Mark Pieth hat die europäischen Fußballverbände aufgefordert, sich gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino zur Wehr zu setzen und notfalls kartellrechtlich gegen die FIFA vorzugehen.

Im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" skizzierte Pieth mehrere Wege, wie der vor allem in Europa kritisierte FIFA-Präsident aus dem Amt gedrängt werden könnte. "Die FIFA ist ein institutioneller Verein; jedes Vereinsmitglied kann wählen, absetzen oder sogar jemanden vor Gericht zitieren. Diese Möglichkeit hat jedes FIFA-Mitglied", sagte Pieth. Seiner Einschätzung nach verfügen die nationalen Verbände damit über wirksame Instrumente, die bislang jedoch nicht genutzt würden.

Pieth, der zwischen 2011 und 2013 die unabhängige Governance-Kommission der FIFA leitete, die den Weltverband demokratisieren sollte, zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der Organisation. "Im Grunde hat er das System Blatter perfektioniert: mehr noch als Blatter geht es Infantino um Macht und um Geld", sagte er. Niemand würde Infantino angreifen, weil dieser als "unantastbar" gelten würde. Ein anderer Satz aus dem Gespräch bringt den Vorwurf auf eine kurze Formel: "Er denkt, über ihm ist nur noch Gott."