Deutsche Bewerbung für Tour-Start 2029 in Ostdeutschland offiziell an Veranstalter übergeben
Berlin, 29 Juli 2026
Benoît Prieur / Wikimedia Commons / CC0
Kurzfassung
Der deutsche Radsportverband German Cycling hat am Mittwoch in Berlin seine offizielle Bewerbung für den Grand Départ der Tour de France 2029 an den Veranstalter Amaury Sport Organisation übergeben. Tour-Direktor Christian Prudhomme sprach am Brandenburger Tor von einem verlockenden Vorhaben, das mit größter Aufmerksamkeit geprüft werde.
Berlin, 29 Juli 2026
Im Beisein hochrangiger Vertreter aus Politik, Sport und Wirtschaft hat der deutsche Radsportverband German Cycling am Mittwoch in Berlin seine offizielle Bewerbung für den Grand Départ der Tour de France 2029 an den Veranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) übergeben.
Symbolische Geste mit Mauerresten
Vor dem Brandenburger Tor nahmen A.S.O.-Generaldirektor Yann Le Moënner und Tour-Direktor Christian Prudhomme das sogenannte Bid Book aus den Händen von German Cycling entgegen. Als symbolische Geste überreichten die deutschen Organisatoren den Franzosen zugleich ein Stück der Berliner Mauer. Eingebracht wurde die Bewerbung vom Verein Grand Départ Allemagne (GDA) gemeinsam mit den Ländern Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie mit Unterstützung der Bundesregierung.
Im Zentrum des Konzepts steht der historische Bezug: 40 Jahre nach dem Fall der Mauer und der Friedlichen Revolution 1989 soll die Frankreich-Rundfahrt in Berlin starten und in drei Etappen durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führen. Auf der Strecke sollen historische Orte und die ostdeutsche Radsporttradition sichtbar werden, etwa die frühere Friedensfahrt und Fahrer wie Olaf Ludwig.
Prudhomme zeigt sich angetan
Tour-Direktor Christian Prudhomme zeigte sich vor dem Brandenburger Tor angetan vom Projekt. „Das uns vorgestellte Projekt ist zweifellos ein verlockendes Vorhaben, das wir mit größter Aufmerksamkeit prüfen werden“, sagte der 65-Jährige. Den symbolischen Jahrgang 2029 hob er ausdrücklich hervor: „Das ist ein so wichtiger Jahrestag für die Deutschen. Aber auch für ganz Europa und über Europa hinaus, für alle Menschen, die an die Freiheit glauben.“ Die deutsche Bewerbung sei zeitlich eng mit dem Jubiläum des Mauerfalls verknüpft – ein Bezug, „der sich nicht einfach auf einen späteren Zeitpunkt verschieben lässt“. Mit Blick auf das Mauerstück scherzte er, der Unterschied zu anderen Bewerbungen sei, dass sich die deutsche „nicht so leicht verschieben“ lasse.
Auch die anwesenden Ministerpräsidenten warben für das Vorhaben. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze und Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) unterstrichen die grenzüberschreitende Bedeutung. Voigt sagte: „Das wäre das perfekte Bild, die Postkarten, die wir brauchen, um Europa zu vereinen, junge Menschen zu inspirieren und zu zeigen, dass Frankreich und Deutschland gemeinsam der Motor sind, der die europäische Integration vorantreibt.“ Die Menschen in Mitteldeutschland seien „so neugierig und wollen unbedingt dabei sein“.
Wirtschaftliche Erwartungen
Aus der Bundesregierung äußerte sich die Ostdeutschland-Beauftragte Elisabeth Kaiser. Sie sprach von einem „bedeutenden Jubiläum für ganz Deutschland“ und betonte: „Der Grand Départ der Tour de France würde diese Botschaft auf die große internationale Bühne tragen und die Leistungen der Ostdeutschen einem Milliardenpublikum eines der weltweit bedeutendsten Sportereignisse sichtbar machen.“ Es sei an der Zeit, „selbstbewusst über diese Erfolgsgeschichte zu sprechen“. Die Aufbauleistung der Menschen in Ostdeutschland seit 1989 sei beeindruckend und verdiene Aufmerksamkeit und Anerkennung.
