Italiens Fußballverband holt Mancini zurück: Erneuter Anlauf nach drei WM-Debakeln
Rom, 28. Juli 2026
Antonio Mancini / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Der italienische Fußballverband hat Roberto Mancini erneut als Nationaltrainer verpflichtet. Der 61-Jährige tritt seine zweite Amtszeit an, nachdem die Squadra Azzurra zum dritten Mal in Folge eine WM verpasst hatte.
Der Präsident des italienischen Fußballverbandes, Giovanni Malagò, hat am Dienstag in Rom die Rückkehr von Roberto Mancini als Chefcoach der italienischen Fußballnationalmannschaft bekannt gegeben.
Rückkehr nach drei Jahren
Die Nachricht markiert das vorläufige Ende einer rund viermonatigen Suche nach einem neuen Nationaltrainer. Der Posten des „Commissario Tecnico“ – so die offizielle Bezeichnung – war bereits seit Anfang April vakant, nachdem Gennaro Gattuso nach der verpassten WM-Qualifikation gegen Bosnien und Herzegowina zurückgetreten war.
Mancini kehrt nach drei Jahren in Saudi-Arabien und Katar auf den Trainerposten zurück. Zunächst hatte er sich vor drei Jahren trotz bestehenden Vertrages plötzlich als Teamchef nach Saudi-Arabien verabschiedet. Bei den Saudis hielt er sich allerdings nur 14 Monate. Wegen der enttäuschenden sportlichen Bilanz beendeten Mancini und der saudische Verband die Zusammenarbeit im Oktober 2024 einvernehmlich. Er blieb jedoch nur etwas mehr als ein Jahr. Dann wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein al-Sadd, wo er zuletzt mit Al-Sadd immerhin nationaler Meister wurde. In Katar war Mancini zuletzt mit Al-Sadd immerhin nationaler Meister.
Ein Verband im Krisenmodus
Sein erneutes Engagement in Italien kommt einer Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte gleich. Mancini war bereits italienischer Nationaltrainer von 2018 bis 2023. In seine erste Amtszeit fiel der Triumph bei der Europameisterschaft 2021. Die Qualifikation für die WM 2022 gelang Mancini anschließend nicht.
Italien ist ein viermaliger Weltmeister und gehört traditionell zu den großen Fußballnationen – doch die jüngste Bilanz ist ernüchternd: Die dreimal nacheinander bei einer WM nicht dabei war, musste sich der Verband in den vergangenen Jahren wiederholt fragen lassen, wie ein solcher Tiefpunkt möglich wurde. Im Frühjahr 2025 scheiterte die Mannschaft erneut in der Qualifikation.
Die gescheiterten Kandidaten
Die Suche nach einem Nachfolger für Gattuso geriet zu einer Posse. Eigentlich wollte der neue Verbandspräsident Giovanni Malagò lieber Pep Guardiola als nächsten Chef der Mannschaft gewinnen. Guardiola sagte ab, weil er sich nach dem Ende seiner zehnjährigen Tätigkeit bei Manchester City derzeit nicht bereit für einen neuen Job fühlt. Anschließend war Andrea Pirlo im Gespräch, der Italien 2006 in Deutschland als Spielmacher zum WM-Titel geführt hatte. Ihm wurden jedoch zu enge Kontakte nach Russland zum Verhängnis: Pirlo wiederum wurden seine Russland-Connections zum Verhängnis. Der Weltmeister von 2006 ist Markenbotschafter eines russischen Wettanbieters und trainiert in Dubai einen Klub, der sich im Besitz eines russischen Unternehmers befindet.
Eine weitere Variante, Oder vielleicht doch Thiago Motta, zerschlug sich ebenfalls. Auch Carlo Ancelotti sagte ab. Ancelotti war als aktueller brasilianischer Nationaltrainer von vornherein ein Wunschkonzert – eine Verpflichtung kam nicht zustande.
