US-Präsident Donald Trump ist bislang zu keinem Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft im Stadion erschienen, obwohl er das Turnier nach der Vergabe als sein Großereignis vermarktet hatte. Stattdessen reiste Außenminister Marco Rubio zur Auftaktpartie nach Inglewood, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. wurde in Seattle ausgepfiffen. Trump will am 19. Juli den Pokal überreichen.
Washington, 29 Juni 2026
US-Präsident Donald Trump ist bislang zu keinem Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA persönlich im Stadion erschienen, obwohl er die Endrunde nach der Vergabe als sein persönliches Großereignis vermarktet hatte und für den 19. Juli die Übergabe des Pokals plant.
Trumps Abwesenheit im Eröffnungsspiel
Die USA bestritten ihr Eröffnungsspiel am 12. Juni in Inglewood bei Los Angeles gegen Paraguay und gewannen 4:1. Kurz danach spielten die US-Boys in Seattle gegen Australien (2:0). In beiden Partien fehlte Trump. "War Trump bislang nicht einmal im Stadion", heißt es dazu in der Berichterstattung, die BBC und Politico aufgreifen. Stattdessen war als ranghöchstes Regierungsmitglied Außenminister Marco Rubio der ersten Partie – "dem Sender Fox zufolge in derselben Loge wie der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom".
Beim 2:0 gegen Australien in Seattle reiste Gesundminister Robert F. Kennedy Jr. an – "und wurde ausgepfiffen". Die Reaktion des Publikums verdeutlichte, dass der politische Besuch in den Stadien der Westküste nicht nur Zustimmung findet. Seattle und Inglewood sind politisch klar demokratisch geprägt, wie mehrere Beobachter anmerken, weshalb Trump dort "nicht zustimmend gesinnt" empfangen werden dürfte.
Politico und BBC fragen nach den Gründen
Das Portal Politico fragte in diesen Tagen: "Wie lange kann Donald Trump der Fußball-WM noch fernbleiben?" Hintergrund ist die Diskrepanz zwischen Trumps Eigenvermarktung der WM und seinem tatsächlichen Verhalten. "Der US-Präsident, der das Turnier nach der Vergabe als sein ganz persönliches Großereignis verkaufte, wird am 19. Juli den Pokal überreichen" – diese Formulierung aus der Berichterstattung macht das Spannungsverhältnis deutlich.
Parallelen fallen ins Auge: "Bei der WM 2022 in Katar war Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani auf dem Rasen dabei und ehrte das argentinische Weltmeisterteam um Superstar Lionel Messi." Trump dagegen hat bislang nur symbolische Auftritte absolviert. "Bei der Club-WM im vergangenen Jahr hatten Infantino und Trump gemeinsam das Siegerteam des FC Chelsea geehrt" – doch damals blieb er ebenfalls nicht dauerhaft präsent.
Beim WM-Galaabend in Washington nahm Trump von FIFA-Präsident Gianni Infantino den sogenannten FIFA-Friedenspreis entgegen. Die Beobachter sprachen von einer "befremdlichen Show". Später fragte Trump seinen Gastgeber direkt: "Welche Mannschaft gilt derzeit als Favorit? Falls es so etwas überhaupt gibt (...)" – worauf Infantino zunächst Argentinien, Brasilien, England, Deutschland und Spanien nannte. Die US-Mannschaft erwähnte er erst, als ein Reporter nachhakte. "Dass Infantino den USA erst auf Nachhaken eines Reporters und Trumps Chancen zusprach", werten Kommentatoren als bemerkenswerte Episode.
Infantino und der FIFA-Friedenspreis
Bereits im vergangenen Jahr hatte Trump im Weißen Haus eine Taskforce für die WM eingerichtet. Sein politischer Berater und Strategist Federico de Jesus erklärte der BBC die Strategie dahinter: "Es geht ihm um das Hauptereignis - das WM-Finale. Denn dort sind die höchsten Einschaltquoten zu erwarten". Trump selbst sagte: "Ich würde auf jeden Fall gerne zu mehr als einem gehen."
Die BBC fragte in einem Kommentar nach dem Warum und erinnerte an den demokratischen Präsidenten Bill Clinton, "der die Welt beim Eröffnungsspiel der WM 1994 in den USA mit warmen Worten begrüßt hatte". Damals war die Anwesenheit des Staatsoberhaupts im Stadion Teil des Rituals. In diesem Turnier weicht Trump davon ab, ohne dass er dafür Gründe benannt hätte.
Clinton als historischer Vergleich
Auch abseits der Stadien ist Trump sichtbar geblieben. "Kurz vor der WM war er bei einem der Basketball-Finalspiele der NBA in der Halle der New York Knicks". Im vergangenen Jahr habe er zudem den Super Bowl in New Orleans besucht, "zuvor aber kein Spiel in der regulären Saison der American-Football-Liga NFL". Daraus ergibt sich für Beobachter das Muster eines Präsidenten, der nur zu den größten Bühnen reist.
Dass ihn weder G7-Gipfel noch politische Krisen davon abhielten, "zu seinem 80. Geburtstag einen professionellen Käfigkampf vor dem Weißen Haus zu veranstalten - am Wochenende nach der US-Partie", unterstreicht die Prioritätensetzung. Trump inszenierte sich beim Kampfabend, ließ die WM-Spiele aber aus. Auch die Szenen vom Club-WM-Finale wirken im Nachhinein aufschlussreich: Trump blieb nach der Chelsea-Ehrung entgegen der Tradition für das Siegerfoto mit den Spielern auf dem Podium stehen. "Infantino wies ihm freundlich, aber bestimmt den Weg von der Bühne".
Pokalshow am 19. Juli als Ziel
Mit dem Halbfinaleinzug oder dem Finaleinzug der US-Mannschaft könnte sich die Situation ändern, doch bis zum Pokal-Endspiel am 19. Juli bleibt Trump dem Turnier im Stadion fern. Der designierte Pokal-Überreicher setzt offenbar auf den einen Auftritt, der weltweit übertragen wird.
Auch die Rolle von Gouverneur Gavin Newsom, "der immer wieder für eine mögliche Kandidatur der Demokraten um die Präsidentschaftswahl 2028 gehandelt wird", fiel bei der ersten Partie in Inglewood auf: In derselben Loge wie Außenminister Rubio wirkte der mögliche Trump-Herausforderer entspannt, blieb aber politisch zurückhaltend.
Fragen & Antworten
Warum ist Donald Trump bislang nicht im WM-Stadion gewesen?
Die genauen Gründe nennt Trump nicht. Beobachter verweisen auf die politisch demokratisch geprägten Städte Seattle und Inglewood, die Trump ablehnend gegenüberstehen, sowie auf die Strategie seines Beraters Federico de Jesus, der sagt, Trump ziele auf das Finale mit den höchsten Einschaltquoten.
Wer hat die US-Spiele im Stadion verfolgt?
Außenminister Marco Rubio besuchte die erste Partie gegen Paraguay in Inglewood und saß Fox zufolge in derselben Loge wie Gouverneur Gavin Newsom. Beim 2:0 gegen Australien in Seattle war Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. anwesend und wurde ausgepfiffen.
Welche Rolle spielt Trump beim WM-Finale?
Trump wird am 19. Juli den Pokal an die Siegermannschaft überreichen. Er hatte die USA-WM zuvor als sein persönliches Großereignis vermarktet und im Weißen Haus eine Taskforce für das Turnier eingerichtet.