Odense, 08 Juni 2026
Der dänische Rekordnationalspieler Christian Eriksen ist am Sonntagabend beim Testspiel Dänemarks gegen die Ukraine in Odense in der 65. Minute zusammengebrochen, woraufhin die Partie beim Stand von 2:1 für Dänemark sofort abgebrochen wurde.
Was ist neu seit dem 7. Juni 2026
Update vom 8. Juni 2026: Der dänische Teamarzt Morten Boesen hat am Morgen nach dem Vorfall mitgeteilt, dass Eriksen bei Bewusstsein ist und voraussichtlich schon bald aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Damit gibt es erstmals ein klares medizinisches Signal zur Entwarnung über die Nacht hinaus.
Der Vorfall in Odense
Was ist neu seit dem 7. Juni 2026
Gegenüber dem Stand vom Vorabend hat sich die Lage nach Angaben des dänischen Verbands DBU und von Teamarzt Morten Boesen deutlich beruhigt. Boesen erklärte am Montagmorgen, er habe mit Eriksen gesprochen, dieser sei bei seiner Familie und guter Dinge: „Ich habe heute Morgen mit Christian gesprochen, und es geht ihm gut. Er ist bei seiner Familie und guter Dinge. Es wird erwartet, dass er schon bald aus dem Spital entlassen werden kann und nach Hause zurückkehren." Zudem zeigte sich Boesen „relativ sicher", dass Eriksens Herzschrittmacher einen Impuls abgegeben habe, und erklärte in einer ersten Mitteilung des DBU: „Soweit ich das beurteilen kann, funktioniert der Herzschrittmacher einwandfrei." Damit liegt nun erstmals eine technische Erklärung für den Kollaps vor, die auch für die Diskussion um eine mögliche Fortsetzung der Karriere relevant werden dürfte.
Eriksens Zustand
Der Vorfall in Odense
Das Länderspiel zwischen Dänemark und der Ukraine fand am Sonntagabend in Odense statt. In der 65. Minute griff sich der 34-jährige Mittelfeldspieler Eriksen, wie TV-Bilder zeigten, mit beiden Händen an die Brust und sank zu Boden. Seine Mannschaftskameraden riefen sofort die dänischen Teamärzte, die auf das Spielfeld eilten. Spieler beider Mannschaften bildeten daraufhin einen Kreis um den Bewusstlosen und schirmten ihn ab. Die Zuschauer im Stadion riefen lautstark „Eriksen, Eriksen". Das Spiel wurde beim Stand von 2:1 für Dänemark sofort abgebrochen, beide Nationen hatten sich ohnehin nicht für die in der kommenden Woche in den USA, Mexiko und Kanada beginnende Weltmeisterschaft qualifiziert.
Erinnerungen an die EM 2021
Eriksens Zustand
Nach der Erstversorgung kam Eriksen dem dänischen Verband zufolge schnell wieder zu sich. Der dänische Fußballverband DBU gab noch am Abend Entwarnung: „Christian Eriksen ist bei Bewusstsein, es geht ihm den Umständen entsprechend gut." Teamarzt Boesen erklärte, Eriksen sei „kurzzeitig bewusstlos" gewesen, habe aber rasch wieder Kontakt aufnehmen können. Auffällig war, dass der Profi des VfL Wolfsburg eigenen Angaben zufolge darum bat, selbst vom Spielfeld zum Krankenwagen zu gehen. Unter dem Applaus der Zuschauer und Spieler verließ er auf eigenen Beinen den Rasen und wurde in die Universitätsklinik Odense gebracht, wo er weiter untersucht werden soll, um die Ursache des Vorfalls zu klären. Boesen sagte zudem, Eriksen habe ihn gebeten, „alle Spieler zu grüßen und ihnen zu sagen, dass es ihm okay geht".
