Marokko 3:0 Kanada: Erster Viertelfinal-Einzug der WM 2026 | sportnachrichten
Marokko zieht als erste Mannschaft ins WM-Viertelfinale ein und schlägt Co-Gastgeber Kanada 3:0
Houston, 5. Juli 2026
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Kurzfassung
Marokko hat mit einem 3:0-Sieg über Co-Gastgeber Kanada als erste Mannschaft das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 erreicht. Azzedine Ounahi traf doppelt, Soufiane Rahimi sorgte in der Nachspielzeit für den Endstand. Kanada scheidet dagegen als erster Gastgeber aus dem Turnier aus.
Marokko hat am Samstag in Houston Co-Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) besiegt und als erste Mannschaft das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 erreicht.
Bereits am Samstagabend stand das erste Viertelfinal-Ticket der WM 2026 fest: Marokko rang den Co-Gastgeber Kanada in einer lange engen und intensiven Partie mit 3:0 nieder. Vor 68.777 Zuschauern in Houston entschieden Tore von Azzedine Ounahi (50., 82.) und Soufiane Rahimi (90.+8) eine Begegnung, die bis weit in die zweite Hälfte hinein offen schien.
Erste Hälfte ohne Torchancen, aber voller Karten
Schiedsrichter Michael Oliver aus England leitete die Partie, die das 90. Spiel des Turniers war. Allein in der ersten Halbzeit verteilte der Referee sechs Gelbe Karten – so viele wie in einer Halbzeit seit dem Achtelfinal-Duell zwischen Brasilien und Ghana bei der WM 2006 nicht mehr. Insgesamt zückte Oliver acht Gelbe Karten, die höchste Zahl im bisherigen Turnierverlauf.
Saibari-Verletzung überschattet Marokkos Start
Die erste Hälfte bot fußballerisch wenig Höhepunkte. Beide Teams brachten in Summe nur drei Torschüsse in 45 Minuten zustande, Kanada davon drei – die wenigsten, die ein Team in einer Halbzeit bei dieser WM abgab. Die einzige nennenswerte marokkanische Offensivaktion vor der Pause war ein Distanzschuss des eingewechselten Soufiane Rahimi in der 28. Minute.
Auf kanadischer Seite vergab Tani Oluwaseyi in der 10. Minute die größte Chance des Spiels, als er nach einem Ballverlust im Mittelfeld und einer Drehung an Verteidiger Redouane Halhal vorbei frei vor dem marokkanischen Tor auftauchte, den Ball aber nicht an Yassine Bounou vorbeibrachte. Bereits in der 5. Minute hatte Bounou innerhalb von Sekunden gegen Stephen Eustaquio und Jonathan David parieren müssen.
Für Marokko verlief die Anfangsphase turbulent. In der 22. Minute musste Stürmerstar Ismael Saibari nach einem Zweikampf mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz. Der 25-Jährige, der mit drei Turniertoren der beste marokkanische Schütze war, wurde durch Soufiane Rahimi ersetzt. Ob Saibari im Viertelfinale wieder spielen kann, blieb zunächst offen. Sein Wechsel von der PSV Eindhoven zum FC Bayern München war erst am Mittwoch für eine Ablöse von mindestens 50 Millionen Euro bekannt gegeben worden; Sportvorstand Max Eberl hatte ihn als "einen der spannendsten Offensivspieler dieser WM" bezeichnet.
Doppelpack von Ounahi nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. In der 50. Minute legte Kapitän Achraf Hakimi einen Freistoß flach an die Strafraumgrenze zurück, wo Ounahi direkt abzog und den Ball gekonnt in die nahe Ecke schlenzte – 1:0 für Marokko. Achraf Hakimi, der bereits das gesamte Turnier über stark aufgetreten war, lieferte damit die Vorlage zum entscheidenden Momentumwechsel.
Kanada suchte in der Folge vehement den Ausgleich, ließ dabei aber die nötige Durchschlagskraft vermissen. Jonathan David setzte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position in der 78. Minute über das Tor. Eine Minute später scheiterte Tajon Buchanan mit einem Distanzschuss an Bounou. In der 79. und 80. Minute brachte Kanadas Trainer Jesse Marsch mit Promise David und Jacob Shaffelburg zwei offensive Einwechselspieler, auch Kapitän Alphonso Davies stand nach seinem Jokereinsatz im Achtelfinale gegen Südafrika diesmal zunächst nicht in der Startelf.
Kanada sucht, findet aber kein Mittel
Statt des erhofften Anschlusstreffers entschied Marokko die Partie mit einem Konter. In der 82. Minute bediente Brahim Diaz, der zuletzt als Offensivmann von Real Madrid bzw. Girona geführt wird, Ounahi im Strafraum, der zum 2:0 einschob. Wenig später traf Rahimi per Kopf die Latte.
Erst in der achten Minute der Nachspielzeit fiel die endgültige Entscheidung. Kanadas Torhüter Maxime Crepeau war im gegnerischen Strafraum mit aufgerückt und kollidierte dort mit Bounou. Im Gegenzug erhöhte Rahimi nach Vorlage von Brahim Diaz auf 3:0 – es war sein erster Ballkontakt im Strafraum nach einer langen Phase des Wartens.
