Koeman Zukunft offen nach WM-Aus der Niederlande | sportnachrichten
Nach WM-Aus gegen Marokko: Koeman lässt Zukunft als Bondscoach offen
Monterrey, 30. Juni 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Nach dem überraschenden Aus der Niederlande im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Marokko hat Bondscoach Ronald Koeman seine Zukunft als Nationaltrainer offen gelassen. Peter Bosz von PSV Eindhoven gilt als aussichtsreichster Kandidat auf eine Nachfolge.
Ronald Koeman hat nach dem verlorenen Elfmeterschießen der Niederlande gegen Marokko im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Monterrey seine Zukunft als Bondscoach offen gelassen und einen Rücktritt bislang nicht angeboten.
Die niederländische Nationalmannschaft ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko überraschend im Achtelfinale ausgeschieden. Im Duell mit Marokko stand es nach 90 Minuten und nach Verlängerung 1:1, am Ende entschied das Elfmeterschießen mit 3:4 gegen die Elftal. Damit verpasste die Mannschaft von Bondscoach Ronald Koeman den Einzug ins Viertelfinale, wo am Samstag in Houston Kanada gewartet hätte.
Koeman äußert sich in Monterrey
Koeman äußerte sich nach der Partie in einer Pressekonferenz in Monterrey zurückhaltend zu seiner persönlichen Zukunft. Auf die Frage, ob er seinen Rücktritt beim niederländischen Verband angeboten habe, sagte er: „Das habe ich nicht getan.“ Gleichzeitig kündigte er an: „Ich werde in Ruhe über meine Zukunft nachdenken.“
Der 63 Jahre alte Koeman, geboren am 21. März 1963, ist seit Beginn des Jahres 2023 zum zweiten Mal Bondscoach der Niederlande. Sein laufender Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2026. Medienberichten zufolge ist davon auszugehen, dass er in naher Zukunft von seinem Amt zurücktritt – offiziell bestätigt ist dies jedoch nicht.
Spielverlauf und persönliche Tragödie
Das Ausscheiden gegen Marokko war bereits nach der regulären Spielzeit besiegelt worden. Cody Gakpo, 27 Jahre alt, Angreifer von Liverpool FC, hatte die Niederlande in der 72. Minute in Führung gebracht. In der ersten Minute der Nachspielzeit (90+1) glich Issa Diop für Marokko aus, womit die Partie in die Verlängerung ging.
Wenige Stunden vor der Partie hatte Gakpo öffentlich gemacht, dass sein zweiter Sohn während der Schwangerschaft seiner Freundin gestorben war. Nach seinem Treffer sank er zu Boden und brach in Tränen aus, seine Mitspieler bildeten einen Kreis um ihn, Gakpo zeigte zum Himmel. Die persönliche Tragödie überschattete die sportliche Enttäuschung.
In der Verlängerung fiel keine weiteren Treffer mehr. Im Elfmeterschießen avancierte Ismael Saibari mit dem entscheidenden Strafstoß für Marokko zum Matchwinner. Auf Seiten der Niederlande scheiterten Justin Kluivert, Quinten Timber und Crysencio Summerville vom Punkt. Torhüter Bart Verbruggen parierte zunächst den zweiten marokkanischen Schuss von Soufiane Rahimi, lenkte den Ball dann aber mit der Ferse ins eigene Netz.
Medien reagieren mit scharfer Kritik
Damit kassierten die Niederlande bei einer Weltmeisterschaft bereits die dritte Niederlage in einem Elfmeterschießen nach 2014 und 2022. Schon zuvor war die Mannschaft wegen ihrer defensiven Ausrichtung in die Kritik geraten. Koeman hatte gegen Marokko auf fünf Verteidiger umgestellt, was in den Niederlanden scharf kommentiert wurde.
