Torstein Traeen trägt vier Jahre nach Krebsdiagnose das Gelbe Trikot der Tour de France
Paris, 09 Juli 2026
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Kurzfassung
Vier Jahre nach einer Krebsdiagnose trägt der norwegische Radprofi Torstein Traeen das Gelbe Trikot der Tour de France. Er sprach von einer großen Freude und blickt nun auf die schwere Pyrenäen-Etappe über den Tourmalet voraus.
Paris, 09 Juli 2026
Der norwegische Radprofi Torstein Traeen steht nach der sechsten Etappe der 113. Tour de France in Gelb und blickt damit auf eine schwere Woche in den Pyrenäen – vier Jahre nachdem bei ihm durch einen Zufallsbefund Krebs diagnostiziert worden war.
Der Norweger Torstein Traeen führt die 113. Tour de France an. Nach der sechsten Etappe trägt er das begehrte Maillot Jaune und sprach im Anschluss offen über die Bedeutung dieses Moments für ihn persönlich. „Es ist natürlich eine große Freude, im Gelben Trikot fahren zu dürfen“, sagte der 30-Jährige vor der Etappe, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.
Diagnose durch einen Zufallsfund
Die Diagnose liegt rund vier Jahre zurück. Im Mai 2022 hatten Auffälligkeiten in einer Dopingprobe den Radprofi auf den Weg zur Krebsdiagnose gebracht. Bei einer Operation wurde ein Hoden entfernt, in dem sich ein Tumor befand. „Es war Freitag, der 13.“, erinnerte sich Traeen später und fügte mit Blick auf den Tag der Diagnose hinzu: „wir scherzten miteinander, dass etwas Schlimmes passieren würde“, sagte Traeen dem Portal „Cycling Weekly“.
Sein Arzt habe ihm nach Angaben Traeens damals gesagt: „Ich werde dafür sorgen, dass du nicht an Krebs stirbst.“ Die Behandlung verlief aus Sicht des Sportlers erfolgreich. Rückblickend zeigte sich der Norweger dankbar, überhaupt wieder auf diesem Niveau Radsport bestreiten zu können. „Wenn man an Krebs erkrankt, weiß man nicht, was passieren wird, und ich bin ehrlich gesagt ziemlich glücklich, wieder auf einem guten Niveau zu sein und das größte Rennen der Welt anzuführen“, sagte er vor der sechsten Etappe der 113. Tour.
Rückkehr in den Profiradsport
Der Weg zurück in den Profiradsport war für Traeen kein Selbstläufer. Nach der Operation folgten Phasen der Genesung, der Rehabilitation und des schrittweisen Wiedereinstiegs in den Wettkampfbetrieb. Dass er sich nun, vier Jahre später, an der Spitze der bedeutendsten Rundfahrt im Straßenradsport wiederfindet, wertete er als außergewöhnlichen Moment, ohne die Schwere der damaligen Diagnose zu verharmlosen. Die Geschichte sorgte in den Medien und unter Radsportfans für große Anteilnahme.
Dabei waren die Bedingungen am Tag seines großen Auftritts alles andere einfach. Hohe Temperaturen und eine anspruchsvolle Etappenführung forderten dem Feld alles ab. „Bei dieser Hitze kann alles Mögliche passieren“, kommentierte Traeen die Wetterbedingungen. Er selbst schien die Strapazen gut überstanden zu haben, äußerte sich aber zugleich vorsichtig: „Ich habe eine kleine Wunde am Knie, aber nichts wirklich Ernstes“, sagte er.
Konkurrenz und Ausgangslage
Mit dem Gelben Trikot geht die Verantwortung einher, die Gesamtwertung gegen die stärksten Fahrer des Feldes zu verteidigen. Als einer der dominantesten Profis der Gegenwart gilt Tadej Pogacar, dessen Leistungsfähigkeit über mehrere Grand Tours hinweg dokumentiert ist. „Wir müssen abwarten, wie schnell sie fahren, und natürlich ist Tadej eben Tadej“, sagte Traeen mit Blick auf die kommenden Etappen und die Konkurrenz, die im Gesamtklassement noch hinter ihm liegt.
