Der Deutsche Fußball-Bund bereitet nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2026 in den USA eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann vor, während Jürgen Klopp laut Medienberichten als Nachfolger bereitsteht.

Was ist neu seit dem 2. Juli

Update vom 3. Juli 2026: Knapp zwei Wochen nach dem WM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay verdichten sich die Anzeichen, dass der Deutsche Fußball-Bund die Reißleine zieht und sich von Bundestrainer Julian Nagelsmann trennt. Nach Informationen des Senders Sky sind für Donnerstag neue Gespräche über den 38-Jährigen angesetzt, deren wahrscheinlicher Ausgang die Trennung sein soll. Noch hat sich der Verband nicht offiziell geäußert, doch die Richtung ist erkennbar.

Was ist neu seit dem 2. Juli: In den vergangenen 24 Stunden sind zahlreiche Details zur Trainerdiskussion an die Öffentlichkeit gelangt. So wurde bekannt, dass in Klopps Vertrag bei Red Bull eine Option bestehen soll, die einen Wechsel zum DFB grundsätzlich ermöglichen würde. Sky berichtete darüber am Mittwochabend. Gleichzeitig machte der Verband über einen möglichen Restvertragswert von 14 Millionen Euro Schlagzeilen, falls es zu Abfindungsverhandlungen mit Nagelsmann kommen sollte. Hintergrund: Der Coach besitzt einen Kontrakt bis einschließlich der EM 2028 und soll rund sieben Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Klopps Experten-Analyse beim Turnier

Klopp hatte sich während des Turniers als TV-Experte bei MagentaTV geäußert und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Zum deutschen Team sagte er: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“ Für diese Aussage erntete er Kritik von prominenten Kollegen, unter anderem von Stefan Effenberg und Lothar Matthäus. Klopp aber lieferte zugleich eine schonungslose Analyse der Mannschaft: „Es gibt keinen Grund, auf die Mannschaft draufzuhauen“, sagte er zur Mentalität nach dem Aus im Elfmeterschießen und hinterfragte vielmehr, warum die DFB-Elf nicht alles abrufen konnte im Turnier. „Wir haben Phasen, wo wir es abgerufen haben. Wir waren Fußball-Deutschland“, blickte er auf stärkere Zeiten zurück.

Zugleich verwies Klopp auf den Status quo der Mannschaft und auf das, was nun nötig sei: „Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir jetzt ran an die Nummer, und zwar richtig“, sagte er. In MagentaTV schob er nach: „Wir haben nicht genug kreiert, weil wir ein paar Dinge nicht richtig gemacht haben.“ Eine direkte Antwort auf die Frage, ob er selbst die Lösung sei, lieferte er nicht – zumindest nicht in der Sache, sondern in der Stimmung: „Ich verstehe das, wenn über den Bundestrainer gesprochen wird, dass da irgendwie mein Name genannt wird.“ Beim DFB werden sie genau hingehört haben, als Klopp direkt nach dem Desaster gegen Paraguay die Analyse lieferte, die im Verband nun erst noch ansteht.

Kritik von Hummels und Khedira

Bernd Neuendorf hatte bereits in den USA klare Worte gefunden: „Nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben werden wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Die Frage ist daher nicht, ob die Wege sich trennen, sondern wann und wie. Auch Mats Hummels forderte bei MagentaTV: „Wenn man die ganze Faktenlage gerade so sieht, würde ich sagen: Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern.“ Hummels sprach zugleich aus persönlicher Betroffenheit – er war vor der Heim-EM 2024 vom DFB aussortiert worden und räumte ein, emotional befangen zu sein. „Schmallippig und patzig“ sei Nagelsmann nach seiner Wahrnehmung aufgetreten.

Sami Khedira, Weltmeister von 2014, legte noch eine Schippe drauf. Das Fiasko von Foxborough gegen Paraguay sei „die Quittung für die letzten Jahre“, sagte er. „Wir dürfen die Kinder nicht in Watte packen und sagen: Das Gewinnen ist nicht wichtig, wir müssen einfach nur die perfekte Technik haben“, wandte er sich gegen eine zu lasche Bewertung der sportlichen Niederlage. Auf dem „absoluten Topniveau“ zähle eine „Kombination aus Mentalität und Führungsqualitäten“ – ein Seitenhieb in Richtung Nagelsmann, der genau dafür in der Kritik steht.