Das niederländische Fußballmagazin „Voetbal International“ sprach von „Beschämender Angsthasen-Fußball wird für Oranje fatal“. Die Zeitung „De Telegraaf“ schrieb, Koeman habe mit der Fünferkette den Kopf „auf den Schlachtblock“ gelegt. Die Niederlage sei verdient gewesen, hieß es in mehreren Medien.
Koeman wies die Kritik zurück. „Es geht nicht darum, Angst zu haben. Es geht darum, besser zu stehen. Wir haben mit drei Angreifern gespielt“, sagte er. Außerdem erklärte er: „Ich weiß, als Bondscoach werde ich gelobt, wenn das 1:1 nicht mehr fällt. Jetzt werde ich kritisiert, weil ich mit fünf Verteidigern gespielt habe.“ Sein Hinweis, die Kritik interessiere ihn nicht, richtete sich an die mediale Öffentlichkeit.
Stimmen aus der Mannschaft
Auch die Spieler reagierten betroffen. Mannschaftskapitän Virgil van Dijk sprach von „Das sind die schrecklichsten Momente als Fußballer“. Abwehrspieler Marten de Roon beschrieb die Stimmung in der Kabine mit dem Wort „Begräbnisstimmung“. Der in England spielende Verteidiger Jan Paul van Hecke wandte sich an die enttäuschten Fans: „Wir hatten alle einen großen Traum. Ich kann einfach nur sorry sagen.“
Peter Bosz als möglicher Nachfolger
Als aussichtsreichster Kandidat auf eine Nachfolge Koemans gilt laut mehreren Medien Peter Bosz. Der Coach des niederländischen Meisters PSV Eindhoven, dessen Vertrag in Eindhoven bis 2028 läuft, trainierte zuvor unter anderem Borussia Dortmund in der Bundesliga. Eine offizielle Bestätigung oder Anfrage des Verbandes liegt bislang nicht vor.
Koeman blickt als ehemaliger Profifußballer auf eine besondere Historie zurück. Als Spieler gewann er mit Oranje 1988 die Europameisterschaft. Ob diese Ära als Trainer ein würdiges zweites Kapitel erhält oder mit dem Aus in Monterrey endet, ließen seine Aussagen am späten Montagabend offen.
Ausblick: Marokko im Viertelfinale
Marokko hatte bereits bei der WM 2022 in Katar als erstes afrikanisches Team überhaupt ein Halbfinale erreicht und setzte seinen Aufstieg nun fort. Die Mannschaft um den entscheidenden Schützen Saibari steht damit im Viertelfinale und trifft dort auf den Sieger des Spiels zwischen Kanada und einem noch zu ermittelnden Kontrahenten.
Die Niederlande hingegen reisen mit einem Kader von 26 Spielern und einem Marktwert von rund 754 Millionen Euro nach Hause. Die Enttäuschung über das frühe Aus wiegt schwer, zumal die Erwartungen an die Elftal vor dem Turnier hoch gewesen waren. Nun beginnt in den Niederlanden die Debatte über die Neuausrichtung – und über die Frage, ob Koeman dem Verband den Weg für einen Umbruch frei machen wird.
Fragen & Antworten
Wer ist Peter Bosz und warum gilt er als Koeman-Nachfolger?
Peter Bosz ist Trainer des niederländischen Meisters PSV Eindhoven, dessen Vertrag bis 2028 läuft. Er wird in niederländischen Medien als aussichtsreichster Kandidat auf eine Nachfolge von Ronald Koeman gehandelt.
Wie ist das Spiel der Niederlande gegen Marokko ausgegangen?
Die Niederlande führten nach einem Tor von Cody Gakpo (72.) mit 1:0, ehe Issa Diop in der ersten Minute der Nachspielzeit zum 1:1 ausglich. Nach torloser Verlängerung verlor Oranje das Elfmeterschießen mit 3:4.
Was hat Koeman zu seiner Zukunft als Bondscoach gesagt?
Koeman erklärte, er habe seinen Rücktritt nicht angeboten („Das habe ich nicht getan“) und werde „in Ruhe über meine Zukunft nachdenken“. Sein Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2026.