Jeff Bezos verhandelt über Minderheitsbeteiligung am FC Liverpool
London, 24. Juli 2026
Seattle City Council from Seattle / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Amazon-Gründer Jeff Bezos verhandelt einem Medienbericht zufolge über eine strategische Minderheitsbeteiligung am FC Liverpool. Ein Konsortium um Amit Bhatia führt die Gespräche mit dem aktuellen Eigentümer Fenway Sports Group.
Amazon-Gründer Jeff Bezos verhandelt einem Sky-News-Bericht zufolge über eine strategische Minderheitsbeteiligung am englischen Premier-League-Club FC Liverpool.
Amazon-Gründer Jeff Bezos führt Gespräche über eine Beteiligung am FC Liverpool. Nach Informationen des britischen Senders Sky News wird der 62 Jahre alte US-Amerikaner als Teil eines Investorenkonsortiums in die Gespräche mit dem aktuellen Eigentümer Fenway Sports Group einbezogen. Bezos ist einer der reichsten Männer der Welt. Über die Höhe der geplanten Investition wurde zunächst nichts bekannt.
Fenway Sports Group bestätigte indirekt den Kontakt. In einer Stellungnahme des Eigentümerkonsortiums, das den Club seit 2010 besitzt, heißt es: „Ein von Amit Bhatia geführtes, verwaltetes und vertretenes Investorenkonsortium hat Interesse bekundet, eine strategische Minderheitsbeteiligung am Liverpool Football Club zu erwerben.“ Die Erklärung lässt offen, welche weiteren Geldgeber hinter Bhatia stehen.
Wer führt das Konsortium an?
Klar ist allerdings, wer das Konsortium anführt: Amit Bhatia, der Schwiegersohn des milliardenschweren Stahlunternehmers Lakshmi Mittal. Bhatia ist in der britischen Geschäftswelt kein Unbekannter; er baute unter anderem die Beteiligungsfirma Sapna auf und investierte bereits in den Fußballclub FC Sunderland, ehe dieser den Sprung in die Premier League schaffte. Bhatia selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Liverpool-Plänen geäußert.
Dass ausgerechnet Bezos als künftiger Minderheitseigentümer gehandelt wird, sorgt in Liverpool für Aufsehen. Der Gründer des Online-Händlers Amazon besitzt bereits mit der Washington Post eines der einflussreichsten US-Medienhäuser und engagiert sich über die Bezos Earth Fund und Blue Origin in weiteren Branchen. Ein direktes Engagement im europäischen Spitzenfußball wäre für ihn ein Novum.
Liverpools Weg unter Fenway Sports Group
Dabei ist Liverpool für US-Investoren kein unbeschriebenes Blatt. Fenway Sports Group hatte den Club 2010 übernommen und in den folgenden Jahren sportlich wie wirtschaftlich neu aufgestellt. Der Verein errang unter anderem die Champions League 2019 und die Premier-League-Meisterschaft 2020. Der designierte deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp ist eine zentrale Figur in dieser Erfolgsgeschichte: Liverpool, der frühere Club des künftigen Bundestrainers Jürgen Klopp, hatte unter seiner Regie eine sportliche Renaissance erlebt.
Vor einem Jahr wechselte Nationalspieler Florian Wirtz für bis zu 150 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu den Reds und unterstrich damit die finanzielle Wucht, die Liverpool auf dem Transfermarkt entfalten kann. Solche Summen sind nur möglich, wenn Vereine auf potente Geldgeber zurückgreifen können – sei es in Form von Eigentum, Minderheitsbeteiligungen oder Sponsoring.
Die Gespräche zwischen Bhatia, Bezos und Fenway Sports Group fügen sich in einen größeren Trend ein, wie Sky News aufzählt: Etwa die Hälfte der 20 Premier-League-Clubs befindet sich im Besitz von Investoren, die überwiegend in den USA ansässig sind. Die Premier League gilt als die reichste Fußballliga der Welt, sowohl was die Vermarktungserlöse als auch die Transferausgaben angeht.