Reaktionen aus Politik und Sport
Erinnerungen an die EM 2021
Der Vorfall weckte unmittelbar Erinnerungen an den 12. Juni 2021, als Eriksen beim EM-Gruppenspiel Dänemarks gegen Finnland in Kopenhagen einen Herzstillstand erlitten hatte und auf dem Platz reanimiert werden musste. Damals war ihm unter anderem ein Defibrillator, ein sogenannter ICD, eingesetzt worden. Nachdem ihm die Ärzte sportliche Freigabe erteilt hatten, setzte Eriksen 2022 seine Karriere fort und ist inzwischen Dänemarks Rekordnationalspieler mit 151 Länderspielen. Der Kollaps in Odense, fünf Jahre nach dem ersten dramatischen Vorfall, sorgte in Dänemark für großen Schrecken.
Offene Fragen zur Zukunft
Reaktionen aus Politik und Sport
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, Sozialdemokratin, reagierte am Abend auf Facebook: „Meine Gedanken sind heute Abend bei Christian Eriksen und all jenen in seinem Umfeld, die davon betroffen sind." Den kurzen Bewusstseinsverlust und den Abbruch des Spiels bezeichnete sie als „großen Schock" und fügte hinzu: „Und eine große Erleichterung, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht." Auch Eriksens aktueller und frühere Clubs meldeten sich zu Wort. Der VfL Wolfsburg schrieb auf X: „Wir denken an dich, Christian" und ergänzte später: „Wir stehen in engem Austausch mit dem dänischen Fußballverband und verfolgen die weitere Entwicklung. Alles Gute und eine schnelle Genesung, Christian." Manchester United erklärte: „Der Verein sendet Christian und der Familie Eriksen Kraft und liebe Grüße, während wir auf weitere Nachrichten warten." Tottenham Hotspur schrieb in sozialen Netzwerken: „Unsere Gedanken sind bei Christian Eriksen und seiner Familie. Wir wünschen dir eine vollständige und schnelle Genesung, Christian. Wir sind alle bei dir."
Betreuung der Spieler
Offene Fragen zur Zukunft
Ob Eriksen seine Karriere fortsetzen wird, blieb zunächst offen. Dänemarks Sportdirektor Peter Möller sagte dazu: „Das muss Christian beantworten. Ich weiß es nicht. Ich finde es absolut legitim, danach zu fragen. Aber ich weiß es nicht." Hintergrund ist, dass Eriksen beim VfL Wolfsburg, einem von Volkswagen getragenen Club, zuletzt einen sportlich schwierigen Abschnitt erlebt hatte: Mit dem Verein war er aus der Bundesliga abgestiegen. Für die laufende Woche waren Gespräche zwischen Eriksen und dem Club über einen möglichen Verbleib geplant. Klar ist bislang nur, dass Eriksen weiter medizinisch untersucht wird, um die genaue Ursache des neuerlichen Kollapses festzustellen. Boesen machte zugleich deutlich, dass der Herzschrittmacher nach seiner Einschätzung „einwandfrei" funktioniert habe.
Bedeutung über den Sport hinaus
Betreuung der Spieler
Der dänische Sportdirektor Möller kündigte besondere Maßnahmen für die Spieler an, die den Vorfall miterlebt hatten: „Wir werden sichergehen, dass niemand allein nach Hause fährt. Sie fahren entweder mit ihren Eltern, der Familie oder als Gruppe." Der dänische Nationaltrainer Brian Riemer plant zudem, in den kommenden Tagen jeden Spieler persönlich anzurufen, um sich nach deren Befinden zu erkundigen. Damit reagierte der Verband auf die besondere psychische Belastung, die ein solcher Vorfall für die Beteiligten bedeutet.
Bedeutung über den Sport hinaus
Der erneute Zusammenbruch eines Profis während eines Spiels hat in Dänemark eine breite Debatte über den Umgang mit Herzerkrankungen im Leistungssport ausgelöst. Medizinisch bemerkenswert ist, dass Eriksen trotz des ihm 2021 implantierten Defibrillators erneut kollabierte, der ICD nach Einschätzung des Teamarztes aber offenbar wie vorgesehen einen Impuls abgab. Sportlich steht Eriksen, der in Dänemark als Rekordnationalspieler eine Ausnahmestellung einnimmt, vor einer ungewissen Zukunft, persönlich haben er und seine Familie nach Angaben des Verbandes zunächst das Wichtigste erreicht: Eriksen ist ansprechbar, bei seiner Familie und wird in Kürze das Krankenhaus verlassen können.
