Der SC Paderborn hat sich im Relegations-Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg mit 2:1 nach Verlängerung durchgesetzt und steigt zum dritten Mal in die Bundesliga auf.

Bereits das Hinspiel eine Woche zuvor in Wolfsburg war mit einem 0:0 zu Ende gegangen. Paderborns kompakte Defensive um Calvin Brackelmann, Tjark Scheller und Mattes Hansen neutralisierte die Wolfsburger Stürmer Adam Daghim und Dzenan Pejcinovic weitgehend. Torhüter Dennis Seimen, vom VfB Stuttgart ausgeliehen, rettete in der 32. Minute im Eins-gegen-Eins gegen Daghim und kurz vor der Pause gegen einen abgefälschten Schuss von Christian Eriksen. Filip Bilbija hatte in der 9. und 84. Minute die besten Chancen für die Gäste, ein Tor fiel jedoch nicht.

Hinspiel endet torlos

Wolfsburg, das in der abgelaufenen Saison mit einem prominent besetzten Kader um Christian Eriksen angetreten war, musste sich gegen den Zweitligisten schwerer tun als erwartet. Paderborns Coach Ralf Kettemann gab nach dem Hinspiel die Marschroute vor: „Unser Ziel war, dass wir nach Paderborn fahren und da einfach eine realistische Chance haben, das Ding zu drehen oder zu Ende zu bringen. Und das ist jetzt so. Von daher sind wir happy.“ Der 39-Jährige forderte seine Spieler auf, „runterzufahren“, um für das Rückspiel frisch zu sein.

Paderborn hatte in der abgelaufenen Zweitliga-Saison eine wechselhafte Rückrunde hingelegt – einem 4:3 gegen Magdeburg folgten ein 2:3 gegen Schalke und ein 1:5 in Elversberg. Im Relegations-Hinspiel stand die Mannschaft jedoch sicher und ließ den Favoriten kaum zur Entfaltung kommen. Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking lobte den Gegner: „Paderborn hat es gut verteidigt. Sie haben uns nicht die Räume gegeben wie in den letzten Spielen der 2. Liga.“ Den Gästen fehlte Mittelfeldspieler Mika Baur aufgrund einer Gelbsperre, für das Rückspiel war er wieder spielberechtigt.

Rückspiel und früher Platzverweis

Paderborn ging als leichter Außenseiter in das Rückspiel, doch die Ausgangslage war offen. Der VfL Wolfsburg stand nach 29 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit erstmals seit 1997 wieder vor einem möglichen Abstieg, während die direkten Aufsteiger FC Schalke 04 und SV Elversberg sowie die bereits abgestiegenen 1. FC Heidenheim und FC St. Pauli schon feststanden.

Das Rückspiel begann mit einem Schock für die Gastgeber: Dzenan Pejcinovic brachte Wolfsburg bereits in der 3. Minute in Führung. Doch nur elf Minuten später schwächten sich die Gäste selbst – Joakim Maehle sah nach einem zweiten gelbwürdigen Foul die Gelb-Rote Karte, Wolfsburg musste die restliche Spielzeit in Unterzahl bestreiten.

Paderborn nutzte die numerische Überlegenheit zunehmend. Mika Baur prüfte in der 17. Minute aus der Distanz, und kurz vor der Pause gelang Filip Bilbija der Ausgleich (38.). Nach dem Seitenwechsel drängte der SCP auf den Siegtreffer: Stefano Marino köpfte aus drei Metern über das Tor, Sebastian Klaas traf den Innenpfosten (61.), und in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit traf Sven Michel mit einem Kopfball den Pfosten (90.+2). Weil weitere Treffer ausblieben, ging das Spiel in die Verlängerung.

Curda entscheidet in der Verlängerung

In der Verlängerung belohnte sich Paderborn für den enormen Aufwand. Nach einer Flanke von Sven Michel nahm Laurin Curda den Ball in der 100. Minute volley und erzielte das 2:1. Wolfsburg, durch den Platzverweis und die intensiven 90 Minuten geschwächt, konnte nicht mehr antworten. Der Treffer besiegelte den Aufstieg und stürzte den VfL in die Zweitklassigkeit.

Ralf Kettemann zeigte sich nach dem Spiel überglücklich: „Ein, zwei mutigere Momente mit Ball, plus unser Publikum – dann ist alles möglich.“ Die positive Energie des Abends beschrieb er so: „Am Ende ist es so: Den Jungs geht es gerade gut. Die wissen, was sie hier geleistet haben. Das ist eine positive Energie. Von daher lassen wir es einfach laufen.“

Stimmen und Konsequenzen

Torhüter Dennis Seimen, der schon im Hinspiel überzeugt hatte, sagte nach dem Aufstieg: „Gut. Wir haben jetzt ein Heimspiel mit unseren Fans, die uns tragen werden. Wir werden alles auf dem Platz lassen.“ Zu seiner eigenen Leistung erklärte er nüchtern: „Das ist ja mein Job. Es ist klar, dass man nicht alles wegverteidigen kann gegen so eine gute Bundesligamannschaft. Und ja: Dann war ich da, wenn ich gebraucht war.“

Dieter Hecking, bereits der dritte Cheftrainer der Wolfsburger in dieser Saison, haderte mit der Chancenverwertung und der frühen Unterzahl. Der Verein hatte den Kader für höhere Ziele zusammengestellt und muss nun den Gang in die 2. Liga antreten. Laut kicker besitzen alle Spieler zwar gültige Verträge für die zweite Liga, ihre Bezüge würden sich jedoch verringern.

Für den SC Paderborn ist es nach 2014 und 2019 der dritte Bundesliga-Aufstieg. Der Verein hatte sechs Jahre in der 2. Bundesliga verbracht und kehrt nun mit einem jungen Team und einem 39-jährigen Trainer auf die große Bühne zurück. Paderborns Fans feierten die Mannschaft noch lange nach dem Abpfiff – ein Traum, der sich an diesem Pfingstmontag erfüllte.