Sinsheim, 05 Juli 2026

Der frühere Fußball-Nationalspieler Niklas Süle hat nach dem vorzeitigen Ende seiner Profikarriere bei Borussia Dortmund einen Wechsel zum Kreisligisten SV Tiefenbach in Baden-Württemberg bestätigt.

Karriereende nach Knieverletzung

Wie der 30-Jährige dem Sender Sky sagte, ist die Freude über den Schritt in den Amateurfußball groß. „Nach 13 Jahren Profifußball ist es für mich ein absolutes Geschenk, mit meinen Kumpels auf dem Platz stehen zu dürfen und die Freude an diesem wundervollen Sport noch einmal in vollen Zügen genießen zu können“, erklärte der Innenverteidiger. Zwei seiner besten Freunde spielten bereits beim SV Tiefenbach, einer davon fungiere dort auch als Trainer.

Der 1,95 Meter große Defensivspieler hatte seine Laufbahn im Mai beendet, nachdem er im April bei der 1:2-Niederlage von Borussia Dortmund in Hoffenheim am 18. April eine Knieverletzung erlitten hatte und in der 42. Minute vom Platz musste. Nach der Untersuchung am Folgetag habe ein MRT die zunächst befürchtete Diagnose eines erneuten Kreuzbandrisses ausgeschlossen. „Als ich am nächsten Tag ins MRT gekommen bin und die gute Nachricht erhalten habe (dass es doch kein Kreuzbandriss war), war für mich zu tausend Prozent klar, dass es vorbei ist“, sagte Süle. Ohne den erneuten Kreuzbandriss sei für ihn endgültig klar gewesen, die Schuhe an den Nagel zu hängen.

Vom Hoffenheimer Eigengewächs zum Bayern-Meister

Seine Profikarriere hatte Süle im Mai 2013 mit einem Bundesliga-Einsatz für die TSG 1899 Hoffenheim begonnen. Insgesamt 117 Pflichtspiele absolvierte er dort, ehe er zur Saison 2017/18 zum FC Bayern München wechselte. Mit den Münchnern feierte er seine größten Erfolge: fünf deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege sowie den Triumph in der Champions League 2020 durch einen Sieg im Finale gegen Paris Saint-Germain. Hinzu kam der Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2021. Für die Bayern bestritt der gebürtige Franke 171 Partien.

Im Sommer 2022 erfolgte der ablösefreie Wechsel zu Borussia Dortmund, wo Süle einen Vierjahresvertrag als Topverdiener unterschrieb. 110 Einsätze absolvierte er für den BVB und erreichte 2024 erneut das Champions-League-Finale, in dem sein Klub allerdings Real Madrid unterlag. Sportlich begannen die Einsatzzeiten beim BVB von Saison zu Saison zu sinken, auch weil Verletzungen ihn immer wieder zurückwarfen – darunter zwei Kreuzbandrisse, die ihn in seiner Kariere insgesamt rund 387 Tage und 54 Spiele kosteten. Sein letzter Vertrag in Dortmund wäre zum Ende der Saison 2025/26 ausgelaufen.

Zurück auf dem Dorfplatz

Beim SV Tiefenbach, dessen Vereinsfarben Schwarz und Gelb sind und der in der Kreisliga Sinsheim spielt, kann Süle nun den Fußball abseits von Geschäft und Vermarktung genießen. „Ich freue mich sehr, den Fußball endlich wieder aus einem ganz anderen Blickwinkel zu erleben – dort, wo es einzig und allein um den Sport an sich geht und nicht um ein Geschäft oder ums Geld“, sagte der Verteidiger. Während der Saison trainieren die Tiefenbacher dienstags und donnerstags ab 19.00 Uhr auf dem vereinseigenen Sportgelände.

Süle blickt auf 49 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft zurück und galt über Jahre als einer der prägenden Innenverteidiger der Bundesliga. Sein Gewicht und seine Physis waren wiederkehrende Themen in der medialen Berichterstattung. In Tiefenbach kehrt er nun zu den Wurzeln zurück: Amateurfußball, Freunde und die pure Lust am Spiel.

Perspektive ohne Kommerz

Der SV Tiefenbach, dessen Kader laut offiziellen Daten neun Spieler umfasst, erhält mit dem Neuzugang überregionale Aufmerksamkeit. Der bisher letzte erfasste Transfer des Klubs war Lorenz Stellberger. Süle selbst hatte zuletzt in einem Sky-Gespräch den Wechsel zu seinem Heimatverein bestätigt, wo er Seite an Seite mit langjährigen Weggefährten auflaufen wird.

Mit dem Engagement in der Kreisliga schlägt Süle ein Kapitel auf, das mit dem Glamour der Champions League nur noch wenig gemein hat – und gerade deshalb für ihn an Reiz gewinnt. Der Verein aus Baden-Württemberg profitiert vom medialen Echo, Süle selbst vom ungezwungenen Fußball, den er in den Profiligen zunehmend vermisst hatte.