Iran WM 2026 USA: Politische Spannungen und Visa-Streit | sportnachrichten
Irans WM-Anreise in die USA: Politische Spannungen begleiten das Team Melli
Los Angeles, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Die iranische Fußballnationalmannschaft ist in Los Angeles zur WM 2026 eingetroffen, doch die Reise wurde von politischen Spannungen, Visa-Problemen und einem kurzfristigen Entzug der Eintrittskarten überschattet. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte dem iranischen Verband Unterstützung zugesichert, sieht sich aber Vorwürfen aus Teheran ausgesetzt.
Los Angeles, 16 Juni 2026
Die iranische Fußballnationalmannschaft ist in Los Angeles zur WM 2026 eingetroffen, ihre Anreise in die USA war jedoch von politischen Spannungen, kurzfristig entzogenen Eintrittskarten und Visaproblemen für 15 Delegationsmitglieder geprägt.
Mehr als 20 Stunden war die iranische Mannschaft nach Angaben des Verbands auf dem Weg von ihrem Trainingslager in der Türkei über Mexiko in die Vereinigten Staaten unterwegs. Am Flughafen von Tijuana, wo die Mannschaft auf den Weiterflug wartete, posierte Angreifer Alireza Jahanbakhsh mit einer Anstecknadel, auf der die Zahl 168 zu sehen war. Diese Zahl steht nach iranischer Lesart für die Toten nach einem US-Angriff auf eine Grundschule in Minab. Der Hashtag #168 wurde auch unter einem Instagrambeitrag zum Abflug des Teams Richtung USA verwendet. Damit hatten Spieler und Verband die Mannschaft bereits vor dem ersten Spiel zu politischen Symbolfiguren des Turniers gemacht.
Politische Symbole schon bei der Anreise
In Los Angeles wurde die Ankunft des Teams von demonstrierenden Menschen begleitet, die die bis 1979 gültige vorrevolutionäre Flagge des Iran zeigten. Diese Löwe-und-Sonne-Flagge gilt vielen als Widerstandssymbol gegen das Regime in Teheran. Der iranische Verband hatte zuvor ein Verbot solcher Oppositionsflaggen in den WM-Stadien gefordert. Für den Fall, dass eine solche Flagge beim Spiel gegen Neuseeland in der Nacht zum Dienstag (3 Uhr MESZ) im Stadion gezeigt werden sollte, drohte der Iran bereits öffentlich mit einem Spielabbruch.
Bereits vor der Anreise hatte die iranische Regierung, die nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen allein 2025 mehr als 2.000 Menschen hinrichtete, zwischenzeitlich mit einem Boykott des Turniers gedroht. Donald Trump hatte dem Team öffentlich von einer Anreise zur WM abgeraten und zuvor erklärt, es sei ihm völlig egal, ob der Iran mitspiele oder nicht. Als der FIFA-Friedenspreisträger Trump Ende Februar den Krieg gegen den Iran auch im Kampf um eine Ölversorgung der USA begann, fand sich der Fußball in einer besonderen Situation wieder: Ein WM-Gastgeber bombardiert ein WM-Teilnehmerland.
Visa-Streit und Kritik an der FIFA
Der iranische Verband beklagte eine willkürliche und diskriminierende Behandlung des iranischen Teams durch die US-Behörden. Dem Iran seien die zugeteilten Eintrittskarten für die Gruppenspiele kurzfristig entzogen worden, hieß es vom Verband. 15 Delegationsmitgliedern sei zudem kein Visum erteilt worden, berichtete das iranische Staatsfernsehen. Irans Organisationschef Mahdi Mohammad Nabi sagte gegenüber Reuters, FIFA-Präsident Gianni Infantino habe sein Versprechen nicht erfüllt, dem iranischen Verband einen uneingeschränkten Zugang zu den Spielen der Mannschaft zu ermöglichen. Nabi sagte, er habe bei einer WM noch nie eine derart mangelhafte Koordination erlebt.
