Leclerc siegt in Silverstone: Ferrari feiert 250. F1-Sieg | sportnachrichten
Leclerc feiert ersten Silverstone-Sieg für Ferrari und löst historischen Jubiläumserfolg aus
Silverstone, 5. Juli 2026
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Kurzfassung
Charles Leclerc hat den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone gewonnen und damit den 250. Formel-1-Rennsieg für Ferrari eingefahren. George Russell wurde Zweiter vor seinem Ferrari-Teamkollegen Lewis Hamilton, der eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe für einen Fehlstart kassierte.
Charles Leclerc hat am Sonntag den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone gewonnen und damit den ersten Saisonsieg sowie den 250. Formel-1-Erfolg der Scuderia Ferrari gefeiert.
Der Monegasse startete von Platz zwei, nutzte einen missglückten Start des polesitzenden Kimi Antonelli und übernahm noch vor der ersten Kurve die Führung. George Russell im Mercedes komplettierte das Podium auf Platz zwei, der Brite Lewis Hamilton im zweiten Ferrari wurde mit einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe für einen Fehlstart Dritter. Das Rennen endete hinter dem Safety Car, nachdem Max Verstappen vier Runden vor dem Ziel im Kiesbett von Kurve 15 strandete.
Für Leclerc war es der erste Grand-Prix-Sieg seit dem US-Rennen in Austin im Oktober 2024, mithin der erste Triumph nach 623 Tagen. Insgesamt war es sein neunter Karriereerfolg in der Formel 1 und sein erstes Silverstone-Podium. Über den Boxenfunk feierte der Ferrari-Pilot seinen Erfolg mit den Worten «Let's go, let's go!». Später sagte er: «Ich habe mich im Lauf des Wochenendes immer wohler im Auto gefühlt und heute war es endgültig wieder da. Ich bin einfach glücklich.»
Vom zweiten Startplatz zum historischen Triumph
Der Große Preis von Großbritannien stand ganz im Zeichen des Duells zwischen dem 19-jährigen WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli und den beiden Ferrari-Piloten. Antonelli hatte das Wochenende dominiert, das Sprintrennen am Samstag gewonnen und die Pole Position geholt. Beim Start jedoch verlor er sofort zwei Plätze: Leclerc schoss an ihm vorbei, dahinter sortierte sich Hamilton ein. «Antonelli botched the start, allowing both Ferraris to pass him», hieß es in der Analyse von Sky Sports F1.
Antonelli kämpfte sich zurück und überholte Hamilton in der elften Runde in der schnellen Copse-Kurve, nachdem Leclerc bereits einen Vorsprung von mehr als vier Sekunden herausgefahren hatte. In der Folge steuerte der Italiener seinen Mercedes einer starken Aufholjagd entgegen, ehe ein technischer Defekt zehn Runden vor dem Ziel seine Hoffnungen zunichtemachte. Über den Boxenfunk meldete er: «Die Aufhängung ist gebrochen.»
Antonellis Aufholjagd endet im Desaster
Der Defekt zwang Antonelli zu zwei zusätzlichen Boxenstopps, bei denen auch ein neuer Frontflügel montiert wurde. Am Ende wurde er mit einer zusätzlichen Fünf-Sekunden-Strafe wegen wiederholten Überfahrens der Streckengrenzen auf Rang 16 gewertet und ging ohne Punkte vom Kurs. Damit vergrößerte sich sein Vorsprung in der Fahrerwertung auf 25 Punkte vor George Russell und 32 Punkte vor Lewis Hamilton, während Leclerc als Vierter 71 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter hat.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach von einem Déjà-vu-Erlebnis und verwies auf die technischen Ausfälle von Russell in Kanada und Antonelli in Barcelona, die beide aus führender Position passiert waren. Zu ORF sagte Wolff: «Es war der dritte Ausfall, ohne den wir ein Rennen hätten gewinnen können. So kannst du nicht um die WM fahren, wenn du 75 Punkte so leichtfertig liegen lässt.» Er kündigte an, dass das Team die Strafe gegen Antonelli anfechten wolle.
