Der frühere englische Nationalspieler und Weltstar Kevin Keegan ist am Montag im Alter von 75 Jahren nach einer Krebserkrankung gestorben, wie seine Familie in einer öffentlichen Erklärung bekannt gab.

Die Erklärung der Familie

Wie seine Familie am Montag mitteilte, starb Kevin Keegan im Alter von 75 Jahren. Die Todesursache war eine Krebserkrankung, die Anfang des Jahres öffentlich bekannt geworden war. Die Nachricht vom Tod des zweimaligen Ballon-d'Or-Gewinners wurde am Tag nach dem WM-Finale veröffentlicht und löste in der Fußballwelt weltweit Bestürzung aus.

In dem Statement der Familie, das unter anderem der britische Sender Sky News übermittelte, hieß es: "Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass Kevin Keegan im Alter von 75 Jahren verstorben ist." Weiter erklärten die Angehörigen: "Kevin kämpfte gegen den Krebs und war in seinen letzten Augenblicken von seiner Frau und seinen Töchtern umgeben." Die Familie bat zugleich um Ruhe und Privatsphäre: "Dies ist eine außerordentlich schwere Zeit, und die Familie bittet darum, ihre Privatsphäre zu respektieren."

Durchbruch beim FC Liverpool

Die Familie bedankte sich ausdrücklich bei den behandelnden Ärzten: "Die Familie möchte Kevins großartigem medizinischen Team für all seine Unterstützung danken." Keegan, der von seinen Fans ehrfurchtsvoll "Mighty Mouse" genannt wurde, galt als einer der charismatischsten Spieler seiner Generation und war in England ebenso verehrt wie beim Hamburger SV.

Seinen Durchbruch feierte Keegan 1971, als er zum FC Liverpool wechselte. An der Anfield Road entwickelte er sich innerhalb weniger Jahre zum Weltstar. In sechs Jahren bei den "Reds" gewann er drei englische Meisterschaften, den FA Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister. Mit insgesamt 63 Länderspielen und 21 Toren für die "Three Lions" zwischen 1972 und 1982 – davon 31 als Kapitän – zählte er zur festen Größe der englischen Nationalmannschaft.

Wechsel zum Hamburger SV

1977 wagte Keegan den überraschenden Wechsel in die Bundesliga zum Hamburger SV. Über seine Beweggründe sagte er später: "Die Leute hielten mich für verrückt, Liverpool zu verlassen. Vielleicht hatten sie recht. Aber ich musste mir selbst etwas beweisen." In Hamburg wurde er nicht nur sportlich, sondern auch persönlich reifer: Dem Magazin "Kicker" sagte er einmal: "Ich habe in Hamburg mehr über mich selbst gelernt als irgendwo sonst."

In der Saison 1978/79 erlebte Keegan seinen größten Triumph im HSV-Trikot. Mit 17 Treffern führte er die Hamburger zur Deutschen Meisterschaft – dem bis heute einzigen Bundesliga-Titel der Vereinsgeschichte. Für seine Leistungen wurde er in den Jahren 1978 und 1979 in Folge zu Europas Fußballer des Jahres gewählt und erhielt damit zwei Mal den Ballon d'Or.

Stimmen der Weggefährten

Keegan wurde beim HSV als größter Spieler seit Uwe Seeler gefeiert. Der damalige Mitspieler Felix Magath erinnerte sich im Gespräch mit dem NDR an den Engländer: "Kevin war ein ganz wichtiger Baustein für diese Mannschaft. Er war ein super Teamplayer und ein super Mensch." Magath ergänzte: "Er war Vollprofi und uns in der Zeit voraus, was das ganze Auftreten gegenüber Medien und Fans betrifft."

Abseits des Platzes machte Keegan auch als Musiker von sich reden. Seine Single "Head over Heels in Love" landete in den deutschen Charts und machte ihn einem breiten Publikum bekannt. In Hamburg fand er zudem ein zweites Zuhause, das ihn sein Leben lang begleiten sollte.

Trainerstationen nach der Spielerkarriere

Nach drei Jahren beim HSV kehrte Keegan 1980 nach England zurück, wo seine aktive Karriere langsam ausklang. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete er als Trainer. Mit Newcastle United verpasste er 1996 nur knapp den englischen Meistertitel. Von 1999 bis 2000 betreute er die englische Nationalmannschaft und führte die "Three Lions" zur Europameisterschaft 2000, wo seine Mannschaft zwar Deutschland in der Vorrunde bezwang, nach zwei 2:3-Niederlagen gegen Portugal und Rumänien jedoch ausschied.

Über Keegans Wirkung als Trainer sagte Alan Shearer, der in Newcastle unter ihm spielte: "Keegan war nie der Mann für Strategiepapiere – aber einer, der dich mitreißen konnte, weil du wusstest: Der meint das ernst." Die Hommage des späteren Torjägers machte deutlich, warum Keegan bei Spielern und Anhängern überall als Leitfigur galt.

Seine Krebserkrankung hatte Keegan Anfang 2026 öffentlich gemacht. Die Familie erklärte nun, er sei im Kreise seiner engsten Angehörigen gestorben. Sein Tod reiht sich ein in eine Serie von Abschieden prominenter Persönlichkeiten aus dem Fußball, die in den vergangenen Jahren die Sportwelt erschüttert haben.

Reaktionen aus Hamburg und London

Beim Hamburger SV löste die Nachricht am Montag sofort Bestürzung aus. Der Verein erklärte, Keegan habe den HSV und die Stadt Hamburg über Generationen geprägt. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kondolierte und würdigte Keegans Verdienste um die Bundesliga. Aus dem Umfeld des britischen Senders Sky Sports wurde bestätigt, dass Keegan am Montag im Kreise seiner Familie verstorben sei.

Keegan hinterlässt seine Frau und seine Töchter. Die Familie hatte in ihrer Erklärung den englischen Sportbehörden und den Clubs, für die Keegan spielte, für deren Anteilnahme gedankt und zugleich an die Öffentlichkeit appelliert, die Trauerzeit zu respektieren. Kondolenzbücher wurden sowohl in Hamburg als auch in Liverpool ausgelegt.

Sportbeobachter sehen in Keegan einen der letzten Vertreter jener Generation von Fußballern, die noch durch Bodenständigkeit und direkten Draht zu den Fans auffielen. In einer Zeit, in der der Fußball zunehmend zum internationalen Millionen-Geschäft geworden ist, gelte der zweimalige Ballon-d'Or-Gewinner als Sinnbild für eine Ära, in der Sportler noch als Nachbarn und Volkshelden wahrgenommen wurden. Mit seinem Tod verliere der Fußball "einen weiteren Menschen, wie es sie heute in diesem Millionen-Business kaum noch gibt".

Trauerfeier und Beisetzung sollen nach Angaben der Familie im engsten Kreis stattfinden. Ein öffentliches Abschiedsspiel oder eine Gedenkveranstaltung sei derzeit nicht geplant. Der HSV kündigte an, in Abstimmung mit den Angehörigen über eine Würdigung im Volksparkstadion zu beraten.