Der Trend zur US-Investorenquote
Der Anteil amerikanischer Eigentümer ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Zu den prominentesten Beispielen zählen die Glazer-Familie bei Manchester United, die Kroenke-Familie beim FC Arsenal und John Textor, der mehrere europäische Clubs unter einem Dach vereint. Auch in Liverpool selbst war mit LeBron James bereits ein US-Sportstar als Minderheitsgesellschafter im Gespräch, ehe sich der Pfad abkühlte.
Welche Rolle Bezos in dem Konsortium genau spielen würde, ist offen. Möglich, dass er als passiver Finanzinvestor einsteigt, der sein Vermögen in einem der prestigeträchtigsten Sportassets der Welt parkt. Möglich aber auch, dass Amazon-Medienrechte oder Marketing-Knowhow eine Rolle spielen sollen – die Premier League vermarktet ihre Übertragungsrechte international zunehmend über Streamingdienste, auf denen Amazon mit Prime Video bereits ein wichtiger Akteur ist.
Welche Rolle würde Bezos spielen?
Die Vereinsführung dürfte vor allem die finanzielle Flexibilität reizen, die ein zusätzlicher Minderheitsgesellschafter mit sich bringt. Minderheitsbeteiligungen sind in der Premier League seit Jahren ein probates Mittel, um Kapital aufzunehmen, ohne die Kontrolle über den Club abzugeben. Newcastle United etwa hatte sich 2021 mit dem Investmentfonds Public Investment Fund verstärkt, ohne das Mehrheitsverhältnis der Familie bin Salman aufzubrechen.
Welche Summen letztlich fließen könnten, ist Spekulation. Bei früheren Engagements im englischen Fußball wurden für Minderheitsbeteiligungen teils Milliardenbeträge aufgerufen. Fenway Sports Group hatte beim Einstieg 2010 rund 300 Millionen Pfund bezahlt; Experten schätzen den heutigen Wert Liverpools auf weit über vier Milliarden Pfund. Um welche Summe es geht, wurde zunächst nicht bekannt.
Sollte der Deal zustande kommen, wäre er eine der bislang prominentesten Minderheitsbeteiligungen im englischen Fußball. Bezos selbst hat sich bislang nicht zu den Berichten geäußert. Auch Fenway Sports Group und Bhatia wollten über den Stand der Gespräche keine weiteren Details nennen. Lediglich das grundsätzliche Interesse an einer strategischen Partnerschaft wurde eingeräumt.
Beobachter werten den Vorgang auch als Indiz für die anhaltende Anziehungskraft der Premier League auf globale Investoren. Nach der Pandemie und den schwankenden TV-Märkten haben die englischen Spitzenclubs ihre Erlösmodelle konsequent internationalisiert. Die Präsenz von Amazon-Gründer Bezos würde diesen Trend weiter verstärken – und Liverpool mittelfristig zusätzliche Türen in den US-Medienmarkt öffnen.
Ausblick auf den möglichen Deal
Fest steht: Liverpool gehört zu den wenigen europäischen Fußballmarken mit weltweiter Strahlkraft. Die Kombination aus sportlichem Erfolg, wirtschaftlicher Stärke und kultureller Identität macht den Club für Investoren besonders attraktiv. Entsprechend vorsichtig dürfte Fenway Sports Group agieren, um den sportlichen Kurs nicht durch kurzfristige Renditeerwartungen zu gefährden.
Fragen & Antworten
Wer ist Jeff Bezos und warum ist er für Liverpool interessant?
Jeff Bezos ist der 62 Jahre alte US-amerikanische Gründer des Online-Händlers Amazon und gehört zu den reichsten Männern der Welt. Er könnte dem FC Liverpool über ein von Amit Bhatia geführtes Konsortium eine strategische Minderheitsbeteiligung ermöglichen.
Wer führt das Konsortium, das mit Fenway Sports Group verhandelt?
Das Konsortium wird laut Sky News und einer Stellungnahme von Fenway Sports Group von Amit Bhatia geführt, verwaltet und vertreten. Bhatia ist der Schwiegersohn des Stahlunternehmers Lakshmi Mittal.
Wie viel Geld könnte investiert werden?
Über die Höhe der geplanten Investition wurde zunächst nichts bekannt. Die Gespräche über die strategische Minderheitsbeteiligung am Liverpool Football Club befinden sich in einem frühen Stadium.
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