Marc Márquez hat den Sprint beim Großen Preis von Deutschland auf dem Sachsenring gewonnen, während sein WM-Rivale Marco Bezzecchi nach einem Sturz mit einem Schlüsselbeinbruch ausfällt und operiert werden muss.

Márquez dominiert den Sprint

Der sechsfache Weltmeister Marc Márquez feierte am Samstag auf dem Sachsenring einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg im Sprint über 15 Runden und damit 55,065 Kilometer. Der 33-jährige Spanier leistete sich auf seiner Ducati über die gesamte Distanz keinen Fehler und holte sich nach der Pole Position am Vormittag auch den Sieg im kurzen Rennen. „Ich habe versucht, konstant meine Pace zu halten“, sagte Márquez nach dem Rennen.

Hinter Márquez landeten seine Ducati-Markenkollegen Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio auf den Rängen zwei und drei. Alex Marquez hatte im Ziel 0,368 Sekunden Rückstand auf seinen älteren Bruder, Di Giannantonio folgte mit 0,813 Sekunden Rückstand. Franco Morbidelli, der im Qualifying Siebenter geworden war, wurde wegen zu langsamen Fahrens auf der Ideallinie um drei Startplätze zurückversetzt – dieselbe Strafe erhielt auch Diogo Moreira, der im Qualifying Fünfzehnter geworden war.

In der Gesamtwertung der MotoGP-Weltmeisterschaft verkürzte Márquez (165 Punkte) den Rückstand auf den Führenden Jorge Martín (197) auf 32 Punkte. Martín, der für Aprilia fährt, kam im Sprint nur als Sechster ins Ziel und büßte damit weiter Boden ein. Márquez hatte bereits am Freitag im Training die Bestzeit markiert und im Qualifying am Samstagmorgen mit einer Zeit von 1:19,041 Minuten einen neuen Rundenrekord aufgestellt, der ihm die Pole Position einbrachte.

Bezzecchi fällt mit Schlüsselbeinbruch aus

Während Márquez seinen zehnten MotoGP-Sieg auf dem Sachsenring anpeilt – das Hauptrennen findet am Sonntag um 14:00 Uhr statt –, wird sein Landsmann und WM-Konkurrent Marco Bezzecchi nicht mehr in das Geschehen eingreifen können. Wie sein Rennstall Aprilia bekanntgab, hat sich der 27-jährige Italiener bei einem Sturz das Schlüsselbein gebrochen und muss operiert werden. Für den Eingriff reist Bezzecchi in seine italienische Heimat.

Bezzecchi war erst vor zwei Wochen in den Niederlanden bei fast 200 km/h zu Sturz gekommen, war damals aber unverletzt geblieben. Nun hat ihn das Verletzungspech doch noch erwischt. Der Italiener, der zwischen 1965 und 1976 insgesamt 13-mal den Grand Prix von Deutschland für sich entschieden und dabei zehn MotoGP-Siege gefeiert hatte – diese Statistik bezieht sich allerdings auf den legendären Giacomo Agostini, dessen Rekord Márquez mit einem weiteren Erfolg am Sonntag einstellen könnte.

Auswirkungen auf den Titelkampf

Der Ausfall Bezzecchis wiegt für Aprilia umso schwerer, als mit Jorge Martín bereits der zweite Spitzenfahrer der Marke aus Noale in dieser Saison nicht in Topform unterwegs ist. Martín liegt zwar noch an der Spitze der Gesamtwertung, sammelte im Sprint aber nur magere Punkte. Sollte Márquez am Sonntag das Hauptrennen gewinnen, würde der Abstand weiter schmelzen und das Titelrennen neu entfacht.

Auch in den weiteren Klassen des Wochenendes lieferten sich die Piloten packende Qualifyings. In der Moto3 fuhr Pedro Acosta auf KTM mit 0,699 Sekunden Vorsprung auf die Bestzeit, während Ai Ogura auf Aprilia mit 3,019 Sekunden Rückstand Fünfter wurde. In der Moto2 sicherte sich Manuel Gonzalez auf Kalex die dritte Position mit nur 0,038 Sekunden Rückstand auf die Spitze.

Die weiteren Klassen am Sachsenring

Bei den weiteren MotoGP-Qualifyings fielen die Abstände zwischen den Spitzenfahrern denkbar knapp aus. Fabio Quartararo auf Yamaha landete mit 10,855 Sekunden Rückstand auf dem zehnten Platz, während Raul Fernandez auf Aprilia mit 5,454 Sekunden Sechster wurde. Hinter den Márquez-Brüdern und Di Giannantonio komplettierten Franco Morbidelli (0,491 Sekunden Rückstand) und Marco Bezzecchi (0,572 Sekunden Rückstand) die Top Acht im Qualifying.

Das Qualifying der MotoGP-Klasse wurde von der Pole Position von Marc Márquez (1:19,041 Minuten) geprägt, der damit seine Ausnahmestellung auf dem Sachsenring einmal mehr unterstrich. Der Kurs in der Nähe von Hohenstein-Ernstthal gilt als seine Lieblingsstrecke – sollte er am Sonntag gewinnen, wäre es sein zehnter MotoGP-Erfolg auf dieser Strecke und sein insgesamt 67. Grand-Prix-Sieg in der Königsklasse.

Für Aprilia bedeutet der Ausfall von Bezzecchi einen herben Rückschlag im Titelkampf. Das italienische Werksteam verliert einen seiner beiden Spitzenfahrer für unbestimmte Zeit, während die Konkurrenz von Ducati mit den Márquez-Brüdern und Di Giannantonio gleich drei Fahrer in Schlagdistanz hat. Die kommenden Rennen werden zeigen, ob Aprilia den personellen Aderlass kompensieren kann.

Ausblick auf das Hauptrennen

Am Sonntag steht das Hauptrennen über die volle Distanz auf dem Programm. Marc Márquez geht von der Pole Position ins Rennen, dahinter folgen Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio. Jorge Martín muss von Rang sechs aus versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben und seinen WM-Vorsprung zu verteidigen. Das Rennen wird um 14:00 Uhr gestartet und ist live im deutschen Fernsehen zu sehen.

Die Verletzung von Bezzecchi wirft auch Fragen zur Sicherheit im Motorrad-Rennsport auf. Erst vor zwei Wochen hatte der Italiener in Assen einen heftigen Sturz bei fast 200 km/h überlebt, nun hat ihn das Schicksal auf dem Sachsenring erneut ereilt. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell er genesen und ob er in dieser Saison noch einmal in den Titelkampf eingreifen kann.

Insgesamt bot der Sprint auf dem Sachsenring den Zuschauern ein gemischtes Bild: Während Márquez seine Dominanz auf seiner Lieblingsstrecke einmal mehr unterstrich und den Rückstand auf Martín deutlich verkürzte, überschattete die schwere Verletzung von Bezzecchi die sportlichen Höhepunkte. Das Hauptrennen am Sonntag verspricht nun zusätzliche Brisanz, da die Ausgangslage im Titelrennen durch den Ausfall des Italieners neu sortiert wurde.

Mit Blick auf die kommenden Rennen bleibt abzuwarten, wie sich der Ausfall Bezzecchis auf die Kräfteverhältnisse in der MotoGP auswirken wird. Ducati scheint mit seinen drei Spitzenfahrern in einer komfortablen Position, während Aprilia um den Anschluss an die Spitze kämpfen muss. Sollte Márquez am Sachsenring auch das Hauptrennen gewinnen, wäre der Weg zur Titelverteidigung wieder ein gutes Stück geebnet.