Aus für Kanada als erster Co-Gastgeber
Marokko, das 2022 in Katar als erstes afrikanisches Team überhaupt ein WM-Halbfinale erreicht und dort gegen Frankreich 0:2 verloren hatte, steht nun zum zweiten Mal nach 2022 im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft. Schon vor der Partie hatte Trainer Mohamed Ouahbi, der erst seit März im Amt ist, auf den Ausfall von Innenverteidiger Chadi Riad wegen einer Knieverletzung reagieren und Redouane Halhal bringen müssen. Ouahbi war in Brüssel geboren, hatte in Belgien beim RSC Anderlecht seine Trainerkarriere begonnen und vertritt einen Stab, der mit dem Afrika-Cup-Titel, dem Gruppensieg gegen Rekordweltmeister Brasilien (1:1) und Pflichtsiegen gegen Schottland (1:0) und Haiti (4:2) in das Turnier gestartet war.
Kanada verabschiedet sich nach dem Achtelfinal-Aus dagegen als erste Co-Gastgebernation aus dem Turnier. Erst im Achtelfinale hatte das Team von Jesse Marsch durch ein spätes Tor gegen Südafrika 1:0 gewonnen und damit seine ersten WM-Punkte überhaupt geholt. Marsch, der Kanadas Hymne textsicher mitgrölt und das Spiel seines Teams dennoch nicht kleinreden wollte, sagte nach der Niederlage: „Wir waren das bessere Team. Klar, sie hatten ein paar mehr Chancen als wir. Sie haben ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel und uns hat es da gefehlt.“ Gleichzeitig zeigte er sich stolz auf die Leistung seiner Mannschaft: „ich könne nicht stolzer sein“.
Viertelfinale in Boston: Frankreich oder Paraguay wartet
Marokkos Trainer Ouahbi sprach offen über den Charakter des Spiels: „Wir haben gelitten. Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt, weiß man von Anfang an, dass es schwierige Momente geben wird.“ Den Kanadiern hätten im Anschluss die Mittel gefehlt, resümierte der Coach nach dem Schlusspfiff.
Für die Marokkaner geht es am 9. Juli in Boston mit dem Viertelfinale weiter. Der Gegner wird im parallelen Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay am Samstag um 23:00 Uhr (MESZ) in Philadelphia ermittelt, das bei Temperaturen um 40 Grad Celsius stattfindet und live auf MagentaTV übertragen wird. Frankreich muss dabei auf Aurélien Tchouaméni verzichten, der sich im Abschlusstraining eine Oberschenkelverletzung zuzog. Frankreichs Trainer Didier Deschamps kündigte an, dass der medizinische Stab verschiedene Maßnahmen gegen die Hitze getroffen habe, ohne Details zu nennen. Bei einem Sieg der Franzosen wäre es für Marokko die Gelegenheit zur Revanche für das 0:2 im Halbfinale 2022.
Parallel zum kanadischen Ausscheiden traf Argentinien um Lionel Messi in einer anderen Achtelfinal-Partie auf Kap Verde und gewann 3:2 nach Verlängerung, während Kolumbien Ghana mit 1:0 besiegte und am Dienstag in Vancouver auf die Schweiz trifft. Mexiko empfängt am Sonntag (Ortszeit 18:00 Uhr) im Aztekenstadion England. Ein anderes Thema außerhalb des Platzes war derweil die Rückgabe von Luxusuhren durch Mexikos Mannschaft an den US-YouTuber Stephen „Steve Will Do it" Deleonardis, dessen Uhren laut Excelsior einen Gesamtwert von mehr als einer Million US-Dollar hatten.
Das Ausscheiden Kanadas markiert das Ende einer Premierenreise: Die Kanadier hatten erstmals seit Jahren überhaupt wieder eine WM-Endrunde erreicht, ihre ersten WM-Punkte gewonnen und im Achtelfinale gegen Südafrika für Begeisterung im Land gesorgt. Auf dem Weg dahin hatte Jesse Marsch nach eigenen Worten rund zehn Tage zuvor eine Nachricht von Basketball-Legende Steve Nash erhalten, in der es um die „Balance zwischen Anspannung und Unbekümmertheit" ging.
Mit Blick auf den weiteren Turnierverlauf dürfte Marokko unterdessen nicht nur sportlich, sondern auch personell bangen. Der Ausfall von Saibari, der bei der WM die Trikotnummer 11 trägt und künftig beim FC Bayern die Nummer 34 erhalten soll, könnte sich als herber Verlust für das Viertelfinale erweisen. Sollte er ausfallen, müsste Ouahbi erneut auf die Breite seines Kaders vertrauen – 20 der 26 nominierten Spieler sind außerhalb Marokkos geboren und aufgewachsen, 19 davon in Europa.
Fragen & Antworten
Wer hat die Tore für Marokko gegen Kanada geschossen?
Azzedine Ounahi traf für Marokko in der 50. und 82. Minute, Soufiane Rahimi erzielte das 3:0 in der achten Minute der Nachspielzeit (90.+8). Vorlage zum zweiten Tor gab Brahim Diaz, zum dritten Tor ebenfalls Diaz.
Wer ist der Trainer der marokkanischen Mannschaft?
Marokko wird seit März 2026 von Mohamed Ouahbi trainiert, der in Brüssel geboren wurde und seine Trainerkarriere beim RSC Anderlecht in Belgien begann. Er vertritt den früheren Coach Walid Regragui, der in Frankreich geboren wurde.
Gegen wen spielt Marokko im Viertelfinale?
Marokko trifft am 9. Juli in Boston im Viertelfinale auf den Sieger der Achtelfinalpartie zwischen Frankreich und Paraguay, die am Samstag um 23:00 Uhr MESZ in Philadelphia ausgetragen wird. Bei einem Duell mit Frankreich wäre es eine Neuauflage des Halbfinales von 2022, das Marokko 0:2 verlor.