Mercedes hadert mit dem dritten Defekt
Wolff zeigte zugleich Mitgefühl mit seinem Schützling: «Das Bittere ist, dass der Kimi mit so großen Schritten auf Leclerc zugegangen ist, dass er ihn vermutlich sechs Runden vor Schluss erwischt hätte, dann hätten wir wahrscheinlich großes Racing gesehen. Das ist natürlich Pech, mir tut es für den Kimi leid.» Auch der stellvertretende Teamchef Bradley Lord hatte vor dem Rennen im ORF betont: «Aber so einfach wird's nicht» – ein Hinweis auf die erwartete Ferrari-Stärke, die sich bestätigte.
Lewis Hamilton kämpfte am Sonntag mit einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, die er beim Boxenstopp in der 24. Runde absaß. Sein Ferrari hatte sich vor dem Start bewegt, bevor das fünfte rote Licht erloschen war. Trotz der Behinderung hielt der Brite Rang drei, ehe Russell ihn unter dem Safety Car überholte, nachdem Hamilton frische Reifen geholt hatte und Russell auf der Strecke geblieben war. Hamilton gratulierte seinem Teamkollegen und sagte: «Ich habe einen Fehlstart gehabt und Charles hat die bessere Pace gehabt.» Auf die Frage, ob es in dieser Saison einen Titelkampf gegen Mercedes geben werde, antwortete der Rekordsieger von Silverstone knapp: «Das weiß ich nicht.»
Hamilton kämpft mit Fehlstart und Strafe
Russell sprach von einem schwierigen Wochenende, das am Ende noch versöhnlich endete: «Es war ein schwieriges Wochenende, aber ich habe geliefert. Ferrari war sehr schnell.» Der 27-Jährige durfte sich über sein erstes Silverstone-Podium vor heimischem Publikum freuen, auch wenn er im Qualifying noch Geschwindigkeitsprobleme auf den Geraden beklagt hatte. Durch die Safety-Car-Phase konnte Russell den Rückstand auf Antonelli in der Gesamtwertung auf 25 Punkte verkürzen, während Hamilton auf Rang drei 32 Punkte Rückstand aufweist.
Max Verstappen erlebte einen weiteren Rückschlag in einer schwierigen Phase bei Red Bull. Der Niederländer war von Platz sieben gestartet, hatte zwischenzeitlich Russell überholt und lag vier Runden vor dem Ziel auf Rang drei, als er in der schnellen Sektion um Kurve 15 in den Kies rutschte. Über den Boxenfunk schimpfte er: «Dieses Auto, unglaublich». Später sagte er: «Ehrlich, ich hasse diesen Wagen.» Bereits zuvor hatte er sein Auto als «peinlich, schlecht» beschrieben und in einem niederländischen Fernsehinterview gemeint: «Ich bin ja nicht abergläubisch, aber ich komme mir vor, als hätte ich eine schwarze Katze überfahren.»
Verstappen fliegt in den Kies
Verstappen erklärte zudem, dass der hintere Flügel nicht vollständig geschlossen gewesen sei, was Downforce gekostet und das Auto gefährlich gemacht habe. Das gleiche Problem sei bereits im Qualifying in Österreich aufgetreten. In Spielberg hatte er eine Woche zuvor noch Rang zwei belegt. Beim Sprint in Silverstone war er Sechster geworden und hatte im Qualifying den siebten Startplatz erreicht. Seinen Auslöser für den Verzicht auf einen Rennverzicht begründete er nicht weiter, als er vor dem Rennen sagte, er habe überlegt, ob ein Start überhaupt Sinn mache – er entschied sich dennoch, anzutreten.
Nico Hülkenberg, der einzige deutsche Pilot im Feld, schied im Audi in der 38. Runde mit einem technischen Defekt vorzeitig aus. Er bleibt damit in der laufenden Saison weiter ohne Punkte und holte sein erstes Formel-1-Podium seiner Karriere vor einem Jahr in Silverstone, als er für Sauber überraschend Dritter wurde. Sein Audi-Teamkollege Gabriel Bortoleto kam auf Rang acht und sicherte Audi damit vier Meisterschaftspunkte. Bortoleto hatte bereits beim Saisonauftakt in Australien als Neunter gepunktet.