Finanzen und Verträge im Hintergrund

Dass die DFB-Entscheider bei der Nachfolge-Bewertung nicht nur auf sportliche, sondern auch auf finanzielle Faktoren schauen, liegt auf der Hand. Nagelsmanns Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2028, sein Restvertragswert wird auf rund 14 Millionen Euro taxiert. Gleichzeitig hat sich die Finanzlage des DFB durch den kolportierten Nike-Deal, der 2027 starten und rund 100 Millionen Euro pro Jahr in die Kassen spülen soll, deutlich entspannt. Der Ausrüster-Wechsel, der den jahrzehntelangen Partner ablösen wird, gilt intern als Signal, dass der Verband auch auf der Trainerposition handlungsfähig ist.

Gleichwohl: Ein Engagement Klopps beim DFB wirft Fragen auf. Klopp ist seit dem 1. Januar 2025 Global Sports Director beim Red-Bull-Konzern und dort langfristig bis Ende 2029 gebunden. Der Job bei Red Bull gilt als Spitzenposition im internationalen Fußball, ist lukrativ dotiert und mit weitreichenden Entscheidungsmacht verbunden. „Das ist kein Halbtagsjob“, sagte Klopp selbst über seine Red-Bull-Rolle. 2024 hatte er nach vielen Jahren im Vereinsfußball in Liverpool seinen Abschied aus dem Trainergeschäft erklärt und gesagt, auch seine Kraft sei endlich. In seinem Herzen aber sei der 59-Jährige ein Trainer geblieben, heißt es.

Klopps Chancen und Hürden

Für den Fall einer Rückkehr auf die Bank spricht aus Klopps Sicht vor allem die Bilanz. Auf Vereinsebene gewann er nahezu alles, darunter dreimal die Champions League – mit Borussia Dortmund 2013, mit dem FC Liverpool 2019 – und 12 nationale Meisterschaften in Deutschland, England und Spanien mit anderen Klubs. Kommentatoren ordneten ihn gemeinsam mit Pep Guardiola als einen der weltweit besten Trainer der vergangenen 18 Jahre ein. Guardiola selbst war beim Turnier nur als Beobachter gefragt, Klopp aber verfolgte die Spiele als Experte an der Seite der TV-Mikrofone – und lieferte ungewollt eine Bewerbung mit.

Der Reiz einer Mission mit der DFB-Elf wäre für Klopp besonders groß, sollte das Turnier 2028 in Deutschland stattfinden. Eine Heim-EM, ein emotional aufgeladenes Publikum und ein Sportverband mit neuer wirtschaftlicher Power durch den Nike-Deal – das Szenario ist in Klopps Biografie geradezu angelegt. Klopp selbst hatte während der WM in einer Expertenrunde gesagt: „Im Fußball kann jeder jeden schlagen, fast jeder fast jeden – und uns viele, wenn wir nicht funktionieren.“ Die Sorge, dass Deutschland im Konzert der Großen weiter an Boden verliert, ist beim DFB offenbar groß genug, um radikale Schritte zu wagen.

Heim-EM 2028 als Szenario

Dass der DFB überhaupt vor einer solchen Weichenstellung steht, hat auch mit dem sportlichen Umfeld der WM zu tun. Die Niederlande trennte sich nach dem Sechzehntelfinal-Aus gegen Marokko von Bondscoach Ronald Koeman. Frankreich, Brasilien und Argentinien erreichten erwartungsgemäß die K.o.-Runde – und setzten den Maßstab, an dem sich die DFB-Elf messen lassen muss. Im Achtelfinale hatte Paraguay das deutsche Team nach Elfmeterschießen aus dem Turnier befördert; die Bilder von enttäuschten Spielern, hängenden Köpfen und einem Trainer, dem seine Spieler hinterherliefen, gingen um die Welt.

Wie geht es weiter? Der DFB will laut Präsident Neuendorf „gemeinsam und in Ruhe“ zunächst die Gründe für den nächsten sportlichen „Tiefschlag“ analysieren und dann über den Trainer befinden, der die Nationalmannschaft zur EM 2028 führen soll. Sollte es zur Trennung von Nagelsmann kommen, dürften Namen wie Jürgen Klopp, möglicherweise auch Pep Guardiola oder andere internationale Top-Trainer auf den Listen auftauchen. Klar ist: Die Zeit der Geduld im deutschen Fußball ist nach dieser WM endgültig abgelaufen.