Nach Norwegens erstem Einzug ins WM-Viertelfinale der Geschichte feiern 5,5 Millionen Menschen im ganzen Land mit einem Ruder-Ritual, das von Parlament und Kindergärten bis zum New Yorker Times Square reicht.
Rudern als Massenphänomen
Es ist ein Bild, das es so in Norwegen noch nie gegeben hat: Im Frogner-Stadion in Oslo, im Storting, in Kindergärten und Altenheimen, auf dem Times Square in New York und vor dem Osloer Schloss stehen Menschen Spalier und "rudern" – auf dem Trockenen, mit ausgestreckten Armen, im Rhythmus eines Schlachtrufs, der in den vergangenen Wochen zum Soundtrack des Landes geworden ist. "Ro! Ro! Ro!" skandieren die Anhänger der norwegischen Nationalmannschaft, die am vergangenen Sonntag mit einem Sieg gegen Brasilien erstmals in der Geschichte ins Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft eingezogen ist. "So etwas haben wir hier noch nie erlebt", sagte Kim Frydenberg, der Leiter der Live-Übertragung im Frogner-Stadion, dem norwegischen Sender NRK.
Hintergrund: Vom Achtelfinal-Sieg zur Viertelfinal-Euphorie
Die Begeisterung ist enorm und greift tief in den Alltag ein. Wo es noch Schals und Flaggen in den Nationalfarben gibt, stehen Norwegerinnen und Norweger laut NRK teils stundenlang an. Trikots der Nationalmannschaft waren schon vor der WM ausverkauft und sind auch weiterhin ein seltener Fund. Die 22.000 Tickets für die Live-Übertragung des Viertelfinals im Frogner-Stadion waren in weniger als 30 Sekunden vergriffen. Der Osloer Nahverkehr kündigte an, nach dem Spiel Dutzende zusätzliche Busse einzusetzen. Ein Sprecher des Verkehrsbetriebs erklärte dazu: "Die wenigsten von uns können schließlich nach Hause rudern", und bezog sich auf das Jubelritual der Norweger.