Hülkenberg und das deutsche Einzelschicksal
Das Rennergebnis wäre beinahe ein Ferrari-Doppelsieg in Silverstone geworden, der erste seit 2002, doch die Safety-Car-Strategie der Scuderia und der damit verbundene Reifenwechsel brachte Hamilton den Platz im Windschatten von Russell. Verstappen hatte das Rennen über weite Strecken dominiert, ehe sein Unfall in der 48. Runde die Neutralisierung auslöste. Das Safety Car führte das Feld bis ins Ziel über die 52 Runden, ein Restart fand nicht mehr statt. Auch ein gelber Sonnenschirm, der in der 22. Runde eine kurze Virtual Safety Car-Phase auslöste, hatte das Renngeschehen nicht nennenswert beeinflusst.
Das Wochenende an der englischen Traditionsstrecke brach sämtliche Zuschauerrekorde. Insgesamt 564 000 Besucherinnen und Besucher wurden über die drei Tage gezählt, darunter auch die Fußballer Phil Foden und Jack Grealish, der Schauspieler Hugh Grant und der Queen-Gitarrist Brian May. Am Renntag selbst waren 175 000 Zuschauerinnen und Zuschauer an der Strecke. Vor dem Rennen waren die Formel-1-Piloten in Lego-Autos aus 28 000 Bausteinen über die Start-Ziel-Linie gefahren. Nach Silverstone stehen in der Sommerpause der Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps am 19. Juli und das Rennen in Ungarn am 26. Juli auf dem Programm.
Rekordkulisse und Rahmenprogramm
Hintergrund: Die für Saudi-Arabien und Bahrain abgesagten Rennen sollen laut Sky Sports F1 möglicherweise am ersten Oktober-Wochenende zwischen Aserbaidschan und Singapur nachgeholt werden, Bahrain gilt als Favorit für die Verlegung. Eine endgültige Entscheidung wird noch vor der Sommerpause erwartet. Sollten die für den 29. November in Katar und den 6. Dezember in Abu Dhabi geplanten Saisonfinale wegen der Lage im Nahen Osten nicht stattfinden können, könnte Portimao in Portugal als Ausweichort einspringen. F1-CEO Stefano Domenicali sagte dazu: «Wenn sich eine Chance bietet, warum nicht?»
Ausblick: Sommerpause und verschobene Rennen
Neben den sportlichen Schlagzeilen fiel der Blick auch auf den früheren Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der fast auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Entlassung erstmals wieder in der Silverstone-Paddock erschien. Horner war nach 20 Jahren an der Spitze des Teams entlassen worden, drei Tage nach dem britischen Grand Prix des Vorjahres. Er erklärte, er habe Silverstone seit 1993 in keinem Jahr ausgelassen. Zu seinen Plänen sagte er lediglich: «das Richtige machen», und kündigte an, in die Formel 1 zurückkehren zu wollen.
Leclercs Sieg war im Übrigen der vierte verschiedene Rennsieger in den vergangenen vier Grands Prix, ein Beleg für die ausgeglichene Spitze der laufenden Saison. Mit dem Ergebnis steigt Leclerc in der Fahrerwertung auf Rang vier, hinter Antonelli, Russell und Hamilton. Auf den neunfachen Silverstone-Sieger Hamilton warten nun in Belgien und Ungarn zwei weitere Rennen innerhalb von zwei Wochen, in denen er weiter versuchen will, den Anschluss an die Spitze herzustellen – sofern sein Team die technischen Probleme in den Griff bekommt, die ihn in Silverstone zwischenzeitlich auf den dritten Platz zurückwarfen.
Fragen & Antworten
Warum war Charles Leclerc' Sieg in Silverstone historisch?
Der Triumph war der 250. Formel-1-Rennsieg der Scuderia Ferrari, der erste Silverstone-Sieg des Monegassen und sein erster Grand-Prix-Erfolg seit dem US-Rennen in Austin im Oktober 2024.
Wie kam es zum Ausfall von Kimi Antonelli?
Der WM-Spitzenreiter fuhr auf Platz zwei liegend zehn Runden vor dem Ziel über einen hohen Curbs, woraufhin die Aufhängung seines Mercedes brach. Er musste zwei zusätzliche Boxenstopps einlegen und wurde am Ende 16. ohne Punkte.
Welche Folgen hat das Safety Car für das Rennergebnis gehabt?
Der Ausritt von Max Verstappen vier Runden vor dem Ziel löste eine Safety-Car-Phase bis ins Ziel aus, die beiden Ferrari-Piloten holten frische Reifen, während George Russell auf der Strecke blieb und so Lewis Hamilton den zweiten Platz entriss.