German-Cycling-Präsident Bernd Dankowski wertete die Bewerbung als „Chance, den Radsport in Deutschland nachhaltig zu stärken – durch internationale Sichtbarkeit, neue Impulse für unsere Vereine und die langfristige Förderung kommender Generationen“. Initiator Andreas Prokop vom Verein Grand Départ Allemagne erklärte am Brandenburger Tor, der Tag sei „ein absoluter Meilenstein“ gewesen, und zeigte sich „noch optimistischer, dass das gelingen wird“.
Konkurrenz aus Prag und Slowenien
In wirtschaftlicher Hinsicht rechnen die Initiatoren mit rund zwölf Millionen Besuchern sowie einem wirtschaftlichen Mehrwert von etwa 150 Millionen Euro. Die Vergabeentscheidung liegt allein bei der A.S.O. – mit einer Entscheidung wird Anfang 2027 gerechnet. Bis dahin konkurriert die deutsche Bewerbung mit weiteren Kandidaten: Im Gespräch sind auch Slowenien, Heimatland des aktuellen Tour-Dominators Tadej Pogacar, sowie die tschechische Hauptstadt Prag.
Mit Blick auf die eigene Geschichte verwies Prudhomme, dessen Familie teils aus dem Elsass stammt, auf die Bedeutung des Projekts für die deutsch-französische Freundschaft: „Die Tour de France war immer dort zu Hause, wo Geschichte geschrieben wird – echte, große Geschichte. Sollte die Tour im Jahr 2029 tatsächlich in Berlin starten, dann wäre sie Teil eben dieser Geschichte.“ Auf die Frage nach dem Zeitplan antwortete er mit einem schlichten „Alles zu seiner Zeit“. Seinen Worten nach erhält die A.S.O. viele Bewerbungen; ein Start im Ausland sei 2029 nach der Champagne-Eröffnung 2028 ohnehin vorgesehen.
Bislang hat die Tour de France viermal in Deutschland begonnen, zuletzt 2017 in Düsseldorf. Zuvor waren Köln 1965, Frankfurt am Main 1980 und West-Berlin 1987 Gastgeber des Grand Départ. Mit Edinburgh ist 2027 bereits der nächste ausländische Auftaktort festgelegt – wohin die Reise 2029 geht, entscheidet sich voraussichtlich im kommenden Winter.
Neben dem sportlichen Stellenwert unterstrichen die deutschen Organisatoren die politische Dimension des Vorhabens. Zusammen mit den beteiligten Bundesländern und mit Unterstützung der Bundesregierung solle das Projekt „ein europäisches Zeichen für Freiheit, Zusammenhalt und deutsch-französische Freundschaft“ setzen, heißt es aus dem Bewerbungskonsortium. Am symbolträchtigen Ort der Übergabe, dem Pariser Platz, fiel der Blick am Mittwoch nicht zufällig immer wieder auf das Brandenburger Tor – jenes Bauwerk, das einst den Alltag zweier deutscher Staaten teilte und heute für die Einheit steht.
Fragen & Antworten
Wer ist Christian Prudhomme?
Christian Prudhomme ist der Tour-Direktor der Tour de France; er nahm am Mittwoch in Berlin die offizielle deutsche Bewerbung für den Grand Départ 2029 vom Verband German Cycling entgegen.
Warum ist der Grand Départ 2029 symbolisch bedeutsam?
Ein Start in Berlin und Mitteldeutschland würde genau 40 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und der Friedlichen Revolution 1989 stattfinden und damit an ein zentrales Datum der deutschen und europäischen Geschichte anknüpfen.
Welche Mitbewerber gibt es neben der deutschen Bewerbung?
Neben Deutschland bewerben sich nach Angaben aus den Berichten unter anderem die tschechische Hauptstadt Prag und Slowenien, das Heimatland von Tadej Pogacar, um den Grand Départ 2029.
Tour de France 2029: Deutsche Bewerbung für Grand Départ in | sportnachrichten