Taremi: Ich spüre die Gastfreundschaft nicht
Der FIFA-Präsident hatte laut eigener Aussage der iranischen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft versichert, er werde nach Teheran kommen und die Mannschaft notfalls mit dem Bus zum Turnier fahren. Es ist die Aufgabe der FIFA, Fußball von der Politik zu trennen, sagte Irans Trainer Amir Ghalenoei bei der Pressekonferenz vor dem Spiel. Ghalenoei räumte ein, dass sich die Reiseprobleme auf die Vorbereitung auswirkten: Natürlich betrifft uns das, sagte er. Auf die Frage nach seinem sonst oft zitierten Ausspruch Wir sind keine politischen Menschen verwies er darauf, dass sich die Rahmenbedingungen auf die Stimmung im Team niederschlügen.
Kapitän und Top-Angreifer Mehdi Taremi, der auf Vereinsebene für Olympiakos Piräus stürmt, schilderte bei ESPN seine Eindrücke von der Reise. Ich war schon bei drei Weltmeisterschaften dabei, und man sagt immer, sobald man aus dem Flugzeug steigt und das Gastgeberland betritt, herrscht dort einfach eine einzigartige Atmosphäre der Freundlichkeit und der Weltoffenheit, sagte Taremi. Leider spüre ich das im Moment nicht. Er dankte den mexikanischen Gastgebern für ihre Hilfe: Ich möchte den guten Menschen in Mexiko danken. Aber wir Iraner sind es gewohnt, aus Schwierigkeiten Chancen zu machen, und wir denken an nichts anderes, als den Menschen Freude zu bereiten.
Nasser Sharif von der Kalifornischen Gesellschaft für Demokratie im Iran forderte einen härteren Kurs der FIFA gegen den iranischen Verband. Wenn die FIFA an ihre eigenen Prinzipien glaubt, muss sie dem Fußballverband des iranischen Regimes die Rote Karte zeigen, denn er wird von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert, sagte er. Infantino hingegen lobte die Bedingungen für die iranische Teilnahme als Erfolg. Er wisse nicht, wer sonst unter diesen Umständen die Teilnahme des Iran hätte ermöglichen können, erklärte er. In einem Statement hatte Trump unterdessen erklärt: Das Abkommen mit der islamischen Republik Iran ist jetzt abgeschlossen.
Vergleich mit 1998: Blumen für den Gegner
Kurz vor Beginn der Pressekonferenz des iranischen Teams war bekannt geworden, dass die USA und Iran nach wochenlangen Verhandlungen eine vorläufige Übereinkunft für einen Ausweg aus dem Iran-Krieg gefunden haben. Auch von iranischer Seite hieß es, dass der Text eines Abkommens fertiggestellt sei. Ein Sprecher sprach in Anlehnung an den Fußball von einem Pfiff, der die Partie wieder anstoße: Schiffe der Welt, werft eure Motoren an, lasst das Öl fließen! Ob die politische Annäherung den Spielverlauf des Turniers beeinflusst, ist offen. Infantino sagte, die FIFA werde den politischen Ball flachhalten, wies aber zugleich Kritik aus dem Iran zurück.
Trotz der schwierigen Umstände sind die Iraner in Gruppe G keineswegs chancenlos. Neuseeland, Belgien und Ägypten heißen die Gegner des dreimaligen Asienmeisters, der seine Vorrundenspiele allesamt an der Pazifikküste austrägt. Über 12.000 Flugkilometer von der Heimat entfernt will das Team Melli endlich auch einmal für sportliche Schlagzeilen sorgen. Die Mannschaft kann sich angesichts von Hunderttausenden Kaliforniern mit iranischen Wurzeln wahrscheinlich dennoch auf große Unterstützung freuen. In den Tagen vor dem WM-Start wurden in洛杉矶 immer wieder Menschen mit Löwe-und-Sonne-Flaggen gesichtet.
Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Begegnungen zwischen den USA und dem Iran auch freundschaftliche Momente hervorgebracht haben. Als beide Länder 1998 bei der WM in Frankreich aufeinandertrafen, kam es zu einem gemeinsamen Bild: Iranische Spieler überreichten ihren Gegnern Blumen. Fußball könne Menschen ermöglichen, ihre politischen und gesellschaftlichen Konflikte zumindest für 90 Minuten auszublenden, heißt es aus Sportkreisen. Ob dies bei der WM 2026 gelingt, wird sich bereits in der Nacht zum Dienstag zeigen, wenn der Iran in Los Angeles gegen Neuseeland antritt. Die Frage, ob und wie der Iran bei der WM 2026 mitspielen kann, soll und wird, ist ein prägendes Thema dieses Turniers.
Ausblick: Chancen in Gruppe G
Für Infantino bleibt die Situation heikel: Einerseits will er die politische Neutralität des Sports wahren, andererseits hat er persönlich die Anreise des iranischen Teams ermöglicht. Nabi kritisierte, dass Infantino aus seiner Sicht die Zusagen an den Iran nicht eingehalten habe. Der iranische Verband sprach von einer politischen Einmischung in den Sport in ihrer schlimmsten Form. Die FIFA wies die Vorwürfe zurück und betonte, alle Mannschaften würden gleich behandelt.
Beobachter werten die Reise des Team Melli als Lackmustest für die Frage, wie sehr Sport und Politik im Jahr 2026 noch zu trennen sind. Während die einen in der Teilnahme ein Zeichen der Völkerverständigung sehen, kritisieren andere, dass ein Regime, das die eigene Bevölkerung unterdrücke, die Bühne einer WM nutze. Die Diskussion darüber, ob die FIFA als Weltverband die Teilnahme eines Landes an einer WM politisch bewerten sollte, wird in den kommenden Wochen an Intensität gewinnen.
Auch abseits des Spielfelds stehen die Zeichen auf Konfrontation. So hat der iranische Verband angekündigt, rechtliche Schritte gegen die kurzfristige Streichung der Eintrittskarten zu prüfen. Sollte eine Oppositionsflagge in den Stadien geduldet werden, behält sich der Verband weitere Schritte bis hin zum Turnieraustritt vor. Infantino hatte unterdessen angekündigt, dass die FIFA in einem solchen Fall schlichten wolle. Wie diese Schlichtung aussehen könnte, ließ er offen.
Unterdessen bereiten sich Taremi und seine Mitspieler auf das erste Gruppenspiel vor. Wir sind keine politischen Menschen, hatte Trainer Ghalenoei zuletzt immer wieder betont. Doch die Realität der vergangenen Tage zeigt, dass die Trennung von Sport und Politik bei dieser WM besonders schwerfällt. Sollte der Iran das Achtelfinale erreichen, wäre dies der größte sportliche Erfolg des Landes seit Jahren. Sollte er scheitern, werden viele Beobachter die politischen Umstände als Mitgrund anführen.
Fragen & Antworten
Warum wurde dem Iran die Eintrittskarten entzogen?
Nach Angaben des iranischen Verbandes wurden dem Iran die zugeteilten Eintrittskarten für die Gruppenspiele kurzfristig von den US-Behörden entzogen. Der Verband sprach von einer willkürlichen und diskriminierenden Behandlung des iranischen Teams.
Was hat FIFA-Präsident Infantino dem Iran versprochen?
FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte, er habe der iranischen Mannschaft versichert, notfalls persönlich nach Teheran zu reisen und sie mit dem Bus zum Turnier zu fahren. Der iranische Organisationschef Mahdi Mohammad Nabi kritisierte jedoch, Infantino habe dieses Versprechen nicht eingehalten.
Welche Gegner wartet auf den Iran in Gruppe G?
Der Iran trifft in Gruppe G auf Neuseeland, Belgien und Ägypten. Die Vorrundenspiele werden alle an der US-Pazifikküste ausgetragen, mehr als 12.000 Flugkilometer von der iranischen Heimat entfernt.