Aktuell beträgt Traeens Vorsprung nach den vorliegenden Zahlen 7:53 Minuten. Ein komfortables Polster auf den ersten Blick, doch das Programm der zweiten Rennhälfte lässt nur wenig Raum für Nachlässigkeit. Bereits am Donnerstag steht in den Pyrenäen eine schwere Etappe über den Col du Tourmalet auf dem Programm – ein Anstieg, der in der Geschichte der Tour de France regelmäßig für Vorentscheidungen gesorgt hat.
Der Tourmalet als Prüfstein
Traeen weiß um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe. „Ich glaube, wenn er am Tourmalet Vollgas gibt, werde ich vielleicht hinter ihm zurückbleiben, und dann weiß man nicht, wie viel Rückstand ich haben werde“, sagte der Norweger mit Blick auf den Favoriten. Dennoch will er sich nicht kampflos geschlagen geben. „Man muss einfach hoffen und sein Bestes geben“, meinte Traeen.
Über seine Zeit als Profi nach der Krebsdiagnose hat der Norweger wiederholt gesprochen. Der Zufallsfund über die Dopingprobe habe sein Leben gerettet, sagte er mehrfach in Interviews. Ausgerechnet die Routinen des Profisports, die im öffentlichen Diskurs oft kritisch betrachtet werden, führten in seinem Fall zur lebensrettenden Diagnose. Diese Ironie des Schicksals ist Teil der Erzählung, die seit Tagen durch die Radsportwelt kursiert.
Symbolwirkung über den Sport hinaus
Die Ausgangslage vor den Bergen ist sportlich heikel. Auch andere Fahrer wie die Slowenen, die Dänen und weitere Klassement-Kandidaten liegen noch in Reichweite eines Angriffs in den Hochlagen. Traeen muss daher nicht nur die Angriffe der Top-Favoriten, sondern auch die Attacken der Verfolgergruppe fürchten, die sich in einer günstigen Ausgangslage befinden könnte.
Sportlich ordnen Beobachter die Konstellation als Ausnahmesituation ein. Ein Fahrer ohne Grand-Tour-Gesamtsieg im Palmarès steht an der Spitze des wichtigsten Rennens der Welt, während der haushohe Favorit aus Slowenien auf einen Fehler oder einen Ausreißer hofft, um den Rückstand in den Bergen wettzumachen. Die kommenden Etappen gelten daher als richtungsweisend.
Ausblick auf die zweite Rennhälfte
Angesichts der Belastung durch Höhenmeter, Hitze und Konkurrenz bleibt abzuwarten, wie sich das Gesamtklassement nach den Pyrenäen darstellt. Sollte Traeen seine Führung erfolgreich verteidigen, wäre seine Geschichte ein weiteres Kapitel einer ohnehin schon denkwürdigen Tour. Andernfalls würde der Norweger wohl mit gemischten Gefühlen auf die zweite Woche zurückblicken – mit Stolz auf das Erreichte, aber auch mit dem Wissen, dass die Gesundung weiterhin seinen Alltag prägt.
Für Traeen selbst hat der Moment in Gelb unabhängig vom sportlichen Ausgang bereits jetzt eine besondere Dimension. „Es ist natürlich eine große Freude“, wiederholte er, und wer die Vorgeschichte kennt, versteht, dass hinter dieser Aussage mehr steckt als die übliche Routinefloskel eines Rundfahrtspitzenreiters. Der Radsport hat in diesem Sommer eine menschliche Geschichte, die über Ergebnisse und Tabellen hinaus Aufmerksamkeit verdient.
Fragen & Antworten
Wer ist Torstein Traeen?
Torstein Traeen ist ein 30-jähriger norwegischer Radprofi, der derzeit die 113. Tour de France anführt und das Gelbe Trikot trägt.
Wie wurde bei Traeen vor vier Jahren Krebs entdeckt?
Im Mai 2022 ergaben Auffälligkeiten in einer Dopingprobe Hinweise, die zur Diagnose führten. Bei einer Operation wurde ein tumorbefallener Hoden entfernt.
Welche Etappe steht für Traeen als Nächstes an?
Am Donnerstag wartet in den Pyrenäen eine schwere Etappe über den Col du Tourmalet, bei der Traeen mit einem aktuellen Vorsprung von 7:53 Minuten antritt.
Traeen im Gelben Trikot – vier Jahre nach Krebs | sportnachrichten