Die Turbulenzen rund um die Trainersuche schlugen auch auf die Verbandsspitze durch. Der erst kurz zuvor zum Technischen Direktor berufene Paolo Maldini und sein Berater Leonardo gaben ihre Posten nach nur 16 Tagen im Amt schon wieder auf. Beide gaben ihre Posten nach nur 16 Tagen im Amt schon wieder auf. Giorgio Chiellini, ebenfalls als Kandidat für den Posten des Technischen Direktors gehandelt, stellte am Dienstag klar: „Ich möchte klarstellen, dass ich mit meiner Rolle bei Juventus glücklich bin“.
Kritik aus der Politik
Dabei ist der neue Verbandspräsident Malagò selbst erst seit Ende Juni im Amt. Die Berufung Mancinis verteidigte er am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz wortreich. Das italienische Sportministerium reagierte mit deutlicher Kritik: Sportminister Andrea Abodi warf Malagò vor, eine „unschöne Figur“ abzugeben. Malagò konterte, nicht jeder sei in der Lage, die Fehler anderer zu beurteilen.
Mancini bringt als Vereinstrainer zwei nationale Meisterschaften mit Inter Mailand und Manchester City mit, dazu zwei Erfolge im Europapokal der Pokalsieger sowie sechs italienische Pokalsiege und zwei Serie-A-Titel aus seiner Zeit als Spieler bei Sampdoria Genua und Lazio Rom. Als Spieler absolvierte er seine Karriere bei Bologna, Sampdoria und Lazio Rom und beendete sie bei Leicester City in England.
Ranieri als Technischer Direktor
Seine erklärte Aufgabe besteht darin, die Mannschaft wieder in Form zu bringen. Fast vier Monate hat die Suche gedauert, nun soll Mancini – quasi wie in Deutschland unter Jürgen Klopp. Doch während der Bundestrainer hierzulande eine Art Aufbruchsstimmung erzeugt hat – für einen Neustart sorgen. Wobei: Unterschrieben ist noch nichts.
An der Seite Mancinis soll nun der frühere Trainer von AS Rom, der 74-jährige Claudio Ranieri, neuer Technischer Direktor werden. Ranieri war in Rom bis 2025 tätig und hatte zuvor Leicester City 2016 sensationell zur englischen Meisterschaft geführt. Er beerbt Paolo Maldini auf diesem Posten.
Sein erstes Spiel als neuer Italien-Coach wird Mancini am 25. September in der Nations League gegen Belgien bestreiten. Mancinis Verpflichtung folgt auf eine Sommer-Pressekonferenz, die auch die Frage aufwarf, wie viel Stabilität im italienischen Fußball derzeit überhaupt vorhanden ist.
Blick nach vorn
Die Gazzetta dello Sport fasste die Stimmung mit einer drastischen Forderung zusammen: „Italien muss neu gegründet werden“. Mancini, der selbst sagte, er wolle die Mannschaft zurück auf Erfolgskurs bringen, steht damit vor einer Herkulesaufgabe.
Die Berufung eines bekannten Trainers, der die Mannschaft bereits kennt, ist zugleich Risiko und Chance. Mancini weiß um die Erwartungen, die mit seinem Namen verbunden sind – und um die Tatsache, dass er sich vor drei Jahren trotz bestehenden Vertrages plötzlich als Teamchef nach Saudi-Arabien verabschiedete. Die Fans werden genau beobachten, ob der erneute Anlauf diesmal von längerer Dauer ist.
Währenddessen verfolgt Jürgen Klopp aus der Ferne, quasi wie in Deutschland unter Jürgen Klopp. Doch während der Bundestrainer hierzulande eine Art Aufbruchsstimmung erzeugt hat, kämpft Italien weiter um seine sportliche Identität. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Mancinis Rückkehr den erhofften Wandel einleitet oder ob die Turbulenzen des italienischen Fußballs weitergehen.
Fragen & Antworten
Welche Aufgabe wartet auf Mancini bei seinem Amtsantritt?
Mancini soll die italienische Mannschaft, die drei WM-Qualifikationen in Folge verpasst hat, wieder in Form bringen und auf Erfolgskurs führen. Sein erstes Spiel ist am 25. September in der Nations League gegen Belgien.
Mancini zurück als Italien-Trainer: Neuanlauf nach | sportnachrichten