Siegerin hatte ihre Karriere nach den US Open 2022 beendet, unter anderem um ihre zweite Tochter zu bekommen und ihre Investmentfirma Serena Ventures zu führen. Vor ihrem Rücktritt war sie auf der Jagd nach ihrem 24. Grand-Slam-Titel gewesen, um den Rekord der Australierin Margaret Court einzuholen.

Die Australierin Maya Joint, die kein WTA-Match seit Mitte Januar mehr gewonnen hatte, stand nach dem Match staunend auf dem Court. „Sie hat so eine Aura, sie ist so eine Legende“, sagte Joint über ihre Gegnerin und fügte hinzu: „Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Wow. Ich weiß nicht, was gerade passiert ist“.

Schon vor dem Turnier hatte der Wimbledon-Champion Michael Stich die Rückkehr Williams kritisiert. Auf dem Streamingdienst Prime sagte er, sie hätte „nicht den Hauch einer Chance, Wimbledon zu gewinnen“. Williams selbst hatte betont, sie habe nichts mehr zu beweisen.

Weg zurück auf den Court

Bereits vor Wimbledon hatte Williams im Doppel erste Auftritte absolviert: Anfang Juni gewann sie an der Seite der Kanadierin Victoria Mboko beim Queen's Club in London ihr erstes Doppelmatch. Eine Knieverletzung Mbokos beendete diese Partnerschaft. In Berlin schied Williams an der Seite der Tschechin Karolina Muchova in der ersten Runde aus.

Die Wimbledon-Veranstalter hatten Williams eine Wildcard für das Hauptfeld erteilt. Im Doppel wird sie gemeinsam mit ihrer Schwester Venus Williams, die 46 Jahre alt ist, antreten. Die genaue Paarung und der erste Gegner standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Weitere Ergebnisse des ersten Tages

Parallel zum Geschehen um Williams verloren überraschend auch andere Gesetzte in der ersten Runde: Die an Position fünf gesetzte US-Amerikanerin Ben Shelton unterlag dem 25-jährigen Finnen Otto Virtanen, der über die Qualifikation ins Hauptfeld gekommen war, mit 4:6, 6:3, 7:6 (10:8), 2:6, 6:7 (9:11) nach 4:21 Stunden. Die Titelverteidigerin Iga Świątek, sechsmalige Grand-Slam-Siegerin, bezwang Taylor Townsend trotz neun Doppelfehlern mit 6:1, 2:6, 6:3 und weinte anschließend auf dem Court.

Die an Nummer zwei gesetzte Elena Rybakina aus Kasachstan setzte sich gegen die Französin Lois Boisson mit 6:4, 1:6, 6:3 durch. Bei den Herren ist Sebastian Ofner nach dem Aus von Sinja Kraus, die in ihrem Wimbledon-Debit gegen Oksana Selekhmeteva 1:6, 5:7 verlor, der letzte verbliebene österreichische Einzelspieler und trifft am Mittwoch auf Hubert Hurkacz aus Polen.